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Schlagwort: Vegan(friendly)

Pizzampano

Mit PLANTY PIZZA produziert Tizian Steiger  in der offenen Mini-Küche des altehrwürdigen Spektakel mit offensichtlicher Freude die wahrscheinlich beste vegane Pizza von Wien. Der Teig ist wie bei jedem guten Pizzaiolo eine Wissenschaft. Die Toppings macht er entweder selbst oder sind gut gewählt und in Kombination ein geschmackliches Road-Movie mit Happy End. Oder einfach saugut. Nur ohne Sau natürlich.

Tizian über …

… sich: Ich habe Koch gelernt und komme eigentlich aus der Spitzengastronomie. Dann kam bei mir der Veganismus ins Spiel und damit war der Weg in die sogenannte Spitzenküche erstmal verstellt, weil dort leider immer noch für jeden Gang ein anderes Tier stirbt.
Also habe ich in veganen Lokalen gekocht und irgendwann meinem alten Kochkollegen Serge Bensa von Pizza Bros beim Start geholfen. Das hat mich dann gepackt.
 
… das Produkt: Ich wollte unbedingt etwas Veganes produzieren, wo ich aber trotzdem mit dem Endprodukt überzeugen kann und keine Abstriche beim Geschmack oder bei der Qualität machen muss. Bei Pizza ist der Teig immer vegan und wenn du den richtig machst, hast du schon mal sehr viel richtig gemacht.
 
… wilde Toppings: Bei den Toppings tobe ich mich aus. Und da kommt dann der Koch wieder raus und erstellt Geschmacksprofile.
Einmal in der Woche kommt was ganz Spezielles drauf, zum Beispiel Falafel, Thun-Visch und Chili-Mayo. Und die Leute lieben es. Ansonsten bemühe ich mich um Klassiker wie Margherita, die musst du auch immer haben.
 
… meditativen Teig: Ja, was macht den Teig aus? Zeit Wissen, Temperaturen und einfache, aber gut gewählte Zutaten. Beim Teig wird dir nie langweilig. Es ist wie Meditation, wenn du in der Früh reinkommst und den Ansatz vom letzten oder vorletzten Tag nimmst. Du musst dich darauf konzentrieren, welche Konsistenz und Temperatur er hat, du musst die ganze Zeit messen. Das ist ein schöner Prozess, der immer wieder Spaß macht.
 
… vegane Salami: Manchmal sind die Leute skeptisch und sagen, “Du kannst es nicht Salami nennen, wenn’s nicht vom Tier ist.” Und ich sage, “Esst erstmal eine Pizza und dann reden wir weiter.”  Und einige meinten danach, “Schmeckt richtig gut.” Das ist mein Ansatz: Ich bin vegan, ihr müsst nicht alle mitmachen, ich gebe euch einfach gute Sachen. Und dann reden wir drüber.

Grazie, Pistazie!

Dominic Geistberger hat mit dem GREY KAFFEE nicht nur den ersten Specialty Coffee Shop im 17. Bezirk eröffnet. Seine – auch veganen – Croissants mit Pistazien-Füllung waren die ersten in Wien. Seitdem wird der kleine, sympathische Laden am ansonsten schmucklosen Elterleinplatz von NachbarInnen wie Hipstern überrannt. Und Hype hin oder her – die flaumig zarten “Cornetti” mit süßer Füllung schmecken super, bittesehr! Sie werden übrigens aus Italien angeliefert. Dort gibt es sie nämlich an jeder Ecke.

Dominic über …

… sich: Ich bin der Dominic und habe im Frühjahr 2023 das Grey Kaffee in der Kalvarienberggasse eröffnet. Es war der erste Coffeeshop im Bezirk und wir erfreuen uns großer Beliebtheit. 
 
… über Kaffee: Bis 2021 hatte ich in meinem Leben noch keinen Kaffee getrunken. Angefangen habe ich mit Kinderkaffee, also viel Milch und wenig Espresso. Die Relation hat sich dann gedreht und immer wenn ich frei hatte, bin ich zu kleinen Cafés gefahren und habe Kaffee getrunken. Dann kam Corona wieder und ich habe keinen guten Kaffee mehr bekommen. Also habe ich mir selber eine Siebträgermaschine gekauft und irgendwann hat es dann geklappt.
 
… den Hype: Wir haben Social Media sei Dank einen Pistazien-Hype in Wien ausgelöst. Und der hält nicht nur an, er wird von Monat zu Monat eigentlich noch stärker. Und ich warte auf den Moment, dass es weniger wird, aber es passiert zum Glück noch nicht.
 
… Palermo: Meine Freundin unterrichtet Italienisch an einer höheren Schule und wir sind jedes Jahr mehrmals auf Urlaub in Italien. Cornetti al Pistacchio bekommt man dort an jeder Ecke. Und ich dachte, das ist so was Gutes. Es kann doch nicht so schwer sein, Cornetti nach Wien zu bringen. Ich habe mich dann auf die Suche nach einem Lieferanten gemacht und habe südlich von Palermo auf Sizilien einen gefunden. Und die machen das für uns frisch. Die Cornetti kommen tiefgekühlt, wir backen sie alle ein, zwei Stunden frisch auf und befüllen sie selber mit Creme.

Social Chic

In der ansonsten betuchten Grazer Innenstadt hat Jasmin Kasbauer mit dem SISHAUS ihr Lebensprojekt umgesetzt – ein Hostel mit veganer Küche, das für alle zugänglich ist. Das Haus ist so jung und kreativ wie die Betreiberin und ihr Team: viel Upcycling, Mut zur Lücke, leistbare Preise, nachhaltige Speisen. 

Jasmin über …

… das Sishaus: Das SIS im Sishaus steht für ein Social, Intregtive & Sustainable. Ursprünglich war das Sishaus in der Grazer Innenstadt als ein Hostel angedacht.  Mir war es aber auch wichtig, die GrazerInnen mit einzubinden, was dazu führte, dass das Sishaus nun ein 100%iges veganes Hostel, Café und Restaurant ist, das Workshops uvm. anbietet und daher für alle zugänglich sein soll. 

… die Idee: die Grundidee war immer schon, nachhaltige und soziale Projekte zu starten – aber dafür braucht man Geld! Sishaus soll früher oder später Träger der zukünftigen gedachten Projekte werden. Von Covid bis zum Wasserrohrbruch hatten wir alles mit dabei, daher hoffe ich, dass wir mit dem ersten Projekt im nächsten Jahr starten können 🙂 Mehr verrate ich noch nicht 😉

Nachhaltigkeit: Wer bei uns vegan schlemmen will, der speist auf Omas alter Kastentüre. Wir haben vieles upgecycelt und sowieso sind bei uns alle Sanitäranlagen aus zweiter Hand – ohne Ausnahme.

… Mundpropaganda: Naja, Sishaus ist zwar zentral, aber doch etwas versteckt in der Innenstadtlage – ich glaube unsere Speisen sind schon sehr lecker – aber noch wenige kennen uns. Daher freuen wir uns, wenn zufriedene Gäste das Sishaus weiter flüstern 🙂

Süßer Traum

Das PETIT DESSERTS im Grazer Lendviertel ist nicht nur die erste Adresse für feinstes Backwerk auf Bestellung – auf Wunsch in vegetarisch oder vegan und unter Rücksichtnahme auf diverse Unverträglichkeiten. Konditorin und Quereinsteigerin Ursula Weber zeigt auch auf, dass deine Träume einfach umsetzen kannst. Du musst nur machen, äh, backen.

Ursula über …

… sich: Bevor ich Konditorin wurde, war ich zehn Jahre lang im Handel tätig. Gebacken habe ich aber immer schon gerne. Ich wollte unbedingt mein Hobby zum Beruf machen und mein eigener Chef sein. Deshalb habe ich eine Lehre als Konditorin gemacht. Ich lebe für meinen Beruf und engagiere mich auch in der Nachwuchsförderung, gebe Kurse und nehme auch Prüfungen ab. 

… das Backwerk: Bekannt sind meine Petit Fours, also kleine Köstlichkeiten. Ich backe aber auch bombastische Hochzeitstorten und diverse Dessert-Variationen – alles sehr beliebt und auf Wunsch selbstverständlich auch in vegetarischen oder vegan erhältlich. Wo es geht, verwende ich regionale Zutaten – nur bei veganen Kompositionen ist das nicht immer möglich. 

… Intoleranzen: Da ich eine Konditorei auf Bestellung habe, kann ich ganz individuell auf meine KundInnen eingehen und Unverträglichkeiten wie etwa Zöliakie berücksichtigen. Da ich selbst eine Laktose-Unverträglichkeit habe, beschäftige ich mich schon sehr lange mit dem Thema und habe mich auf alternative Zutaten spezialisiert. Ich produziere hauptsächlich laktosefrei und auf Wunsch auch glutenfrei.

… süße Liebe:  Ich liebe alles an meinem Job – das Kreieren, Produzieren und Gestalten. Ich kann einfach super meine Kreativität einbringen. 

Kulinarität!

Anfang Sommer 2023 eröffnete Tina Ehrke-Rabel am Grazer Lendplatz das BETHLEHEM (vormals SATI Spices-Stand). Geboten wird gesunde, hochwertige und preiswerte Küche aus der Levante, Spezialitäten aus der Region rund um Isreal, Syrien etc. – darunter zum Beispiel Shakshuka, Mezze oder orientalisches Frühstück. Dazu trinkt man das selbstgemachte (nicht alkoholische) In-Getränk „Gazoz“, das es derzeit nur dort gibt. Unbedingt probieren!

Tina selbst hat Wurzeln in Tel-Aviv. Ihre MitarbeiterInnen stammen aus der ganzen Welt und prägen mit ihrem multikulturellen Hintergrund die authentische Küche. Gekocht wird mit hochwertigsten Gewürzen aus dem hauseigenen Gewürzhandel. So kann man sich auch Inspiration für zu Hause holen und die notwendigen Gewürze ein paar Meter weiter gleich mitnehmen. 

Tina über …

…sich: Eigentlich bin ich Professorin für Finanzrecht an der KF Uni Graz. Mein Herz schlägt aber auch dafür, Kulturen zu vermitteln und zu vernetzen und dadurch Vorurteile abzubauen. Daher der Name „Bethlehem“: jene Stadt, die für Juden, Christen und Moslems eine Bedeutung hat und für das Verbindende steht.

… die Küche: Wir kochen nur mit hochwertigsten Zutaten, haben einen hohen Bioanteil, nutzen unsere selbst importierten Gewürze aus aller Welt. Wir beschäftigen in der Küche Frauen mit multikulturellem Hintergrund, die herausragend kochen können und sich mit den Zutaten und Rezepten auskennen. 

… das Feedback: Da wir nicht aus der Gastro kommen, haben wir in den ersten Monaten unseres Bestehens sehr schnell gelernt, was am Lendplatz funktioniert. Das Feedback der KundInnen ist phänomenal. So kommt es auch schon mal vor, dass wir binnen zweier Stunden komplett ausverkauft sind und wir wieder nachproduzieren müssen. Später kommen wir dann drauf, dass jemand etwas auf Instagram gepostet hat. Das Tempo ist extrem hoch und die ganze Familie bringt sich ein. 

Bestes ums Eck

“Die Rückkehr des Tscheppe-Clans” titelte die Grazer Lokalpresse, als Katharina Tscheppe in der Grazer Innenstadt ihr TSCHEPPE UMS ECK eröffnete. Tatsächlich kommt Katharina aus einer renommierten steirischen Winzer- und GastronomInnen-Familie.

Im Tscheppe ums Eck kann man an einem der schönsten Flecken der Altstadt täglich frisch produzierte Mittagsgerichte und Mehlspeisen genießen – unter anderem ausgewogene Curries und andere Schöpfgerichte, auch in vegan. Der herzliche Empfang ist inklusive.

…sich: Ich komme aus einer Winzerfamilie und habe jahrelang das Ausflugslokal „Tscheppe an der Weinstrasse“ im Sulztal geführt. In einer mehrjährigen Gastropause war ich in Wien und Niederösterreich als Ernährungsberaterin und Kinesiologin tätig. Dabei durfte ich zahlreiche kleine Lokale kennenlernen, die zur Mittagszeit Schöpfgerichte und Salate angeboten haben. Diese Konzepte haben mir sofort gefallen.

… das Lokal: Durch die Rückkehr nach Graz und damit zu meinen Wurzeln ist auch die Liebe zur Gastronomie wieder entflammt und damit der Traum eines kleinen Ecklokals mitten in der Stadt. Als der Standort in der Albrechtgasse frei wurde musste ich nicht lange überlegen – da war es, mein Ecklokal.

Ein Ort an dem ich meine Gäste mit selbstgekochten Suppen, Curries und Salaten einen gesunden Mittagstisch anbieten und darüber hinaus ein gemütliches Eck mit hervorragenden Weinen, Snacks und Geselligkeit bieten kann. 

gesunde Küche: Die von meiner Oma mitgegebene Liebe zum Kochen und vor allem zu guten Suppen hat mich dazu bewogen, mich auf Suppen und Schöpfgerichte, in meinem Fall Curries, die ich in meiner Zeit in Wien kennen und schätzen gelernt habe, zu spezialisieren.

Meiner Meinung nach entspricht das dem perfekten Mittagessen für Menschen im Arbeitsalltag. Es ist leicht, gesund, belebend, liegt nicht schwer im Magen und macht so auch nicht zu müde um die Aufgaben des Nachmittages zu erledigen.

… mit Mehrwert: Ich bereite alle Gerichte täglich frisch zu, verwende wann immer möglich saisonale und regionale Grundprodukte und lege wert auf eine natürliche, gesunde Zubereitung.

Die Curries sind vegan zubereitet und können mit Huhn ergänzt werden. Die Suppen sind meist vegan oder vegetarisch, es kommen aber auch klassische Suppen wie der „Alt Wiener Suppentopf“ mit Fleischeinlage auf den Tisch.

Für die Mitnahme der Suppen verwenden wir eigene Mehrweggläser um dem Verpackungsmüll etwas entgegenzusetzen.

… Kreationen mit Kürbis & Co.: Ich finde es spannend, mir zu überlegen, wie viele verschiedene Zubereitungsvarianten sich aus einem Grundprodukt wie beispielsweise dem Kürbis zaubern lassen. Gerade darin liegt auch der Reiz für mich.

Besonders freue ich mich über die Entwicklung und Einführung unserer Mehrweg-Suppengläser, da wir damit einen Beitrag zur Vermeidung von Einwegverpackung leisten können.

… den BeWirt*-Faktor: Es bereitet mir große Freude, meinen Gästen einen gesunden und liebevoll zubereiteten Mittagstisch anzubieten und somit dazu beizutragen, dass es ihnen gut geht. Aus meiner Zeit als Ernährungsberaterin weiß ich, dass viele Menschen sich im Arbeitsalltag gesund ernähren möchten, aber oft nicht wissen wie sie das machen sollen. Die Mittagspause ist kurz, die Zeit oftmals knapp.

Voila, da kann ich helfen. Meine Suppen, Curries und Salate sind gesund, absolut frisch und noch dazu schnell angerichtet. Durch die Möglichkeit der Mitnahme können meine Gäste auch für ein gutes, schnelles Abendessen für zuhause sorgen.

Ich liebe die Geselligkeit und den Austausch mit meinen Gästen an meinem Eck. Jeder Tag ist bunt und abwechslungsreich. Ich bin immer wieder begeistert wie viele spannende Menschen ich dadurch kennenlernen darf.

Japan-o-rama

Vera hat ein Faible für Japan und Geschäftspartnerin Katrin ließ sich bereits vor Jahren anstecken. Mit dem OKO WIEN haben sie ihr bislang größtes Projekt gestartet: Ein Restaurant, das alles bietet, was Japanologin Vera in Wien vermisst: Okonomiyaki zum Beispiel, eine Art Pfannkuchen, auf Wunsch direkt am Tisch auf einem Teppanyaki  herausgebrutzelt.

Auch Bowls gibt es im OKO  –  etwa Kara age-Bowl (würzig frittiertes Hühnerfleisch) oder Nasu-Bowl (frittierte Miso-Aubergine), die es in Wien nur hier gibt. Authentizität wird im OKO generell groß geschrieben, nicht nur aus kulinarischen Gründen. Vera und Katrin haben sich ein Stück Wahlheimat nach Wien geholt. Dass die Übung gelungen ist, zeigen auch viele Expats aus Japan unter den Gästen.

Vera über …

… die initiale Idee: Ich habe Japanologie studiert, später für die UNO gedolmetscht und lange für das japanische Fernsehen gearbeitet. Katrin und ich sind seit zehn Jahren Wedding Planer für japanische Paare, die in Wien heiraten möchten. Und wir haben ein nachhaltiges Modelabel und kreieren Dirndl sowie elegante als auch sportliche Damenmode aus traditionellen seidenbestickten Kimonos. Während Corona gab es natürlich keine Hochzeiten mehr und ich habe zu Katrin gesagt, Ich weiß, was wir jetzt machen – nämlich ein japanisches Lokal! Katrin war sofort Feuer und Flamme.

… Lieblingsspeisen: Ich habe meine japanischen Lieblingsspeisen hier in Wien immer vermisst. Deshalb war es klar, dass wir ein Okonomiyaki-Lokal machen sollten, denn das gibt es hier nicht. Okonomiyaki heißt wörtlich “Braten, was mir gefällt” und ist eine Art Pfannkuchen aus einer Basis aus Ei, Mehl, Kraut, Frühlingszwiebeln, Yamswurzel und japanischen Gewürzen. Und dann kannst du reingeben, was dir eben gefällt: in Japan zum Beispiel Tintenfisch, Schweinebauch oder Fischeier.

… Okos vom Tischgrill: Unsere Okos sind etwas europäischer, mit Speck, Mais, Kimchi, Spinat, etc. – serviert mit japanischen Toppings: etwa Katsuobushi (getrocknete Bonito/Thunfischflocken) oder Aonori (getrocknete Algen). Sie heißen Ninja, Manga oder Judo und es gibt sie auch in vegan.  Wir bereiten unsere Okos frisch für dich zu oder du du brutzelst sie auf einem Tischgrill, einem Teppanyaki, einfach selbst.

… wahlweise Lotussitz: Wir haben auch eine Tatami-Sitzfläche aus Reismatten. Wer es ganz authentisch haben möchte, kann sich im Lotussitz zum Essen hocken, im Hintergrund ein Bild vom Shinto-Schrein in Kyoto. Ich liebe diesen Ort.

… Gott der kleinen Dinge: Ich wollte schon als 8-Jährige in Japan leben, keine Ahnung woher die Faszination damals kam.  Als ich mit 19 Jahren das erste Mal in Osaka gelandet bin, habe ich das Gefühl gehabt, ich bin zu Hause. Ich habe in Japan gelebt und es über 50 Mal bereist. Die buddhistische bzw shintoistische Kultur faszinieren mich. Der Shintoismus besagt etwa, dass alles beseelt ist: die Blumen, die Brunnen. Überall sitzen Götter drin, die für gewisse Dinge zuständig sind. Einer ist zuständig für guten Schulabschluss, der nächste für gute Geburten oder für Kinderwunsch.

… in die Reihe tanzen: In Japan geht es immer um die homogene Gruppe. Alle wollen dazugehören, das muss man mögen. Die Gruppe gibt Zusammenhalt. Auf der Straße begegnen dir alte Männer, die den Verkehr regeln oder sonstwie behilflich sind. Sie tragen Phantasieuniformen, die ihre Frauen ihnen nähen, damit sie dazugehören. Es geht um Respekt und darum, einen Beitrag zu leisten.

… das schönste Lob: Ich habe Katrin angesteckt mit meinem Japan-Fimmel und wir waren auch schon gemeinsam in Japan. Jetzt haben wir dieses Lokal eröffnet und hoffen, dass es floriert. Viele JapanerInnen waren schon hier und sagen, dass es ihnen schmeckt wie zuhause. Das ist natürlich das schönste Lob.

Wunschkonzert

Eigentlich sollte das GATTO IM MUSEUM  “Wunschtheater” heißen. Aber weil Wirt Matthias Gasser offenbar auf ein bewegtes Leben verweisen kann – und es eine Katze gibt – heißt das neue Beisl im Grazer Volkskunde-Museum jetzt eben genau so. Ungeachtet der Tatsache, dass Küche, Produkte, LieferantInnen und eine viel bespielte Kleinkunstbühne und -garten sehr wohl belegen, dass das Leben ein Wunschkonzert ist – zumindest im Gatto.

Matthias über …

… sich: Ich habe mich schon in jungen Jahren für die Gastronomie entschieden. Nach ein paar Stationen habe ich 2023 die Chance bekommen, das Gatto im Volkskunde-Museum zu eröffnen. Der Name Gatto im Museum war einer von vielen Namensvorschlägen und mein Geschäftspartner hat sich dafür entschieden. Mein persönlicher Favorit wäre “Wunschtheater” a la Herman Hesses Steppenwolf gewesen.

Gatto ist mein Spitzname. Den habe ich in der Schweiz von Italienern bekommen, weil ich ein Straßenkater bin 😉 Und es hat auch deshalb gut gepasst, weil ich Katzen liebe. 

…selbst Gemachtes: Wir versuchen möglichst regional einzukaufen und machen fast alles selbst, wie Gnocchi, Aufstriche und Co. Jeden Dienstag gibt es frisch gebackene Lasagne mit selbst gemachtem Nudelteig.Wir legen auch einen Fokus aufs Einlegen und Fermentieren. Da es unser erstes Jahr mit Küche ist, wird sich das erst im Laufe der nächsten Monate auf der Karte bemerkbar machen. Zu erwarten sind Salzzitronen, Rumtopffrüchte, eingelegte Pilze und vieles mehr.

… Stumpf & Stiel: Meinem Küchenchef und mir ist besonders wichtig ist, dass wir möglichst alles verwerten. Bei einer Tomate trocknen wir beispielsweise die Schalen und machen daraus eine knusprige Garnitur. Der Saft eignet sich zum Klären von Fonds oder für weißes Tomaten-Mousse und das Fruchtfleisch kann man für alles verwenden. Wir kochen mit guten Produkten, verwenden klassische Rezepte, aber auch neue Zubereitungsarten.

… ehrliche Küche: Uns ist wichtig, dass wir ehrlich kochen. Was mir persönlich extrem Spaß macht, ist die Kräuter frisch aus dem Garten zu holen oder die ersten Tomaten zu ernten. Ich freue mich auch schon aufs Sirup machen mit meinen heuer eingesetzten Kräutern, also Waldmeister-, Lavendel- oder Zitronenmelissen-Sirup.

… beste LieferantInnen: Da wir steirisch/ italienisch (venezianisch) kochen, beziehen wir einige italienische Lebensmittel – vieles von einem Biobauern in Udine oder vom Thomüller. Unser Fleisch beziehen wir vom Buchberger. Unsere Desserts machen wir selber und auch das Eis werden wir in Zukunft selber produzieren, aber im Moment kaufen wir noch vom Eisbazaar – die machen großartiges orientalisches Eis mit den besten Zutaten, von Safran über Pistazie bis zu schwarzem Sesam. Die Gewürze zum Kochen beziehen wir zum Großteil von Van den Berg, der Gewürzmanufaktur aus Graz. 

… den BeWirt-Faktor: Ich liebe es, Gastgeber zu sein und Menschen eine gute Zeit zu bereiten. Das brauchen wir alle: Gute Musik, Genuss, die richtige Lichtstimmung und so weiter. Mir geht es auch darum Kleinkunst, einen Raum zu geben. Die größte Freude würde es mir bereiten, wenn mein Publikum weiterhin so durchgemischt bleibt – StudentInnen, PensionistInnen, die Mama, der Papa, PolitikerInnen oder Alternative. Ich möchte einen Ort bieten, wo jede* eine gute Zeit hat! 

Nette Kette

Nach zwei Jahrzehnten in der Finanzbranche beschließt Mike Müllner, dass sein Berufsleben wieder mehr Freude vertragen könnte. 2020 übernimmt Mike die vomFASS Filiale im 7. Bezirk und vertieft sich in deren Produkte. Und weil die Essige, Öle, Spirituosen etc. nicht nur TOP sind, sondern auch mit Liebe zum Produkt und Respekt zur ProduzentIn hergestellt und vertrieben werden, nehmen wir erstmals eine Franchise-Filiale ins GG-Programm. 

Mike über …

… sich: Mein Großvater hatte in Klosterneuburg einen Feinkostladen und ich war als Bub immer im Geschäft. Das hat mich offenbar angetrieben, einen Aushang in der vomFASS-Filiale in der Siebensterngasse ernst zu nehmen, in der ich öfter eingekauft habe. Die beiden Geschäftsführerinnen suchten damals pensionsbedingt eine Nachfolge. Und weil ich von den Produkten immer begeistert war, wurden wir uns einig.

… die Produkte: Wir haben etwa 30 Sorten Essig, von jeder Frucht jeweils sauer-herb bis mild. Wir haben ebenfalls rund 30 native Olivenöle der höchsten Qualitätsstufen aus unterschiedlichsten Ländern im Sortiment. Die Qualität wird auch regelmäßig im hauseigenen Labor überprüft. Sehr beliebt sind auch aromatisierte Olivenöle wie unser Limonenöl. 

Auf der alkoholischen Seite haben wir sieben verschiedene Grappe, 30 Liköre, tolle Edelbrände, 14 Whiskeys, sieben Rumsorten aus der Karibik. Unser neuestes Produkt ist ein fantastischer Tequila aus 100 Prozent blauer Agave, 22 Monate in Eichenfässern gelagert.

… das Sortiment: Das Waren-Sortiment ist vorgegeben, aber ich kann aus einem sehr großen Pool wählen. Ich bin stark in die Spirituosen-Richtung gegangen, um mich ein bisschen von meinen Vorgängerinnen abzuheben. Wir machen auch Tastings. Der Vorteil für mich: Ich habe einen Hauptlieferanten, der mir Top-Produkte liefert. Und ich kann mich um diese Produkte kümmern und sie unseren KundInnen näher bringen. Mein Team und ich kennen uns mittlerweile sehr gut aus. Wir müssen oder dürfen auch alle Produkte verkosten, da ist die Zentrale sehr dahinter.

… die Zentrale: Die vomFASS-Erfinder sind ein Familienbetrieb und in Waldburg bei Ravensburg der größte Arbeitgeber. Dort steht eine riesige Essig-Erlebniswelt und -produktion. Die Essige werden bis auf wenige Ausnahmen alle selbst produziert. Die Familie Kiderlen ist sehr engagiert. In der Region Bodensee unterstützt sie Streuobstwiesen-Bauern, die Mangos für unsere Mango-Produkte kommen von Fairtrade-Bauern aus den Philippinen, um nur einige Beispiele zu nennen. 

… die Produktvermittlung: Zwei Mal im Jahr haben wir ein FranchisenehmerInnen-Treffen irgendwo in Deutschland. Im Herbst 2022 waren wir beispielsweise in der Zentrale in einem riesigen Weinkeller. Dort werden uns auch neue Produkte präsentiert, wie etwa das Antico-Olivenöl. Es stammt von bis zu tausend Jahre alten Olivenbäumen und wurde dem Senior-Chef Johannes Kiderlen in Kreta angeboten, wo er bei der Pressung vor Ort war. Er hat angeregt, dass sich die Olivenbauern der Region für größere Produktionsmengen zusammenschließen und wir haben die Sonderpressung jetzt im Sortiment. 

… Refill-Retro: Unsere Essige und Öle bieten wir in Ton-Amphoren an. Du kannst alles mit einem Löffelchen kosten und wir füllen das Wahlprodukt in wiederbefüllbare Glasflaschen ab. Unsere Spirituosen bieten wir in Glasballons oder Holzfässchen ebenfalls zum Abfüllen an. Das Refill gibt es seit 25 Jahren, damals hat noch niemand von Zero Waste gesprochen.

… der Spaßfaktor: Ich liebe die Interaktion mit den KundInnen. Denn die Produkte sprechen für sich und sind einfach genial. Qualität und Geschmack passen, du musst niemandem einen Schmäh erzählen. Daraus entwickeln sich dann tolle KundInngespräche, das macht einfach Spaß.

 

 

Soulfood zum Schlürfen

Das Shoyu Ramen im 1. Bezirk ist LiebhaberInnen von japanischen Streetfood bekannt. Seit Mai 2023 gibt es auch das Shoyu Pan in der Marxergasse im 3. Bezirk. Es geht wieder um Ramen – raffiniert gewürzte Suppen mit Hühner- oder veganen Gemüse-Fonds und Ramennudeln als Einlage –, die in Asien gerne geschlürft werden. Im Shoyu Pan gibt es auch hausgemachte Pans: süßes japanisches Backwerk aus Germteig, das mit Keksteig überzogen wird. Unermüdliche Wirtin und Seele der beiden Standorte ist Ou Dong (2.v.l.). Die Wienerin schupft ihre Läden aber freilich nicht alleine. “Ohne mein Team”, sagt sie, “bin ich nichts.”

Ou über …

… sich: Meine Eltern sind Anfang der 1980er Jahre aus China nach Österreich gekommen, da war ich sechs Jahre alt. Wir haben ein China-Restaurant aufgemacht und ich musste als Kind mithelfen, das war für mich normal. In die Gastronomie wollte ich später dann auch auf gar keinen Fall, denn Spaß hat mir das natürlich keinen gemacht.

Ich bin als junge Erwachsene zunächst ins Marketing gegangen. Zwischendurch hat mich mein Vater überredet, mit ihm ein Lokal in Bruck an der Mur zu eröffnen, das ich relativ frei gestalten konnte. Nach der Geburt meiner Kinder wollte ich dann etwas Eigenes machen. Mit einer Küche die mir persönlich schmeckt – und das sind japanische Ramen.

… Suppe für die Seele: Wir haben 2016 das das Lokal in der Seilerstätte eröffnet und ich hatte keine Ahnung, dass ich genau den Puls der Zeit damit treffen würde. Um Ramen gibt es einen Hype, aber in erster Linie ist es Soulfood. Ramen tun dir einfach gut. Du hast eine total nahrhafte Suppe und nach dem Essen hast du ein wohliges Gefühl im Magen und wirst nicht erschlagen vom Essen. In Asien schlürft man die Nudeln. Schlürfen gehört einfach dazu und intensiviert den Geschmack. Hier schmeckt es natürlich auch ohne Schlürfen (lacht).

vegane Varianten: Traditionell enthalten Ramen Fleisch. Das gibt es bei uns auch. Da ich aber selber kein Fleisch esse, haben wir viele vegane und vegetarische Gerichte. Unser Green Ramen ist vegan und eine Eigenkreation mit Shitake Pilzen, Kombu, also Seetang, mit vielen anderen Gemüsesorten. Und unser Curry mit Tofu ist mittlerweile auch vegan. Das Yaki Nasu Don ist mit Melanzani und ein traditionelles Gericht. Ich habe es etwas abgewandelt. Und das Mabo Dofu Don ist mit Tofu und ursprünglich ein chinesisches Fleischgericht, bei uns mit veganem Faschierten. 

… Team works: Für mich ist mein Team das Allerwichtigste, denn ohne Team bin ich nichts. Es gibt Zeiten, da stehen die Gäste Schlange, in der Küche brodelt es und hat eine Megahitze. Dann ist die Arbeit wahnsinnig stressig und wir reden nicht mehr viel und verständigen uns hauptsächlich mit Blicken. Jede* weiß dann, was sie* kann und worin sie* am Besten ist. Das ist echtes Teamwork, und als Wirtin bekommst du das nur, wenn du ein sehr, sehr familiäres Arbeitsklima schaffst. Wenn dann  zB eine Kollegin spontan nach Peru muss, weil der Vater krank ist, muss das möglich sein. Und wenn das Kind vom Koch länger mit Anziehen und Kindergartengehen gebraucht hat, kann er auch einmal später kommen. 

… das Hüten des Hype: Mittlerweile gibt es viele Ramen-Lokale, aber ich sehe das nicht als Konkurrenz, ganz im Gegenteil. Ich kann viel lernen von den anderen. Und es ist genug für alle da. Ich glaube, viele künftige GastronomInnen denken sich: “Was der oder die kann, kann ich schon lange”. Aber wir haben sehr, sehr viel Erfahrung mit japanischen Ramen und geben immer unser Bestes.