Streetmood
Nare hat das KATSCHELI in der Karmelitergasse eher zufällig eröffnet, Freunde hatten die damals noch Studierende überzeugt. Es gab anfangs eigentlich auch kein Konzept und vor allem Getränke auf der Karte. Das Katscheli ist dennoch seit 14 Jahren eine Institution und das liegt an Nare: Sie ist die geborene Gastgeberin. Während wir uns unterhalten, kommen ständig Nachbar:innen oder Mitarbeiter:innen auf eine kleine Plauderei vorbei. Dass es mittlerweile auch immer mehr Rezepte aus Mamas kaukasischer Küche gibt, macht die Sache umso besser.
Nare (links) über…
… das Katscheli: Ich bin Nare und betreibe das Katscheli seit 14 Jahren. Ein richtiges Konzept gab es am Anfang eigentlich nicht. Ich wollte ein Café aufsperren, guten Kaffee haben und Produkte anbieten, die ich selbst gerne verwende oder trinke. Hausbrandt-Kaffee gibt es bei mir seit Beginn. Vieles ist über die Jahre einfach gewachsen, ohne dass ich es groß geplant hätte.
… Kaffee und Getränke: Beim Kaffee war mir Qualität von Anfang an wichtig. Beim Bier und beim Wein arbeite ich gerne mit Partnern, von denen ich überzeugt bin. Ich wechsle nicht ständig, nur weil es gerade etwas Neues gibt. Mit meinem Winzer arbeite ich seit vielen Jahren zusammen, weil die Weine für mich passen: sympathisch, gut, biozertifiziert und mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
… die Küche: Es gibt bei mir georgische, armenische und kaukasisch inspirierte Küche auf Bestellung. Das ist im Grunde Mamas Küche. Ich habe von meiner Mutter übernommen, wie sie kocht, aber natürlich hat jede Familie ihre eigenen Geheimnisse. Ich schaue sehr nach Gefühl und nach Saison, was gerade gut passt, Pchali zum Beispiel, ein veganer georgischer Aufstrich aus Gemüse und Gewürzen. Im Sommer bieten sich Melanzani, Paprika, Kräuter, Walnüsse und kalte Vorspeisen sehr gut an.
… typische Speisen: Wenn ich koche, gibt es zum Beispiel Spinat mit Walnüssen, gewürzte rote Rüben, Melanzani oder Kräuterkäse mit Brot und Olivenöl. Vieles ist vegetarisch oder vegan möglich. Ich mache das spontan und so, wie es gerade passt. Wichtig ist mir, dass es authentisch bleibt und nicht künstlich auf Konzept gemacht wirkt.
… Suneli: Suneli ist eine georgische Gewürzmischung. Manche sagen, sie erinnert an Curry, ich finde das eigentlich nicht. Für mich hat sie einen ganz eigenen Geruch und Geschmack. Meine Mischung lasse ich nach meiner Vorstellung machen und verkoste so lange, bis sie passt. In der kaukasischen Küche ist so eine Mischung sehr wichtig, aber jede Familie macht sie ein bisschen anders.
… Catering und Essen auf Bestellung: Das Essen ist bei mir lange sehr persönlich gelaufen. Wenn ich gekocht habe, habe ich das eher direkt an Stammgäste kommuniziert. Aus kleinen Anfragen sind mit der Zeit auch Caterings entstanden. Ich habe irgendwann gemerkt, dass das funktioniert und dass ich das gerne mache. Seit kurzem wird das Thema Essen wieder größer, aber es soll trotzdem zu mir und zum Katscheli passen.
… Gastfreundschaft: Ich glaube, ich bin weniger Gastronomin als Gastgeberin. Das Katscheli ist für viele eher ein Wohnzimmer geworden. Hier kommen viele Stammgäste, viele kennen einander, und es geht nicht nur um Kaffee oder Wein, sondern auch um Nachbarschaft. Ich mag Menschen, und wahrscheinlich hat es deshalb funktioniert.
… den Weg in die Gastronomie: Ich bin ohne klassische Gastronomieerfahrung in die Branche gerutscht. Die Idee ist an einem Silvesterabend entstanden, kurz nach der Geburt meines Kindes. Ein paar Monate später hatte ich das Lokal übernommen. Vieles habe ich mir selbst beigebracht: Kaffeemaschine, Abläufe, Küche, Gäste. Am Anfang gab es sicher Leute, die gegen mich gewettet haben. Aber ich bin immer noch da.
… die Zukunft: Bis jetzt war das Essen bei mir oft etwas, das Stammgäste direkt erfahren haben. Ab September möchte ich regelmäßiger Speisen anbieten, wahrscheinlich an bestimmten Tagen. Trotzdem soll das Katscheli bleiben, was es ist: ein persönlicher Ort, kein durchgestyltes Konzept.