Retro? Original!
Seit Herbst 2025 bereichert das BISTRO FLAMEAU im Fasanviertel eine ansonsten eher ruhigere Ecke Erdbergs. Alina und Florian haben das urgemütliche Beinahe-Vorstadt-Eckbeisl behutsam und liebevoll umgebaut und man hat fast den Eindruck, dabei alles anders gemacht als in Florians früherem Wirkungskreis, dem Café Kriemhild: die Decke bleibt abgehängt, die Karte leistbar, es gibt Stammgäste aus der Nachbarschaft.
Gut, es gibt auch Pierogi und der Schinken-Käse-Toast kommt hier als dunkles Sandwich mit selbst gekochter Zwiebelmarmelade und Chipotle-Mayo daher. Und neben Grieskirchner Bio-Pils vom Fass gibt es auch Naturweine. Aber wer mag, kann auch ganz klassisch mit Rüscherl abstürzen. Und Eismarillenknödel vom Tichy gibt es auch.
Der Name kommt übrigens von Flo’s Großeltern, die ihn heute noch fragen: „Hast einen Flamot?“ – hast einen Hunger?
Alina und Flo über…
… das Bistro Flameau: Wir sind Alina und Flo und führen gemeinsam das Bistro Flameau. Seit Oktober 2025 sind wir hier. Flo wollte schon lange ein eigenes Lokal aufmachen, und ich bin dann ein bisschen mit hineingwachsen. Es war immer dieses große Ziel: ein eigenes Lokal finden, finanzieren, machen. Gleichzeitig wollten wir nichts zu Großes, sondern einen Ort, der überschaubar bleibt und zu uns passt.
… die Location: Als wir das Lokal zum ersten Mal angeschaut haben, war ich zuerst skeptisch, weil der Weg nicht ideal gewirkt hat und keine U-Bahn direkt in der Nähe ist. Aber dann sind wir hineingegangen, und sehr schnell war klar: Das ist eigentlich genau das, was Flo die ganze Zeit beschrieben hat. Die runde Bar, die Nischen, die Fensterplätze – das Lokal hatte sofort einen eigenen Charakter.
… gute Plätze: Was mir besonders gefallen hat: Bei uns gibt es nicht die guten und die schlechten Tische. In vielen Lokalen merkt man sofort, welche Plätze eigentlich die schönen sind und welche eher übrig bleiben. Hier ist jeder Tisch irgendwie gemütlich. Man sitzt am Fenster, in einer Nische und ist immer ein bissel für sich. Das war für uns ein wichtiger Punkt.
… das Konzept: Unsere wichtigste Beschreibung ist: ein Lokal, in das wir beide selbst gerne gehen würden. Danach richten wir eigentlich viele Entscheidungen aus. Es soll qualitativ sein, gemütlich, nicht steif. Man muss sich nicht herrichten oder irgendeinen Dresscode erfüllen. Man darf einfach da sein, Zeit verbringen, gut essen und gut trinken.
… Küche und Getränke: Wenn man es einordnen will, ist es eine Mischung aus Beisl und Heurigenküche mit einem moderneren Touch. Dazu kommt eine vielfältigere Getränkeauswahl und ein Schwerpunkt auf Wein. Beim Wein geht es uns weniger um große Marken, sondern um handwerklich gut gemachte Weine, oft biologisch und von Produzent:innen, hinter denen wir stehen können.
… das Cheese Sandwich: Unser Signature Dish ist wahrscheinlich das Cheese Sandwich. Das war eines der ersten Dinge, die wir hatten, und es wird auch bleiben. Man könnte natürlich sagen, es ist ein Käsetoast – aber bei uns steckt in jeder Zutat ein bisschen mehr. Wir verwenden ein sehr dunkles Brot von der Bäckerei Grimm, Bergkäse, selbst gekochte Zwiebelmarmelade und Chipotle-Mayo, die wir selbst anrühren. Zusammen ist das dann mehr als nur ein Toast.
… Gemütlichkeit: Gemütlichkeit passiert nicht zufällig. Viele Leute merken nur, dass sie sich wohlfühlen, ein Getränk bestellen, noch eines trinken und am Ende viel länger bleiben als geplant. Aber dahinter steckt viel Arbeit: Licht, Musik, Sauberkeit, Akustik, Materialien, die richtige Stimmung. Wenn etwas davon nicht passt, fällt es sofort auf. Wenn es passt, wirkt es ganz selbstverständlich.
… den Umbau: Wir haben mehr gemacht, als man vielleicht auf den ersten Blick sieht. Die Bänke wurden neu überzogen, die Bar und vieles im Lokal neu gemacht, alte Elemente aber bewusst erhalten. Uns war wichtig, dass es frisch, sauber und stimmig wird, ohne den Charakter zu verlieren. Manche Arbeiten waren extreme Detailarbeit, die man später kaum sieht – aber genau solche Dinge machen am Ende die Atmosphäre aus.
… Akustik und Musik: Uns war wichtig, dass man sich gut unterhalten kann und die Musik trotzdem gut klingt. Deshalb haben wir viel Stoff und Holz im Lokal, und die abgehängte Decke ist geblieben. Es soll nicht nur cool aussehen, sondern auch funktionieren. Wenn man später länger offen hat oder DJs da sind, muss die Akustik trotzdem angenehm bleiben.
… ihre Rollen: Flo kommt stärker aus der Gastronomie. Er hat in verschiedenen Lokalen gearbeitet, unter anderem in Serviceleitung und in Weinbars, und dort viel gelernt. Ich komme eher aus dem Social-Media- und Kreativbereich. Dadurch ergänzen wir uns gut. Flo bringt viel Gastro- und Weinwissen mit, ich kümmere mich stärker um Gestaltung, Instagram, Logo, Interieur, Lichtstimmung und solche Dinge.
… die Zusammenarbeit: Am Anfang war gar nicht ganz klar, wie stark ich involviert sein werde. Es war lange Flos Traum, und ich wollte ihm nicht auf die Zehen steigen. Irgendwann haben wir aber gemerkt, dass wir beide wollen, dass ich voll dabei bin. Viele Bereiche haben sich dann sehr natürlich aufgeteilt. Wir stehen beide im Lokal, machen beide Schichten, aber jede:r bringt andere Stärken ein.
… den Namen: Flameau kommt von „Flamot“, also Hunger auf Wienerisch. Das kenne ich aus der Familie. Wenn ich zu meinen Großeltern gehe, kommt so etwas wie: „Hast du einen Flamot?“ Für uns hat der Name gut gepasst, weil er etwas Wienerisches hat, aber auch einen französischen Klang. Er ist persönlich, bleibt hängen und fühlt sich für das Lokal richtig an.