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Familie zum Aussuchen
In VIKI`S PUB – SO ODER SO kommen auch…

Familie zum Aussuchen

In VIKI`S PUB – SO ODER SO kommen auch Tourist:innen – angelockt von Google oder der KI. Was sie hier finden, ist ein Wiener Original: ein Tschocherl, wo sich die Stammgäste auch schon mal selbst ihr Bier zapfen, wenn Viki gerade beschäftigt ist. Sie kommen abends auf ein Feierabend-Getränk, treffen sich in Viki’s Wohnzimmer, man kennt sich. Wer aber glaubt, als Neuling eine exklusive Runde zu stören, der irrt.

Jede/r sei willkommen, betont Viki, das ist ihr sehr wichtig. Und weil ohnehin alle wegen Viki kommen, funktioniert das auch. Familie kann man sich nicht aussuchen, heißt es. Viki schon. Dazu gibt es Soletti, Oliven und Knoblauchaufstrich vom alteingesessenen Greissler Gromes nebenan. Klassische Wohnzimmerkost eben. 

Viki über…

… ihr Pub: Ich bin Viki und betreibe ein kleines Beisl in Wien. Für mich ist das hier nicht einfach ein Job, sondern mein Leben. Ich bin seit zwölf Jahren hier und habe mir in dieser Zeit wieder eine Familie aufgebaut – so, wie es früher in kleinen Lokalen normal war. Jeder kennt jeden, jeder ist für jeden da.

… das Beislgefühl: Ein Beisl ist für mich ein Ort, an dem Leute zusammenkommen, die sich vielleicht noch nie gesehen haben, und einfach miteinander zu reden anfangen. Daraus entstehen manchmal Freundschaften, manchmal sogar Beziehungen. Ich habe hier schon einige Pärchen zusammengebracht, bei manchen sind mittlerweile Kinder da. Wien ist für mich sowieso ein Dorf. Manchmal treffen sich hier Menschen zufällig wieder, die einander seit 20 Jahren nicht gesehen haben.

… die Gäste: Ich glaube, die Leute kommen gerne zu mir, weil sie so sein dürfen, wie sie sind. Bei uns zählen nicht das Geschlecht, das Bankkonto oder die Herkunft, sondern der Mensch und der Charakter. Jede Nationalität ist willkommen, jede Vorliebe, jede Art zu lieben. Wir hatten auch schon Gruppen mit blinden Menschen da oder Gäste mit schwer beeinträchtigten Angehörigen. Bei uns ist einfach jede:r Teil der Familie.

… Tourist:innen: Auch Tourist:innen spüren das. Viele kommen wegen der Google-Bewertungen oder weil sie zufällig vorbeigehen. Wenn sie länger in Wien sind, kommen sie dann oft gleich mehrmals, weil sie sich aufgenommen fühlen. Hier redet jemand mit ihnen, hier wird gemeinsam getrunken, gelacht und manchmal auch geweint.

… das Wohnzimmer: Viele sagen, sie suchen genau so ein Lokal: nicht gesteckt voll, nicht immer laute Musik, sondern mit Wohlfühlfaktor. Natürlich ist es bei uns auch manchmal lauter, aber man ist eingebunden, wenn man das möchte. Und wenn jemand seine Ruhe will, ist das auch okay. Manche kommen, schlagen den Laptop auf und arbeiten. Wir haben WLAN, man kann Essen mitbringen oder bestellen. Für mich ist das hier ein Wohnzimmer.

… Offenheit: Bei mir darf jede:r so sein, wie er oder sie ist. Wenn zwei Männer ein Paar sind, dürfen sie sich hier genauso küssen wie alle anderen. Wenn das jemandem nicht passt, muss er nicht hinschauen. Und wenn es ihm noch immer nicht passt, kann er gehen. Das ist nicht böse gemeint. Aber jeder Mensch soll akzeptiert werden, wie er ist.

… Familie: Ich hatte selbst nie so ein richtiges Familienleben. Deshalb habe ich immer gesagt: Wenn ich einmal Wirtin bin, dann wird das meine Familie, die ich selber nie hatte. Und ich glaube, ich habe das geschafft. Wenn ich im Jänner zusperre und zurückkomme, sagen Nachbarn und Geschäfte rundherum: Endlich bist du wieder da, jetzt lebt die Straße wieder.

… Nachbarschaft: Wir helfen einander. Ein Nachbar fragt, ob ich einen Wohnungsschlüssel aufpassen kann. Jemand braucht Werkzeug, mein Mann ist technisch begabt, also helfen wir. Wenn ich etwas ausdrucken muss, hilft mir jemand gegenüber. Wenn ich allein bin und ein Fass brauche, schnappe ich mir zwei Jungs und wir holen es gemeinsam. So funktioniert das hier: leben und leben lassen, miteinander statt gegeneinander.

Auf gute Nachbarschaft: Viki und die
Greissler Gromes, zwei Generationen.
Nice to meet you