Zum Hauptinhalt springen

Schlagwort: Asian Food

Cocktails & Dumplings

Dim Sum und ernst zu nehmende Cocktails landen in Wien nur selten auf derselben Karte. Im YU’S COTTAGE in der Kettenbrückengasse bringt Thin-Fu Yu seit 2025 beides zusammen. Seine Familie stammt aus Hongkong und Südchina, sein Vater steht seit seinem 16. Lebensjahr in der Küche – und Thin-Fu selbst ist ebenfalls mit 16 in die Gastronomie eingestiegen.

Die Dim Sum werden täglich im Lokal gemacht. Neben Klassikern wie Ha Gao und Siu Mai gibt es neuere Varianten und eine erfreulich große vegane Auswahl: etwa vegane Siu Mai mit Yamswurzel, Wasserkastanien, getrocknetem Rettich, Shiitake und Karotten, Sou Gao mit Gemüse, Erdnüssen und Shiitake oder Tofuhautrollen. Ergänzt wird das Ganze durch kleine Asia-Tapas und elf weitgehend selbst entwickelte Cocktails. Das Ergebnis ist weder klassisches China-Restaurant noch reine Cocktailbar – sondern ziemlich genau die Mischung, die Thin-Fu selbst bisher gefehlt hat.

Thin-Fu über …

… die Idee hinter Yu’s Cottage: Meine Familie hat Wurzeln in Hongkong und Südchina. Dumplings und Dim Sum essen wir eigentlich die ganze Zeit. In Wien gibt es mittlerweile einige Dumpling-Lokale, aber oft immer nur dieselben paar Sorten. Wir wollten mehr Auswahl anbieten: Klassiker, aber auch neuere Sachen, die etwas zeitgemäßer sind. Die Dumplings machen wir selbst. Deshalb stehen wir eigentlich jeden Tag da und produzieren.

… Dim Sum: Dim Sum ist eigentlich der Überbegriff. Hier im Westen verstehen viele darunter nur Dumplings, aber es gehören noch andere kleine Gerichte dazu. Bei uns bestellt man am besten zu zweit vier, fünf oder sechs verschiedene Sachen und teilt alles. Es ist eher wie bei Tapas. In China essen wir Dim Sum zum Beispiel auch zum Frühstück. Hier kann man sie den ganzen Tag über essen oder als kleine Vorspeise bestellen.

… Ha Gao: Ha Gao sind klassische Dumplings aus Hongkong. Die Füllung besteht hauptsächlich aus Garnelen. Für etwas Crunch kommen Wasserkastanien dazu. Manchmal findet man auch Bambus darin. Auf unserer Karte gibt es neben den klassischen Ha Gao auch eine Variante mit Bärlauch.

… die vegane Auswahl: Wir haben uns bei vielen Gerichten gefragt: Können wir das auch komplett vegan machen? Dann haben wir die Zutaten entsprechend ersetzt – und das funktioniert sehr gut. Mittlerweile kommen Leute gezielt zu uns, weil sie Yu’s Cottage als guten veganen Spot kennen, obwohl wir kein rein veganes Lokal sind. Es gibt unter anderem vegane Siu Mai, Sou Gao, Gemüse-Gyoza und Tofuhautrollen. Dazu kommen kleine Gerichte wie Tofu Balls oder Gemüse-Tempura.

… seinen Weg in die Gastronomie: Mein Vater kocht, seit er 16 ist, und hat irgendwann ein eigenes Lokal eröffnet. Als ich 16 wurde, durfte ich dort mithelfen. Neben Schule und Studium hatte ich immer wieder Jobs in der Gastronomie. Später arbeitete ich im damaligen On Market als Kellner und an der Schank. Wenn gerade weniger los war, konnte ich zur Cocktailstation hinüberschauen. So hat sich langsam mein Interesse für Cocktails entwickelt. Bei meinem nächsten Job war ich dann nur noch Barkeeper.

… Cocktails und Dumplings: Wenn ich früher Cocktails trinken war, gab es dazu meistens nur Soletti oder anderes Salzgebäck. Und wenn ich in einem asiatischen oder chinesischen Restaurant essen war, war die Getränkeauswahl oft eher nebensächlich. Deshalb wollte ich ausprobieren, wie es funktioniert, wenn man beides gut macht. Die Leute sollen hier essen und gleichzeitig gute Drinks bekommen – ohne anschließend noch das Lokal wechseln zu müssen.

… den Yu’s Oolong Tea: Das ist unser Bestseller und ein Cocktail, an dem ich einige Jahre gearbeitet habe. Die Basis ist Gin, den wir mit Oolong-Tee aromatisieren. Dazu kommen Yuzu-Likör, Zitronensaft, Oolong-Ginseng-Sirup und Yuzu-Paste. Serviert wird der Cocktail in einer Teekanne. Er schmeckt dadurch im ersten Moment tatsächlich nach Tee – nur eben mit ein bisschen mehr Spaß.

… seine Cocktailkarte: Wir haben elf Cocktails auf der Karte und konzentrieren uns vor allem auf Eigenkreationen. Dabei arbeiten wir lieber mit Spirituosen, Likören, Tee, Kräutern, Gewürzen und selbst verarbeiteten Zutaten als mit großen Mengen Fruchtsaft. Saft kann wichtig sein, aber wenn die Hälfte des Drinks daraus besteht, schmeckt er am Ende nur noch wie Fruchtsaft mit Alkohol.

… Yu’s Cottage als Cocktailspot: Mittlerweile kommen auch Gäste, die verstanden haben, dass man bei uns nicht nur gut essen, sondern auch gute Cocktails trinken kann. Manche kommen erst nach dem Abendessen auf einen Drink vorbei und bestellen dazu noch eine Kleinigkeit. Das Lokal bleibt vom Raumgefühl her ein Restaurant – aber eben eines mit einer richtigen Bar und eigenständigen Cocktails.

… gute Gastgeber:innen: Ich bin einfach sehr gerne Gastgeber. Ich mag es, wenn Menschen zufrieden sind, und frage sie auch, was gut und was vielleicht nicht so gut war. Wenn viele Gäste glücklich hinausgehen, bin ich ebenfalls glücklich. Das gilt auch für mein Team. Gute Gastgeber kann man nicht einfach mit einem auswendig gelernten Protokoll erzeugen. Man muss Leute finden, die das wirklich gerne machen.

Suppenkraft

Die SHOUKO RAMENBAR in der Spitalgasse macht Ramen, und zwar schon ziemlich lange. Inhaber Long hat sein Lokal 2018 eröffnet – nach einer Offenbarung. Ausgerechnet im chinesischen Shanghai entdeckte er das Geheimnis der japanischen Tonkotsu: eine kollagenhaltige Kraftbrühe aus Schweineknochen und Knorpeln, 24 Stunden geköchelt, mit Aromaölen versetzt und mit Ramennudeln aus japanischer Manufaktur kredenzt.

Als vegane Variante kommt der Ramen auf einer kräftigenden und geschmacksintensiven Gemüsebrühe-Basis daher. Und weil Long aus seiner Grazer Heimat auch die Liebe nicht nur zu heimischen Weinen mitgebracht hat, gibt es zu Ramen, Sushi und Wok-Gerichten auch kennerhaft ausgesuchte Tropfen im Food Pairing.  Longs Frau und ein kleines, feines Küchen- und Service-Team unterstützen ihn dabei.

Long über …

… seinen Weg zu Ramen: Ich bin immer sehr gerne gereist, vor allem nach China, Japan und Thailand. Irgendwann war ich in Shanghai in einer klassischen japanischen Ramenbar. Besonders überzeugt hat mich das Tonkotsu – der Ramen-Klassiker mit einer Basis aus Schweinebrühe. Ich bin für eine Woche nach Japan gereist und habe mir das dort vor Ort angeschaut. Als ich danach den Markt in Wien und Österreich verglichen habe, dachte ich mir: Da sollte eigentlich noch Platz für authentische Ramen sein.

… seinen Ramen-Kurs: Ein Jahr später habe ich in Sagamihara einen Ramen-Kurs absolviert. Das liegt ungefähr 45 Minuten mit dem Zug von Tokio entfernt. Dort habe ich gelernt, wie man die unterschiedlichen Brühen, Tare – also die Würzbasen – und Aromaöle herstellt. Auch die Herstellung der Nudeln wurde zumindest in der Theorie behandelt.

… die drei Suppenbasen: Wir haben eine Gemüsebrühe, eine klare Hühnerbrühe und die Schweineknochenbrühe. Die Gemüsebrühe bildet die Basis für unsere veganen Ramen mit Kürbis, Shimeji-Pilzen, Tomaten und Gemüse. Die Gemüse- und die Hühnerbrühe setzen wir ungefähr jeden zweiten Tag frisch an, das besonders aufwendige Tonkotsu zweimal pro Woche. So hat jede Variante ihre eigene Basis – und nicht einfach nur andere Einlagen.

… Tonkotsu: Tonkotsu bedeutet Schweineknochensuppe. Bei uns köchelt sie 24 Stunden lang. Dadurch bleibt die Suppe nicht klar, sondern trübt ein und wird sehr geschmacksintensiv. Tonkotsu ist eines der Aushängeschilder der japanischen Ramen-Küche.

… die Balance in der Suppe: Es ist schwierig, die richtige Balance zu finden. In der westlichen Küche kommen beim Suppenkochen normalerweise Zwiebeln, Karotten und anderes Aromagemüse dazu. Wir machen das nicht und verwenden auch keinen Ingwer oder Knoblauch für die Brühe. Wenn die Zutaten nicht frisch oder gut sind, kann eine Schweineknochensuppe unangenehm riechen. Gemüse und Gewürze könnten das überdecken. Wir wollen den eigentlichen Geschmack aber nicht verfälschen.

… seine Aromaöle: Die zusätzlichen Aromen kommen bei uns über die Öle dazu. Wir machen zum Beispiel ein eigenes Negi-Öl. Dafür kommen Jungzwiebeln, Zwiebeln und Knoblauch in Pflanzenöl und die Aromen werden langsam herausgekocht. Das Öl kommt anschließend auf die Ramen. Öl ist schließlich auch ein Geschmacksträger.

… die Ramen-Nudeln: Wir machen die Nudeln nicht selbst und verheimlichen das unseren Gästen auch nicht. Dafür braucht man spezielles Mehl und Kansui, eine basische Flüssigkeit, die den Nudeln ihre typische Konsistenz verleiht. Davon gibt es sehr viele unterschiedliche Varianten. Außerdem müssen die fertigen Nudeln einen Tag ruhen. Das braucht viel Platz, Personal und Erfahrung. Wir haben zahlreiche Hersteller ausprobiert und beziehen unsere Nudeln jetzt von einer Ramen-Manufaktur aus Japan. Sie haben einen guten Biss und nehmen die Suppe gut auf.

… seine Grazer Wurzeln: Ich bin in Graz geboren und aufgewachsen und lebe seit ungefähr zehn oder elf Jahren in Wien. Meine Eltern hatten in Graz immer ein Restaurant, das ich eigentlich hätte übernehmen sollen. Aber ich wollte etwas Eigenes machen und dafür auch in eine größere Stadt ziehen. Deshalb habe ich mich für Wien entschieden.

… sein Leben in Wien: Mittlerweile haben wir zwei Kinder, vier und zwei Jahre alt. Auch meine Schwester lebt hier und meine Eltern haben ihr Restaurant inzwischen verpachtet und sind ebenfalls nach Wien gezogen. Wien ist angenehm zum Leben: Es ist keine riesige Großstadt, aber auch nicht klein, und es tut sich immer etwas.

… den Standort im Apothekerhaus: Wir waren anfangs gewissermaßen auch Betriebskantine für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus. Dafür haben wir täglich zwei oder drei Mittagsgerichte gekocht. Zu Beginn machten wir ungefähr 90 Prozent unseres Umsatzes zu Mittag. Das Abendgeschäft ist langsam gewachsen – zuerst waren es zwei oder drei Tische, dann wurden es immer mehr. Nach Corona hat sich durch das Homeoffice vieles verändert. Zum Glück hatten wir unser Abendgeschäft bis dahin bereits ausgebaut.

Iss dich glücklich 2.0

Das VEVI  steht für VEgane Speisen aus VIetnam – und hat neben Wien jetzt auch einen Ableger in Graz. Wie in Wien ist auch hier das Konzept buddhistisch inspiriert und schöpft aus der Vielfalt der ansonsten durchaus fleischlastigen vietnamesischen Küche. Wegen des genialen Twists, Sommerrollen und Teigtaschen mit raffiniert gewürztem Tofu und  Gemüse zu füllen, wird man Schweinefleisch, Garnelen & Co nicht vermissen.

Philipp Pölzl hat die Neueröffnung begleitet, kümmert sich um Service und Organisation und ist Ansprechpartner für die Gäste. Seine Begeisterung für die asiatische Küche hat er aus fünf Jahren Arbeit in Asien mitgebracht.

Philipp über …

… seinen Weg zu VEVI: Ich habe fünf Jahre in Asien gearbeitet und dort meine Liebe zur asiatischen Küche entwickelt. Bei VEVI Graz kann ich diese Begeisterung mit unseren Gästen teilen.

… das Konzept: Wir möchten zeigen, wie abwechslungsreich und genussvoll veganes Essen sein kann. Bei uns sollen sich Menschen wohlfühlen, die sich bereits vegan ernähren – und genauso jene, die einfach neugierig auf vietnamesische Küche sind.

… eine Schale Phở: Unsere vegane Phở erzählt gut, wofür VEVI steht: eine aromatische Brühe, Reisbandnudeln und frische Kräuter. Ein vietnamesischer Klassiker, rein pflanzlich zubereitet.

… seine Rolle als Gastgeber: Ich habe die Neueröffnung mitgestaltet und kümmere mich um alles, was vor Ort für unsere Gäste zusammenkommen muss. Am Tourtag freue ich mich darauf, ihnen VEVI persönlich vorzustellen.

Bangkok mon à Mur

Mit dem BANGKOK VIBES hat Aubed Jusuf im Herbst 2025 ein Stück Bangkok in die Grazer Hans-Sachs-Gasse gebracht. Neu in der Gastronomie ist er allerdings nicht: Bereits seit 2009 arbeitet Aubed in der Branche. 2013 begann er mit einem kleinen Imbiss, aus dem später das Easy Asia am Griesplatz entstand.

Im Bangkok Vibes setzt Aubed auf klassische thailändische Gerichte, original thailändische Produkte sowie Fleisch und Gemüse aus Österreich. Die Karte reicht von hausgemachten Thai- und Sommerrollen, Gai Sate und Suppen bis zu Som Tam Thai, Pad Thai, gebratenen Reis- und Nudelgerichten sowie mehreren Currys.

Aubed über …

… seinen Weg: Ich bin seit 2009 in der Gastronomie tätig. 2013 haben wir mit einem kleinen Imbiss begonnen, später entstand daraus Easy Asia. Heute führe ich Bangkok Vibes in der Grazer Innenstadt und setze dort den Schwerpunkt auf authentische thailändische Küche.

… den Namen: Bangkok Vibes soll ein Stück Bangkok nach Graz bringen – mit authentischer thailändischer Küche und einer entspannten Atmosphäre.

… sein Konzept: Wir kochen klassische thailändische Gerichte mit original thailändischen Produkten und verwenden auch Fleisch und Gemüse aus Österreich. Neben dem Restaurant bieten wir Platz für Gruppen, Feiern und Veranstaltungen.

… das Wirtsleben: Ich bin schon lange in der Gastronomie und arbeite gerne mit Menschen. Mir ist wichtig, dass sich die Gäste bei uns wohlfühlen, gutes authentisches Essen bekommen und gerne wiederkommen.

… seine Signature Dishes: Unsere thailändischen Currys stehen besonders für unser Konzept: aromatisch, frisch zubereitet und typisch für die thailändische Küche.

Fülle & Hülle

Auf den ersten Blick ist das DO&MI in der Neustiftgasse nur ein weiteres kleines Wok-Lokal für Sushi, Maki, und verschiedene asiatische Vorspeisen wie Gyoza oder Edamame – mit vielen Bildschirmen und bunten Bildchen. Doch Inhaberin  Zhu Xu hat daraus fast ein kleines Grätzl-Treff gemacht.

Seit November 2025 kocht die frühere Lehrerin Gerichte aus ihrer Heimatstadt in China. Ihre Gäste sind Schüler:innen, Menschen aus den umliegenden Büros und Nachbar:innen. Zhu freut das besonders: Sie kocht leidenschaftlich gerne – und möchte vor allem, dass es ihren Gästen schmeckt.

Zhu über …

… DO&MI: Das Lokal gibt es seit November 2025. Am Anfang waren noch weniger Leute da, inzwischen kommen viele Schüler:innen, Mitarbeiter:innen aus der Umgebung und freundliche Nachbar:innen. Es wird immer besser. Wir möchten jetzt erst einmal hierbleiben und keine weiteren Lokale eröffnen.

… ihre Küche: Ich koche chinesische und asiatische Gerichte, viele davon aus meiner Heimatstadt in China. Ich kann hier interessante Gerichte zubereiten und dafür sorgen, dass sie gut schmecken. Ich liebe diese Arbeit und gehe jeden Tag gerne ins Lokal.

… ihren Weg nach Wien: Ich lebe seit sieben Jahren in Wien, mein Mann schon seit rund 20 Jahren. Kennengelernt haben wir uns aber bereits in unserer Heimatstadt in China.

… ihre frühere Arbeit: Bevor ich nach Wien gekommen bin, war ich in China Chinesischlehrerin. Ich mag Kinder und habe gerne jeden Tag mit ihnen gelernt und gespielt.

… ihre Familie: Unsere beiden Kinder sind in Wien geboren und sprechen vor allem Deutsch. Zu Hause versuchen wir, mit ihnen auch ein bisschen Chinesisch zu sprechen. Zwei Sprachen zu können, ist schließlich etwas Schönes.

Dreierlei Sichuan mit Scharf

Mit dem Chili & Pfeffer, dem Chili & Pepper Hotpot und dem Sichuan Ravioli betreibt Nan Du gemeinsam mit seinem Partner mittlerweile drei Lokale in Wien. Jedes davon zeigt eine andere Seite der Küche Sichuans: klassische Gerichte, gemeinsames Kochen am Hotpot und handgemachtes Streetfood.

Was sie verbindet, ist die Balance aus Chili, Sichuanpfeffer und vielen weiteren Gewürzen. Denn Sichuan-Küche soll intensiv schmecken, sagt Nan Du – aber nicht einfach nur scharf sein.

Chili & Pfeffer: der Klassiker

Den Anfang machte das Chili & Pfeffer in der Schottenfeldgasse. Hier stehen unterschiedliche Gerichte aus Sichuan im Mittelpunkt, deren Schärfe auf Wunsch angepasst werden kann. Chili kommt dabei nicht nur frisch oder getrocknet zum Einsatz, sondern auch fermentiert und in hausgemachten Saucen.

Nan Du achtet zugleich auf die Qualität der Grundprodukte. Die Feldgurken für den beliebten Gurkensalat bezieht er etwa von einem Bauern aus dem Burgenland: morgens geliefert, mittags bereits im Lokal.

Chili & Pepper Hotpot: gemeinsam am Tisch

Im Chili & Pepper Hotpot in der Burggasse wird seit 2023 direkt am Tisch gekocht. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Fleischsorten, Gemüse und Tofu, die nach und nach in der würzigen Brühe landen.

Für Nan Du ist Hotpot weit mehr als ein Gericht. In China gehört er zum gemeinsamen Essen mit Familie und Freund:innen: Man sitzt lange zusammen, teilt und bereitet sich genau das zu, worauf man gerade Lust hat. Dieses Familiengefühl möchte er auch in Wien vermitteln.

Als Erweiterung ist ab Oktober zusätzlich chinesisches Tisch-Barbecue geplant. Die dafür notwendigen Abzüge sind bereits direkt bei den Tischen eingebaut.

Sichuan Ravioli: Streetfood beim Naschmarkt

Das jüngste der drei Lokale ist das Sichuan Ravioli an der Rechten Wienzeile. Hier dreht sich seit 2025 vieles um handgemachte chinesische „Ravioli“: dünne Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen, serviert in Suppe oder mit verschiedenen Saucen.

Dazu kommen hausgemachte Nudeln und eine kleine Auswahl kalter Vorspeisen. Die Idee dahinter ist bewusst unkompliziert: traditionelles Streetfood aus Sichuan, frisch zubereitet und mitten in Wien.

Nan Du über …

… seinen Weg: Ich bin 2004 nach Wien gekommen und habe an der WU studiert. Danach habe ich in verschiedenen Gastronomiebetrieben gearbeitet und viel Erfahrung gesammelt. Irgendwann habe ich gemeinsam mit meinem Partner das Chili & Pfeffer eröffnet. Heute sind es drei Lokale.

… die Sichuan-Küche: Chili und Sichuanpfeffer sind zwei sehr wichtige Gewürze. Aber es geht nicht darum, dass ein Gericht einfach nur scharf ist. Die verschiedenen Gewürze und Saucen müssen eine gute Balance ergeben.

… gemeinsames Essen: In meiner Familie saßen früher oft mehr als 20 Menschen gemeinsam am Tisch – mit Tanten, Großeltern und Kindern. Dieses Familiengefühl ist für mich bis heute sehr wichtig. Beim Hotpot kann man genau das erleben: Alle sitzen zusammen und teilen das Essen.

… drei Lokale: Schon ein Lokal bedeutet viel Arbeit. Bei drei Lokalen muss ich mich um Buchhaltung, Kontrollen, Reparaturen, Personal und den Service kümmern. Mein Partner ist vor allem für die Küchen verantwortlich. Trotzdem sind wir beide fast jeden Tag in mehreren Lokalen unterwegs.

… österreichisches Frühstück: Ich liebe ein großes österreichisches Frühstück mit verschiedenen Broten, Käse, Marmelade, Schinken und Spiegelei. Der ganze Tisch ist vollgestellt – eigentlich ist das dem gemeinsamen Essen in China gar nicht so unähnlich.

Sichuan Streetfood

SICHUAN RAVIOLI bringt traditionelles chinesisches Streetfood nach Wien: Teigtaschen, hausgemachte Nudeln, Chiliöl, Sesam, Suppe, (milde) Schärfe – und viel gemeinsames Essen. Im Mittelpunkt stehen chinesische „Ravioli“, also gefüllte Teigtaschen, die in China seit langer Zeit gegessen werden und hier in verschiedenen Varianten auf den Tisch kommen.

Das Lokal steht für eine Küche, die scharf sein kann, aber nicht nur scharf sein will. Wer es milder mag, bekommt viele Gerichte angepasst. Wer die authentische Schärfe sucht, kann sie ausdrücklich bestellen.

Nan Du über …

… das Konzept: Wir wollten ein Stück chinesisches Streetfood nach Wien bringen – nicht als neue Erfindung, sondern sehr traditionell. Unsere Ravioli sind gefüllte Teigtaschen. Der deutsche Name hilft, weil man sich darunter sofort etwas vorstellen kann: Teig, Füllung, gekocht oder in Suppe serviert. In China gehören solche Gerichte seit langer Zeit zur Alltagsküche.

… unsere Ravioli: Bei uns gibt es Ravioli mit verschiedenen Füllungen, zum Beispiel mit Huhn, Fisch oder Garnelen. Von außen sehen sie ähnlich aus, innen entscheidet sich der Geschmack. Man kann sie mit Suppe essen – etwa mit Chili-Suppe, Pfeffersuppe oder auf Wunsch auch in klarer Suppe. Oder man nimmt sie trocken gemischt, mit Gewürzen, Chiliöl, Sesamöl und Sesamsauce. Dann wird alles gut vermengt, bis sich die Aromen verbinden.

… die Nudeln: Neben den Ravioli machen wir auch Nudeln selbst. Besonders wichtig sind Gerichte, die man richtig zusammenmischen muss. Bei den Dan-Dan-Nudeln kommen Sprossen, Hackfleisch, Gewürze und Chiliöl dazu. Das ist für uns ein Gericht, bei dem erst durch das Mischen der volle Geschmack entsteht – würzig, rund, umami.

… Handarbeit: Die Nudeln sind hausgemacht, die Ravioli entstehen vom Teig bis zur fertigen Teigtasche selbst. Genau das macht für uns den Unterschied. Es geht nicht nur darum, ein schnelles Gericht zu servieren, sondern um die Textur, die Füllung, die Suppe, das Öl und das richtige Verhältnis von allem.

… Sichuan: Wenn man über Sichuan spricht, denken viele zuerst an Schärfe. Ja, Chili und intensive Würze gehören dazu. Aber Schärfe ist nicht alles. Wenn ein Gericht nur mehr brennt, schmeckt man nichts anderes mehr. Deshalb passen wir die Schärfe für viele Gäste an. Wer authentisch scharf essen möchte, bekommt das aber auch.

… vegane und milde Optionen: Wir haben scharfe und nicht scharfe Gerichte, außerdem auch vegane Optionen. Bei den Ravioli steht manches als scharf auf der Karte, weil es normalerweise in Chili-Suppe serviert wird. Wenn jemand das nicht möchte, können wir es auch anders lösen – zum Beispiel mit klarer Suppe.

… chinesisches Essen als Gemeinschaft: In China isst man selten allein. Man kommt mit Familie oder Freunden zusammen, bestellt mehrere Gerichte, teilt, redet, trinkt vielleicht chinesischen Schnaps dazu. Genau dieses gemeinsame Essen gehört für uns zur Kultur. Auch deshalb passt Streetfood so gut in ein Lokal: Es ist unkompliziert, aber es verbindet.

… Wien: Zu uns kommen chinesische Gäste, Wienerinnen und Wiener, Menschen aus der Umgebung und Touristen. Manche chinesische Gäste möchten es sehr authentisch, andere leben schon lange in Europa und essen lieber milder. Deshalb fragen wir nach. Schärfe ist persönlich – und gutes Essen soll für alle funktionieren.

Title Tag:
Sichuan Ravioli Wien: Chinesisches Streetfood

Meta Description:
Sichuan Ravioli bringt traditionelle chinesische Teigtaschen, hausgemachte Nudeln, Chiliöl und Sichuan-Aromen nach Wien – scharf oder mild.

Tradition trifft Hongkong

Das MEIWEI in der Taborstraße bietet zunächst traditionelle chinesische Hausmannskost auf hohem Niveau, zum Beispiel Teigtaschen wie Jiaozi oder Wantan, Frühlingsrollen oder der speziellen Peking Ente. Weil: die chinesische Küche hält es grundsätzlich wie die italienische – sie ist eh schon komplex genug. Gleichzeitig gibt eine extrem innovative Streetfood-Küche wie in Hongkong.

Hier knüpft Lorenzo an, der jüngste Spross im family business. Auf der Sommerkarte darf er sich alljährlich austoben, heuer zum Beispiel mit Tofu Tartare, der rein veganen Variante des Beef Tartare. Die ausführliche Weinkarte geht wiederum auf die Initiative des Vaters zurück. Das ebenso verspielte wie edle Interieur hat Lorenzos Schwester entworfen. Und irgendwie sind alle dabei und eigentlich Quereinsteiger:innen. Merkt man gar nicht.

Lorenzo über …

… MEIWEI & die Familie:
Meine Eltern hatten früher ein Modegeschäft in Wien. Als die Branche schwieriger wurde, sind sie wieder in die Gastronomie zurückgekehrt – eigentlich zu etwas, das sie schon kannten. Als sie nach Österreich gekommen sind, hatten sie bereits einmal ein Lokal in Niederösterreich. Diese Erfahrung, aber auch die Freude am Essen, hat sie nie ganz losgelassen.

MEIWEI gibt es seit März 2025. Ich war damals noch im Auslandssemester in Hongkong, als meine Eltern das Lokal eröffnet haben. Die Idee war, nicht einfach „chinesisches Essen“ zu machen, sondern Gerichte, die bei uns zu Hause wirklich gekocht wurden. Meine Mutter hat vieles davon schon für uns gemacht, als wir Kinder waren. Für mich steckt darin sehr viel Nostalgie – und genau dieses Gefühl wollten meine Eltern auch anderen Menschen weitergeben.

… die Küche:
Unsere Familie kommt aus dem Südosten Chinas, aus einer Region nahe Shanghai. Die Küche dort ist anders als in anderen Teilen Chinas, aber bei MEIWEI machen wir keine extrem scharfen Gerichte. In Wien muss man manches anpassen: Einerseits, weil nicht alle Zutaten hier in derselben Qualität verfügbar sind. Andererseits, weil viele Gäste sehr scharfe Gerichte gar nicht essen könnten. Ich übrigens auch nicht – ich bin hier geboren und mein Magen ist nicht mit dieser Schärfe aufgewachsen.

Deshalb ist unsere Küche traditionell, aber nicht starr traditionell. Die Basis kommt aus der chinesischen Hausmannsküche meiner Familie. Gleichzeitig schauen wir darauf, was hier funktioniert, welche Zutaten wir bekommen und wie die Gerichte für unsere Gäste zugänglich bleiben.

… die zweite Generation:
Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen. Meine Eltern haben das Lokal eröffnet, aber meine Schwestern und ich helfen auf unterschiedliche Weise mit. Das Interieur zum Beispiel hat meine große Schwester gemacht. Sie hat in Italien Mode studiert und sich später auch mit Interior Design beschäftigt.

Ich selbst habe an der WU Wirtschaftsinformatik studiert und möchte langfristig in der Gastronomie bleiben. Deshalb arbeite ich jeden Tag im Lokal mit, sammle Erfahrung und übernehme nach und nach mehr Verantwortung. Meine Eltern sind natürlich vorsichtig – das verstehe ich auch. Aber mit der Sommerkarte habe ich mir ein kleines Spielfeld geschaffen.

… die Sommerkarte:
Die normale Karte ist stark chinesisch geprägt. Auf der Sommerkarte kann ich mehr ausprobieren. Da geht es auch um meine eigene Perspektive: Ich bin mit chinesischer Kultur aufgewachsen, aber in Österreich sozialisiert. Meine Gerichte sollen beides zeigen.

Ein Beispiel ist das Tofu-Tatar. Ich mag Beef Tatar sehr gern, wollte aber etwas machen, das auch vegetarisch funktioniert und trotzdem asiatisch gedacht ist. Statt Toast gibt es dazu knusprige chinesische Knödel. Das ist kein traditionelles Gericht, aber genau das ist der Punkt: Es verbindet etwas, das man hier kennt, mit etwas, das aus unserer Küche kommt.

Auch bei den Desserts probiere ich solche Kombinationen aus. Ein Dessert mit Tapiokaperlen, Kokosmilch und Chia-Samen zum Beispiel. Oder ein Tiramisu mit Yuzu, einer asiatischen Zitrusfrucht – auch das hat eine persönliche Note, weil meine Eltern sich in Italien kennengelernt haben und ich selbst diesen italienischen Einfluss spannend finde.

… Kreativität in der Küche:
Ich denke beim Kochen oft analytisch. Vielleicht kommt das vom Studium. Bei einem Tiramisu überlege ich mir: Welche Komponenten braucht es? Was kann man austauschen? Wo braucht es Säure, Fett, Süße, Textur? Dann probiere ich aus. Vieles schmeckt am Anfang nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber manchmal funktioniert es sehr gut.

Für mich ist Küche nichts Starres. Tradition ist wichtig, aber jede Küche hat sich irgendwann verändert. Auch das, was heute traditionell wirkt, war irgendwann einmal neu. Gerade Streetfood zeigt das sehr gut: Dort zählt am Ende, ob es schmeckt. Wenn eine Kombination besser funktioniert, dann darf sie auch sein.

… Hongkong und Streetfood:
Mein Auslandssemester in Hongkong hat mich sehr geprägt. Dort gibt es an jeder Ecke gutes Essen, oft ganz einfach und günstig. Ich habe dort gemerkt, dass gutes Essen nicht teuer oder kompliziert sein muss. Es muss einfach schmecken.

Hongkong ist außerdem ein Ort, an dem Trends früh sichtbar werden. Vieles, was in Europa erst später ankommt, ist in Asien längst Alltag. Das kenne ich auch aus der Modebranche meiner Familie: Meine Eltern und meine Schwester sagen oft, dass Trends in Österreich mit Verspätung ankommen. In der Gastronomie ist es ähnlich. Genau deshalb finde ich es spannend, bei MEIWEI etwas auszuprobieren, das zwischen den Kulturen liegt.

Bangkok ums Eck

Im BANGKOK-ECK bringt Pannagam „Ang“ Trobi echte Bangkok-Aromen nach Graz: frische Zutaten, zischende Woks und Thai-Klassiker mit Seele.

Ang über…

… sich: Ich bin Pannagam Trobi, die meisten nennen mich Ang. Ich bin halb Thai, halb Österreicherin und habe schon lange in der Gastronomie gearbeitet. In Amsterdam habe ich eine Ausbildung als Barkeeperin gemacht, insgesamt bringe ich mehr als zehn Jahre Erfahrung mit – mit Essen, Drinks, Service und allem, was dazugehört.

… das Konzept: Unsere Küche ist authentisch, frisch und direkt. Wir arbeiten mit Hausrezepten, frischen Zutaten und heißen Woks. Es geht um echte Bangkok-Bites: viel Aroma, viel Leben, viel Gefühl. Mein Konzept erzählt sich besonders gut über Pad Thai und Pad Kra Pao – zwei Gerichte, die zeigen, wie intensiv, würzig und gleichzeitig ausgewogen thailändische Küche sein kann.

… das Lokal:Der Name Bangkok-Eck ist ganz wörtlich entstanden: Unser Restaurant liegt an einer Ecke. Und genau dort wollte ich ein kleines Stück Bangkok schaffen – mitten in Graz. Ein Ort, an dem man kurz hereinkommt und das Gefühl hat, kulinarisch in Thailand gelandet zu sein.

Geschmacksverstärker

SUSURU heißt schlürfen auf Japanisch – ein passender Begriff für die anfangs etwas abgeranzte Ramen-Bar aus dem Filmklassiker Tampopo, denkt man. Nichts käme einem weniger in den Sinn, betritt man das gleichnamige Lokal in der Kirchengasse im 7. Bezirk. Vom Reispapier als akustische Raumpaneele, über das Design der Karte bis zum kleinen Keramikschwammerl als Stäbchenablage ist alles bis ins kleinste Detail durchkonzipiert.

Dass man trotzdem am liebsten schlürfen würde (und man darf!), liegt daran, dass sich Köstlichkeiten wie Addictive Cabbage – Salat mit frittierten Nudeln – oder Tantan Tofu – ein Gaumenspiel aus unterschiedlichen Konsistenzen wie Soja und Soja-Granulat – dazu einfach nicht eignen, zum Schlürfen nämlich. Um die Geschmacksknospen entsprechend anzuregen, schlürft man dann eben eine der ausgeklügelten Ramen-Suppen.  

Ein Team rund um den Gastronomen Stefan Ho hat das ausschließlich pflanzliche Konzept nach Wien geholt. Die Fusionsküche kommt aus Amsterdam und der dortige Küchenchef Tenta Akaike (links im Bild) wurde für den Start in Wien ausgeborgt. Susuru hat im Frühling 2026 eröffnet und dass es Sake gibt und die Preise fair sind, wird auch das junge Publikum in Neubau freuen.

Schlürfen ist in der asiatischen Küche übrigens nicht nur als Zeichen des Genusses erwünscht – es bringt Aromen direkt zum Gaumen und verstärkt den Geschmack.

Stefan über…

… sich: Ich komme aus der Gastronomie, mein Mann aus dem Grafikdesign. Genau an dieser Schnittstelle ist SUSURU entstanden: gutes Essen, ein starkes Konzept, ein Raum mit Atmosphäre und ein Erlebnis, das nicht beim Teller aufhört. Unser Partner Ming bringt den kulinarischen Teil ein, dazu kommt ein japanischer Rezeptgeber aus Amsterdam. Dort haben wir zum ersten Mal erlebt, wie viel Geschmack rein pflanzliche Küche haben kann.

… die Idee: Ich war lange kein großer Tofu-Fan. Für mich war Tofu etwas, das nach wenig schmeckt. Dann saßen wir in Amsterdam in einem kleinen Ramen-Lokal, alles war plant-based – und plötzlich hatte Tofu Tiefe, Würze, Textur. Da war klar: Genau dieses Gefühl wollen wir nach Wien bringen. Pflanzliche Küche soll bei uns nicht reduziert, gedämpft oder brav wirken. Sie soll Spaß machen.

… das Konzept: SUSURU heißt auf Japanisch „schlürfen“. Und genau das darf man bei uns auch. Die Küche ist von japanischer Wirtshauskultur inspiriert: kleine warme und kalte Gerichte, Ramen Bowls, viel zum Teilen, viel zum Kombinieren. Unser Tantan-Tofu ist eines meiner Lieblingsgerichte, weil er zeigt, wie weit Tofu von langweilig entfernt sein kann. Dazu kommen etwa Addictive Cabbage, Tempura King Oyster oder eine pflanzliche Karaage-Variante mit Karfiol und Lotuswurzel.

… das Lokal: Beim Essen geht es nicht nur um Geschmack. Man sieht, hört, fühlt und riecht. Darum war uns das Design genauso wichtig wie die Speisekarte: Materialien, Licht, Musik, Teller, Oberflächen – alles soll zusammenspielen. Am Tag wirkt der Raum klar und ruhig, am Abend kommt noch einmal eine andere Stimmung dazu. Wir wollen kein beliebiges Restaurant sein, sondern ein Ort, an dem man gerne bleibt.

… die Getränke: Auch bei den Getränken schauen wir genau hin. Es gibt Sake-Flights, bei denen man drei sehr unterschiedliche Sake-Stile probieren kann – klassisch, experimenteller, auch etwas Süßeres. Dazu kommen österreichische Weine und möglichst viele Produkte von Familienbetrieben, Privatbrauereien oder unabhängigen Herstellern. Ganz konzernfrei geht nicht immer, aber die Richtung ist klar.

Soulsisters

In der Wipplingerstraße im 1. Bezirk und darüber hinaus regiert die IKO-Gruppe. Zur Marke gehören inzwischen unter anderem IKO, NIKKAI, LITTLE KOYA, die SHOUKO RAMENBAR, THAILANNA, MAE AUREL und das HONG KONG CAFÉ. Wer eine internationale Investorengruppe dahinter vermutet, liegt allerdings völlig falsch. Die treibende Kraft hinter den asiatischen Fusionskonzepten sind Yike Liu und Elisabeth Wu alias Sissi.

Die beiden Wirtschaftsabsolventinnen kennen sich seit ihrer Kindheit in Graz. 2015 eröffnen sie das IKO, stehen anfangs selbst im Lokal, pendeln zwischen Service und Küche. Während und nach der Corona-Pandemie sehen sie Chancen, übernehmen Lokale und Teams, entwickeln neue Konzepte aus eigener Kraft, mit eigenen Mitteln. Zum Interview treffen wir die beiden im Nikkai in der alten Börse. Umgeben von, ja, prunkvollem Design und Menschen in Designer-Anzügen führen wir ein sehr ungezwungenes Gespräch übers Ernstgenommenwerden, über langsames Wachstum und übers Loslassen.

Yike und Sissi über…

… sich: Wir kennen uns eigentlich schon unser ganzes Leben. Unsere Familien kommen ursprünglich aus Südostchina, wir beide sind aber in Graz aufgewachsen. Unsere Eltern hatten Lokale in derselben Straße – das eine weiter oben, das andere weiter unten. Heute sind wir beide Unternehmerinnen, Gastronominnen und Mütter von jeweils zwei kleinen Kindern. Unser Alltag ist entsprechend durchgetaktet: Familie, Betriebe, Teams, Baustellen, Konzepte, Büro – und irgendwo dazwischen versuchen wir, auch noch ein bisschen Freizeit unterzubringen.

… die Anfänge: Unser erstes Lokal war das IKO. Dort haben wir 2015 angefangen – mit japanisch inspirierter, moderner Fusionsküche, mit vielen eigenen Kreationen und mit einem sehr persönlichen Zugang. Am Anfang haben wir wirklich alles selbst gemacht: aufsperren, Service, Abwasch, putzen, organisieren, einkaufen, kalkulieren. Wir waren 14 Stunden im Lokal, weil man am Anfang Personal klein hält und alles irgendwie selbst auffängt. Das IKO war ein Ort für moderne asiatische Fusionsküche, den wir Schritt für Schritt entwickelt haben und aus dem inzwischen eine ganze Gruppe von Konzepten entstanden ist.

… die Gäste: Was uns von Beginn an getragen hat, waren unsere Gäste. Viele kamen aus der Nachbarschaft, aus Büros in der Umgebung, aus dem Grätzl. Vor Corona waren es kaum Tourist:innen, sondern vor allem Locals. Wir kannten viele Stammgäste persönlich: was sie essen, wann sie kommen, wo sie arbeiten, manchmal sogar ihre Familiengeschichten. Genau das ist für uns das Schöne an der Gastronomie. Du bekommst die Rückmeldung sofort. Du siehst direkt, ob jemand glücklich ist. Essen ist etwas sehr Persönliches – und Gastronomie kann Menschen für einen Moment wirklich gut tun.

… das Loslassen: Mit der Zeit mussten wir lernen loszulassen. Wenn man wachsen will, kann man nicht überall selbst im Service stehen und gleichzeitig jedes neue Projekt entwickeln. Corona war für uns – so schwierig diese Zeit war – auch eine Zäsur. Wir haben gemerkt: Wenn das Team gut ist, funktioniert es auch ohne uns im Tagesgeschäft. Das war ein wichtiger Schritt. Nicht, weil wir uns zurückziehen wollten, sondern weil wir dadurch überhaupt erst neue Konzepte entwickeln konnten.

… die Expansion: Wir wachsen trotzdem nicht blind oder schnell um jeden Preis. Wir schauen immer zuerst: Haben wir ein gutes Team? Haben wir die Ressourcen? Passt der Standort? Gibt es ein Konzept, das wirklich Sinn macht? Erst wenn ein „Baby“ laufen kann, kommt das nächste dazu. Das Konzeptentwickeln macht uns großen Spaß: Küche, Interior, Branding, Atmosphäre, Abläufe. Sobald ein Lokal nur noch Routine ist, fehlt uns irgendwann die neue Herausforderung. Deshalb entstehen neue Projekte nicht nur aus Expansionsdrang, sondern auch aus Lust am Gestalten.

… die Rollenverteilung: Unsere Rollen haben sich dabei organisch entwickelt. Wir sind beide sehr diszipliniert und packen dort an, wo es nötig ist. Am Anfang gab es keine klare Aufteilung, heute ist sie natürlich strukturierter, weil es sonst nicht mehr effizient wäre. Yike bringt sehr viel in die Speisenentwicklung ein. Viele Rezepte und Ideen kommen von ihr, oft auch in Abstimmung mit ihrer Mutter, aber vor allem mit unserem großartigen Küchenchef und Yikes Mann, Zhong Kai Xiang. Wir stehen nicht jeden Tag selbst in der Küche, aber die Küche trägt klar unsere Handschrift. Wenn es brennt, springen wir ein – das gehört in der Gastronomie dazu. Aber bei mehreren Betrieben braucht es Menschen, denen man vertrauen kann. Die Shouko Ramenbar führt Sissis Bruder operativ alleine – er ist auch der Ramenprofi und hat in Japan einen Kurs belegt. Wir haben ihn dann nur beim Aufbau unterstützt.

… knallharte Kalkulation: Unsere Familiengeschichte prägt uns stark. Unsere Eltern sind aus einer Zeit gekommen, in der vieles knapp war. Essen, Ressourcen, Chancen – nichts davon war selbstverständlich. Das hat uns geerdet. Wir verschwenden nichts, wir schauen auf Preise, wir verhandeln hart, wir kalkulieren genau. Das klingt vielleicht im Kontrast zu manchen unserer schönen Räume überraschend, aber genau so arbeiten wir: prachtvoll darf es aussehen, verschwenderisch darf es nicht sein.

… offene Baustellen: Gerade bei Umbauten haben wir viel gelernt. Als junge Frauen – und noch dazu mit asiatischem Hintergrund – wurden wir nicht immer sofort ernst genommen. Besonders auf Baustellen muss man sich durchsetzen. Wir schauen genau hin, wir kennen unsere Rechte, wir lassen uns nicht einfach etwas erzählen. In der Gastronomie selbst erleben wir das weniger stark, aber bei Bau, Technik und Verhandlungen merkt man schon, dass man selbstbewusst auftreten muss. Unsere Haltung ist aber nicht: Wir werden als Frauen schlechter behandelt. Unsere Haltung ist: Wir kennen uns aus, wir wissen, was wir wollen, und unser Gegenüber soll das auch merken.

… Unabhängigkeit: Investoren stehen nicht hinter uns. Wir haben klein angefangen und alles langsam aufgebaut. Die ersten Jahre gab es nur das IKO, erst später kam das nächste Lokal dazu. Am Anfang hat uns Familie bei der Finanzierung geholfen, Banken waren bei Gastronomie sehr zurückhaltend. Heute investieren wir aus eigener Kraft weiter. Das macht uns vorsichtig, aber auch unabhängig.

… den BeWirt*-Faktor: Was uns antreibt, ist bis heute dieser direkte Kontakt zu Menschen. Ein Restaurant ist kein abstraktes Produkt. Es ist ein Ort, an dem täglich Menschen hereinkommen – aus unterschiedlichen Branchen, mit unterschiedlichen Geschichten, mit guter oder schlechter Laune. Und manchmal reicht ein gutes Essen, ein kurzer Schmäh im Service oder ein schöner Raum, damit jemand für einen Moment glücklicher hinausgeht, als er hereingekommen ist. Das ist für uns immer noch der Kern.

Nudeltwist

Straßenseitig präsentiert sich DANCING NOODLES unscheinbar. Dahinter offenbart sich Gastfreundschaft aus der chinesischen Provinz Gansu: Magahoniholz, dezente Wanddeko mit chinesischen Motiven, auch einen lauschigen Gastgarten gibt es. Der eigentliche Star ist aber die zentrale Schauküche, in der Chefkoch Yongqiang die Nudeln frisch zubereitet, also von Hand zieht, und  sie dabei tatsächlich zum Tanzen bringt. Seine Frau Xin kümmert sich inzwischen um die Gäste und um die gesamte Logistik des Lokals.

Die Nudeln gibt es klassisch oder mit Kürbis und roter Rübe. Auch Dim Sum (Teigtaschen) und sogar die ansonsten oft so langweilige Frühlingsrolle, die gerne trocken und fett zugleich daherkommt, wird hier mit frischem Glasnudeln, Karotten und Shiitake-Pilzen zur kleinen Hauptmahlzeit – in Sojasauce ertränken nicht nötig. Apropos Sojasauce: viele Gerichte gibt es glutenfrei und auch vegan.

Xin über…

… sich: Ich bin im Lokal vor allem Ansprechpartnerin für Service, Organisation und den laufenden Betrieb. Mein Mann ist der Chefkoch und Nudelmeister. Seine Familie hatte in China schon Restaurants, die Gastronomie war also immer ein Teil unseres Lebens. Bevor wir Dancing Noodles eröffnet haben, hatten wir bereits ein anderes asiatisches Lokal. Irgendwann war klar: Wir wollen uns stärker auf ein Konzept konzentrieren.

… die Idee: Wir haben gesehen, dass Nudeln in Wien sehr gut funktionieren. Aber wir wollten nicht einfach fertige Nudeln kochen, sondern sie frisch machen – sichtbar für die Gäste. Mein Mann ist dafür nach China gereist und hat die Technik der handgezogenen Nudeln gelernt. Die Tradition kommt aus Lanzhou, und genau diese Herkunft spielt bei uns eine wichtige Rolle.

… die Schauküche: Unsere Nudeln entstehen nach der Bestellung. Der Teig wird geknetet, gezogen, gefaltet und wieder gezogen, bis die gewünschte Stärke entsteht. Das sieht leicht aus, ist aber viel Handgefühl und Übung. Die Nudeln sollen gleichmäßig werden und nicht reißen. Danach kommen sie direkt ins kochende Wasser. Nach wenigen Minuten steht das Gericht am Tisch. Viele Gäste bleiben vor der Schauküche stehen und schauen zu – genau das wollten wir.

… die Speisekarte: Wir konzentrieren uns auf Nudeln, Suppen, gebratene Nudeln und hausgemachte Dim Sum. Es gibt klassische Nudeln, aber auch Varianten mit Kürbis, Spinat oder Roter Rübe. Für Gäste mit besonderen Bedürfnissen bieten wir auch glutenfreie Möglichkeiten an – inklusive glutenfreier Sojasauce und passenden Gewürzen. Vegan ist bei uns ebenfalls ein wichtiges Thema, etwa bei Gemüsegerichten, veganen Dumplings oder gebratenen Nudeln mit Gemüse.

… Dim Sum und Handwerk: Auch unsere Dim Sum machen wir selbst. Es gibt Varianten mit Huhn, Rind, Shrimps oder Gemüse. Bei den veganen Dumplings arbeiten wir je nach Saison mit Spinat, Bärlauch oder anderem Gemüse. Uns ist wichtig, dass die Gäste merken: Das ist nicht einfach Convenience-Küche. Hier steckt Handarbeit dahinter.

… die Anfangszeit: Wir haben im Jänner 2020 eröffnet – kurz vor Corona. Das war natürlich schwierig. Am Anfang wollten wir keine Zustellung machen, weil Nudelsuppe unterwegs schnell an Qualität verliert. Später mussten wir umdenken und haben spezielle Verpackungen verwendet, bei denen Nudeln und Suppe getrennt bleiben. So konnten wir die Qualität besser halten. Dass viele Gäste trotzdem wiedergekommen sind, hat uns sehr geholfen.