Wie zu Hause
Das PAPA FREDDY’S liegt im hippen 7. Bezirk – nicht mittendrin, aber immerhin. Und es hat die Patina der womöglich ruhmreichen Vergangenheit als Café Erber, dem damaligen Club-Café für Rapidler – die vor 100+ Jahren ausschließlich männlich waren und in Anzügen herumliefen. Davon zeugt ein Foto, das Adrian von einem Stammgast bekommen hat.
Die Wirtin aber ist Alina. Sie hat das Papa Freddy’s blutjung mit damals 21 Jahren und anfangs kaum Deutschkenntnissen übernommen. Und musste sich als Quereinsteigerin in einem Wiener Beisl behaupten, dessen Stammgäste anfangs mit ihr wenig anfangen konnten – einige zumindest.
Heute ist das Papa Freddy’s ein verlängertes Wohnzimmer, wie es sich für ein Original Wiener Beisl gehört. Neben Stammgästen von jung bis alt gibt es auch Laufkundschaft, die auf der Suche nach Authentizität hereingespült wird. Alina und Adrian haben sich dort kennengelernt und das Papa Freddy’s auf der Rückseite ihrer Eheringe originell verewigt.
Alina über …
… das Papa Freddy’s: Meine Mutter bekam von den damaligen Besitzern den Hinweis, dass sie das Lokal abgeben wollten. Ich war damals erst 21 Jahre alt und nicht sicher, ob ich wirklich schon ein eigenes Lokal haben wollte. Ich war mit 19 nach Wien gezogen und musste zuerst Deutsch lernen. Gleichzeitig brauchte ich eine Arbeit mit flexiblen Zeiten, damit ich mich weiterbilden konnte. Also habe ich das Lokal übernommen, hier gearbeitet und nebenbei gelernt.
… den steinigen Einstig: Vor mir wurde das Lokal von österreichischen Besitzern geführt. Als die Stammgäste hörten, dass nun eine 21-jährige Frau aus Rumänien übernimmt, blieben viele zunächst weg. Nach ungefähr zwei Wochen kamen sie aber zurück und entschuldigten sich. Danach haben sie mich sehr unterstützt. Sie setzten sich mit mir zusammen, halfen mir beim Deutschlernen und passten auch auf mich auf. Das war für mich besonders wichtig, weil ich so jung war und vorher keine Erfahrung in der Gastronomie hatte.
…klare Grenzen: Gerade am Anfang musste ich sehr konsequent sein. Ich konnte nicht mit Gästen arbeiten, die mich nicht respektierten oder mir erklärten, ich sei zu jung. Deshalb habe ich einigen Menschen Lokalverbot erteilt. So habe ich mir nach und nach ein Publikum aufgebaut, mit dem ich gut arbeiten kann.
… ein klassisches Wiener Beisl: Das Papa Freddy ist ein klassisches Wiener Beisl, das es seit rund 80 Jahren gibt und in dem die Getränke im Mittelpunkt stehen. Bisher hatten wir keine Speisen. Nun möchten wir mit kleinen Snacks beginnen, etwa Würsteln oder Aufstrichbroten. Es wird aber keine umfangreiche Speisekarte geben.
Bei der Renovierung wollten wir seinen Charakter unbedingt erhalten. Wir haben nur Wände, Decken und Türen gestrichen und einige Tische und Sessel aufgearbeitet. Die alten Sitzbänke wurden lediglich neu lackiert. Auch die Bar und das alte Kühlhaus aus den 1950ern sind geblieben.
… die Gäste: Obwohl der siebte Bezirk für neue, schicke und innovative Lokale bekannt ist, funktioniert unser traditionelles Konzept sehr gut. Viele junge Leute suchen heute genau solche Orte. Wir laufen nicht jedem Trend hinterher. Gerade deshalb wird das Papa Freddy von vielen Gästen als authentisch wahrgenommen.
Zu uns kommen viele Studentinnen und Studenten, darunter auch zahlreiche Deutsche. Gleichzeitig haben wir ältere Stammgäste, die das Lokal bereits seit Jahrzehnten besuchen. Dass diese unterschiedlichen Menschen gut miteinander auskommen, ist einer unserer größten Vorteile.
Einige Gäste besuchen Wien nur einmal im Jahr und kommen trotzdem bei jeder Reise wieder zu uns. Manche verbinden das Lokal inzwischen fest mit ihrem Aufenthalt in Wien.
… den BeWirt*-Faktor: Das Schönste an der Gastronomie ist für mich, dass Menschen zusammenkommen und miteinander kommunizieren. Im Papa Freddy hat sich eine Gemeinschaft entwickelt, in der man sich gegenseitig hilft.
Wir funktionieren stark auf einer emotionalen Ebene. Die Menschen lernen einander kennen, bauen Beziehungen auf und unterstützen sich. Viele sagen, dass sie sich bei uns wie zu Hause fühlen. Genau das macht für mich ein echtes Beisl aus.
Auch meinen Mann Adrian habe ich im Papa Freddy kennengelernt. Er war damals Gast und ist geblieben. Inzwischen führen wir das Lokal gemeinsam. Auf unseren Eheringen sind die Koordinaten des Papa Freddy eingraviert. Das Lokal ist schließlich nicht nur unser Arbeitsplatz, sondern auch der Ort, an dem unsere gemeinsame Geschichte begonnen hat.