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Tradition trifft Hongkong
Das MEIWEI in der Taborstraße bietet zu…

Tradition trifft Hongkong

Das MEIWEI in der Taborstraße bietet zunächst traditionelle chinesische Hausmannskost auf hohem Niveau, zum Beispiel Teigtaschen wie Jiaozi oder Wantan, Frühlingsrollen oder der speziellen Peking Ente. Weil: die chinesische Küche hält es grundsätzlich wie die italienische – sie ist eh schon komplex genug. Gleichzeitig gibt eine extrem innovative Streetfood-Küche wie in Hongkong.

Hier knüpft Lorenzo an, der jüngste Spross im family business. Auf der Sommerkarte darf er sich alljährlich austoben, heuer zum Beispiel mit Tofu Tartare, der rein veganen Variante des Beef Tartare. Die ausführliche Weinkarte geht wiederum auf die Initiative des Vaters zurück. Das ebenso verspielte wie edle Interieur hat Lorenzos Schwester entworfen. Und irgendwie sind alle dabei und eigentlich Quereinsteiger:innen. Merkt man gar nicht.

Lorenzo über …

… MEIWEI & die Familie:
Meine Eltern hatten früher ein Modegeschäft in Wien. Als die Branche schwieriger wurde, sind sie wieder in die Gastronomie zurückgekehrt – eigentlich zu etwas, das sie schon kannten. Als sie nach Österreich gekommen sind, hatten sie bereits einmal ein Lokal in Niederösterreich. Diese Erfahrung, aber auch die Freude am Essen, hat sie nie ganz losgelassen.

MEIWEI gibt es seit März 2025. Ich war damals noch im Auslandssemester in Hongkong, als meine Eltern das Lokal eröffnet haben. Die Idee war, nicht einfach „chinesisches Essen“ zu machen, sondern Gerichte, die bei uns zu Hause wirklich gekocht wurden. Meine Mutter hat vieles davon schon für uns gemacht, als wir Kinder waren. Für mich steckt darin sehr viel Nostalgie – und genau dieses Gefühl wollten meine Eltern auch anderen Menschen weitergeben.

… die Küche:
Unsere Familie kommt aus dem Südosten Chinas, aus einer Region nahe Shanghai. Die Küche dort ist anders als in anderen Teilen Chinas, aber bei MEIWEI machen wir keine extrem scharfen Gerichte. In Wien muss man manches anpassen: Einerseits, weil nicht alle Zutaten hier in derselben Qualität verfügbar sind. Andererseits, weil viele Gäste sehr scharfe Gerichte gar nicht essen könnten. Ich übrigens auch nicht – ich bin hier geboren und mein Magen ist nicht mit dieser Schärfe aufgewachsen.

Deshalb ist unsere Küche traditionell, aber nicht starr traditionell. Die Basis kommt aus der chinesischen Hausmannsküche meiner Familie. Gleichzeitig schauen wir darauf, was hier funktioniert, welche Zutaten wir bekommen und wie die Gerichte für unsere Gäste zugänglich bleiben.

… die zweite Generation:
Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen. Meine Eltern haben das Lokal eröffnet, aber meine Schwestern und ich helfen auf unterschiedliche Weise mit. Das Interieur zum Beispiel hat meine große Schwester gemacht. Sie hat in Italien Mode studiert und sich später auch mit Interior Design beschäftigt.

Ich selbst habe an der WU Wirtschaftsinformatik studiert und möchte langfristig in der Gastronomie bleiben. Deshalb arbeite ich jeden Tag im Lokal mit, sammle Erfahrung und übernehme nach und nach mehr Verantwortung. Meine Eltern sind natürlich vorsichtig – das verstehe ich auch. Aber mit der Sommerkarte habe ich mir ein kleines Spielfeld geschaffen.

… die Sommerkarte:
Die normale Karte ist stark chinesisch geprägt. Auf der Sommerkarte kann ich mehr ausprobieren. Da geht es auch um meine eigene Perspektive: Ich bin mit chinesischer Kultur aufgewachsen, aber in Österreich sozialisiert. Meine Gerichte sollen beides zeigen.

Ein Beispiel ist das Tofu-Tatar. Ich mag Beef Tatar sehr gern, wollte aber etwas machen, das auch vegetarisch funktioniert und trotzdem asiatisch gedacht ist. Statt Toast gibt es dazu knusprige chinesische Knödel. Das ist kein traditionelles Gericht, aber genau das ist der Punkt: Es verbindet etwas, das man hier kennt, mit etwas, das aus unserer Küche kommt.

Auch bei den Desserts probiere ich solche Kombinationen aus. Ein Dessert mit Tapiokaperlen, Kokosmilch und Chia-Samen zum Beispiel. Oder ein Tiramisu mit Yuzu, einer asiatischen Zitrusfrucht – auch das hat eine persönliche Note, weil meine Eltern sich in Italien kennengelernt haben und ich selbst diesen italienischen Einfluss spannend finde.

… Kreativität in der Küche:
Ich denke beim Kochen oft analytisch. Vielleicht kommt das vom Studium. Bei einem Tiramisu überlege ich mir: Welche Komponenten braucht es? Was kann man austauschen? Wo braucht es Säure, Fett, Süße, Textur? Dann probiere ich aus. Vieles schmeckt am Anfang nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber manchmal funktioniert es sehr gut.

Für mich ist Küche nichts Starres. Tradition ist wichtig, aber jede Küche hat sich irgendwann verändert. Auch das, was heute traditionell wirkt, war irgendwann einmal neu. Gerade Streetfood zeigt das sehr gut: Dort zählt am Ende, ob es schmeckt. Wenn eine Kombination besser funktioniert, dann darf sie auch sein.

… Hongkong und Streetfood:
Mein Auslandssemester in Hongkong hat mich sehr geprägt. Dort gibt es an jeder Ecke gutes Essen, oft ganz einfach und günstig. Ich habe dort gemerkt, dass gutes Essen nicht teuer oder kompliziert sein muss. Es muss einfach schmecken.

Hongkong ist außerdem ein Ort, an dem Trends früh sichtbar werden. Vieles, was in Europa erst später ankommt, ist in Asien längst Alltag. Das kenne ich auch aus der Modebranche meiner Familie: Meine Eltern und meine Schwester sagen oft, dass Trends in Österreich mit Verspätung ankommen. In der Gastronomie ist es ähnlich. Genau deshalb finde ich es spannend, bei MEIWEI etwas auszuprobieren, das zwischen den Kulturen liegt.

Nice to meet you