Marschierpulver
Tee wird in Hunderten Varianten produziert – und stammt aus den Blättern eines Strauchs. Auch das grasgrüne Matcha-Pulver bei MISA MATCHA kommt von Camellia sinensis. Dass sich Sandra und Kouros seit drei Jahrzehnten auf zwei Kontinenten mit Tee beschäftigen, hat mit dem Nuancen-Reichtum des Produktes zu tun: den Aromen, Geschmäckern, den handwerklichen Komponenten.
Hochwertigen Bio-Matcha hat das Künstler:innenpaar schon in den 2010er-Jahren gehandelt und damit experimentiert. Über die Jahre wurden Kontakte zu japanischen Tee-Produzent:innen aufgebaut und gepflegt. Als der Hype schließlich losbrach, war man vorbereitet. Hier erzählen Sandra und Kouro auch über die Komplexität von Matcha und über seine belebende Wirkung. Aber eigentlich geht’s um die Philosophie dahinter.
Sandra und Kouro über …
… sich: Wir sind Sandra und Kouro und haben Misa Matcha vor etwa einem halben Jahr gegründet. Unsere Geschichte mit Tee ist aber viel älter. In den USA hatten wir schon früher ein Tee-Business, einen Teeladen im Bundesstaat Washington, nahe Seattle. Dort hat sich vieles entwickelt, was heute in Misa Matcha weiterlebt. Kennengelernt haben wir uns nicht über Tee, sondern an der Universität in den USA, wo Sandra Textilkunst studiert hat. Kouro war Lehrer, Schulleiter und Keramikkünstler.
… den WenTeepunkt: Der eigentliche Wendepunkt kam, als uns Freunde von einem neuen Teeshop in Portland erzählt haben. Dort haben wir zum ersten Mal wirklich hochwertige Spezialtees erlebt – Tees aus Taiwan, Matcha aus Japan. Das war ein Schlüsselmoment. Plötzlich haben wir verstanden, was Tee alles sein kann: aromatisch, geschmacklich, handwerklich. Aus Interesse wurde ein Hobby, aus dem Hobby ein Beruf. Diese Reise dauert inzwischen schon über 30 Jahre an.
… die Anfänge: Unser Teebusiness in den USA lief gut. Schon damals, ungefähr zwischen 2011 und 2014, haben wir viele Matcha-Drinks entwickelt. Matcha war dort noch kein Hype wie heute, aber deutlich präsenter als in Wien. Einer unserer beliebtesten Drinks war eine Vanille-Variante, die warm und kalt funktioniert hat. Wir haben außerdem schon damals mit Getränken gearbeitet, die heute wieder ganz selbstverständlich wirken.
… der Weg nach Wien: Eigentlich war der Plan, unser Business in den USA zu verkaufen und in Wien neu zu starten. Dann kam Covid dazwischen und alles musste warten. Nach der Pandemie haben wir das Thema wieder aufgenommen, unsere Kontakte zu Teefarmern weiter vertieft, recherchiert, neue Produzenten kennengelernt und uns intensiver mit Projekten in Asien beschäftigt. Als wir schließlich nach Wien zurückkamen, haben wir die passende Location in der Siebensterngasse gefunden und eröffnet.
Rückblickend war das Timing ideal. Kurz danach ist der Matcha-Boom richtig losgegangen. Für uns war das ein Vorteil, weil wir schon vorbereitet waren: mit direkten Beziehungen zu kleinen Produzenten, mit Erfahrung und mit Zugang zu hochwertigem Bio-Matcha. Genau das zu finden, ist nämlich viel schwieriger, als viele glauben. Der neue Standort in der Westbahnstraße fokussiert stark auf Matcha.
… Matcha und den Hype darum: Eigentlich kommen wir vom Tee insgesamt. Für uns ist Matcha kein losgelöstes Trendprodukt, sondern Teil einer größeren Teekultur. Gleichzeitig haben wir früh gemerkt, dass man mit Matcha spannend arbeiten kann – geschmacklich, handwerklich und auch wirtschaftlich. So ist der Fokus mit der Zeit stärker in diese Richtung gewandert.
… das, was guten Matcha ausmacht: Das Wichtigste bei Matcha ist für uns Frische. Viele unterschätzen das, weil sie nur Pulver sehen. Aber Matcha ist ein extrem feines Pflanzenprodukt, und genau deshalb ist er so empfindlich. Wenn Matcha frisch und hochwertig ist, schmeckt er lebendig, komplex und weich. Wenn er alt ist, verliert er rasch an Aroma, Farbe und Tiefe. Er oxidiert schnell und kann stumpf oder sogar fischig wirken.
Deshalb importieren wir jeden Monat frischen Matcha. Wir glauben, dass die Leute genau das merken. Man kann es mit frischen Kräutern oder Gemüse vergleichen: Frisch geerntet ist alles intensiv und lebendig, nach langer Lagerung ist davon wenig übrig. Bei Matcha ist das nicht anders.
… die Matcha -Magie: Dass Matcha gerade so gefragt ist, hat für uns mehrere Gründe. Viele erzählen uns, dass sie ihn anfangs bitter oder grasig fanden und dann irgendwann plötzlich Zugang dazu bekommen haben. Wenn man diesen Geschmack einmal versteht – dieses Nussige, Erdige, Frische –, dann bleibt man oft dabei. Dazu kommt die Wirkung: Matcha macht wach, aber oft ruhiger als Kaffee. Viele empfinden die Energie als klarer und länger anhaltend. Und natürlich passt Matcha gut in eine Zeit, in der Gesundheit, Fitness und bewusster Konsum für viele wichtiger geworden sind.
… Tee als Leidenschaft: Gerade in Asien gibt es unzählige Teetraditionen, Spezialgebiete und über Generationen weitergegebenes Wissen. Man kann sich in diese Welt sehr tief hineinarbeiten, und genau das lieben wir. Auch bei Matcha gibt es enorme Unterschiede – je nach Region in Japan, Produzent, Verarbeitung und Frische. Für uns hört dieses Lernen eigentlich nie auf.
… Kunst, Keramik und Materialität: Unsere künstlerischen Hintergründe fließen direkt in Misa Matcha hinein. Kouros Keramik ist eng mit Tee verbunden. Er macht Teegefäße, Matcha-Schalen, Tassen und andere Stücke, die wir hier verwenden oder verkaufen. Tee und Keramik gehören historisch ohnehin zusammen, vor allem in China und Japan. Dort hatten bestimmte Teeschalen immer schon einen hohen kulturellen Wert.
Auch mein Zugang über Textil und Naturfärbung spielt hinein. Bei Teezeremonien geht es nicht nur um das Getränk, sondern auch um Materialität, Haptik, Stoffe, Unterlagen und Atmosphäre. Ich habe früher sogar mit Teeblättern gefärbt. Tee eignet sich dafür gut, weil er viele Gerbstoffe enthält. All das gehört für uns zusammen.
Vielleicht ist genau das der Unterschied: Wir machen das nicht, um möglichst viele Matcha Lattes zu verkaufen. Wir machen es, weil wir Tee lieben – als Geschmack, als Handwerk und als Kultur.