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Schlagwort: Bio-zertifiziert

Besser für alle

Michael Skorepa darf sich mit dem BIO-MEISEL als Inhaber eines immer noch außergewöhnlichen Lokals betrachten: Alle Produkte sind zu einhundert Prozent BIO. Obwohl: Inhaber ist relativ, und das Meisel nur Teil eines größeren Projekts – die Wirtschaft nachhaltig zu ändern. Mit fairen Lebensmittel-Preisen, flachen Hierarchien, Beteiligungsmodellen, und nicht zuletzt der Förderung von unabhängigen KünstlerInnen. 

Michael über …

… sich: Ich komme ursprünglich aus dem Pflegebereich und bin dann in die biologische Landwirtschaft gewechselt. 2016 haben wir als Verein Biologos den gleichnamigen Bio-Laden in der Meiselstraße eröffnet. Das Bio-Meisel ist an der nächsten Ecke und kam 2020 dazu. Es war reiner Zufall, der damalige Besitzer hat uns angesprochen und aus Altersgründen eine Übernahme angeboten.

… den Start: Der Start war nicht leicht, wir haben zwei Monate vor dem ersten Lockdown eröffnet. Aber viele KundInnen haben uns schon vom Laden gekannt und uns die Treue gehalten. Sie haben uns teils mit Gutscheinen vorfinanziert, die wir ausgegeben hatten. Unser nächstes Ziel ist es, das Bio-Meisel in eine Genossenschaft umzuwandeln. Unsere Gäste können sich daran beteiligen und MiteigentümerInnen werden.

… die Produkte: Das Bio-Meisel ist zu einhundert Prozent Bio zertifiziert und nutzen ausschließlich regionale und saisonale Zutaten. Neben uns gibt es in Wien glaube ich nur ein weiteres Lokal, das alle Produkte in Bio-Qualität anbietet.

… die Plattform: Das Bio-Meisel versteht sich aber auch als Drehscheibe für Kunst und Kultur. Wir bieten eine Bühne für Konzerte, philosophische Runden, für Diskussionen, Workshops, etc. an. 

… Gerechtigkeit: Ziel des Vereins, des Ladens und des Wirthauses ist es, eine andere, gerechtere Wirtschaft zu leben. Als Verein haben wir flache Hierarchien und Lohnstrukturen und jede und jeder fühlt sich für alles verantwortlich.  Wir zahlen unseren LandwirtInnen faire Preise für ihre Produkte und schauen, dass wir genug Geld für kulturelle Veranstaltungen haben, um unsere KünstlerInnen gerecht zu bezahlen. 

… ein Dorf: Das Grätzl hier ist wie ein kleines Dorf, man kennt sich.  Die Leute kommen zum Essen, Plaudern und um Kultur zu erleben. Das Bio-Meisel ist ein Treffpunkt. Gemeinsam können wir etwas ändern und auf die Beine stellen.

Veganistan mon amour

Das Konzept des suess’kind ist so klar wie detailversessen: Fabian Rainer komponiert seine Kreationen täglich neu, in Abstimmung mit dem regionalen Angebot und der Jahreszeit. Das Ergebnis ist immer ein einmaliges Geschmackserlebnis. Und zu 100 Prozent BIO-zertifiziert.

Auch das Lokal ist durchkomponiert: klare Linien und monochrome Farbflächen, warmes Licht aus handgedrehten Glühbirnen. Genuss fürs Auge ist das. Die Küche ist zentral, offen, einsichtig. Wer möchte, kann Fabian beim Teig kneten oder Gemüse zerkleinern zusehen und mit ihm über Essen philosophieren. 

Fabian über …

… Kochexperimente: Der Sonntag ist mein Experimentiertag hier im Lokal. Dann probiere ich Gewürzmischungen aus, setze Teig an, röste etwas. Ich probiere jedes Gemüse zunächst roh. Dasselbe Gemüse hat jedes Mal eine etwas andere Süße, Schärfe, Säure. Dann überlege ich, was ich damit mache. Kann ich es rösten, dämpfen, welche Gewürze nehme ich, setze ich es als Sauce an etc.

… satt & voll: Der Bestseller im suess’kind ist mein Allerlei. Es besteht aus vier, fünf kleinen Gerichten auf dem Teller. Jedes für sich ist unterschiedlich im Geschmack, aber stimmig zueinander. Mein Allerlei macht satt, aber niemals voll. Ich will Menschen auch einen bunten Moment in ihren Arbeitsalltag zaubern. Wie einen Blumenstrauß, den man essen kann.

… Fleisch und so: Essen verbindet uns. Essen ist Wertschätzung. Aber wertschätzen kann ich Essen nur, wenn ich das ursprüngliche Lebensmittel wahrnehme und verstehe.  Das ist der Vorteil von veganem Essen: Es ist näher am Ursprung. Ein Stück Fleisch ist so abstrakt, weil es nirgends wächst und ich das Tier nicht mehr wahrnehme. Wenn ich so weit weg bin vom Ursprung, kann ich auch nichts beschützen oder verändern.

… vegane Weltverbesserer: Vegan lebende Menschen gelten als Weltverbesserer und viele grenzen sich auch ab. Dieses Denken in Kategorien macht vieles kaputt. Die meisten Leute, die hier hereinkommen, leben eigentlich nicht vegan. Sie kommen aber trotzdem, weil es ihnen einfach schmeckt. Und das finde ich schön, weil ich genau diese Menschen erreichen will. Ein dogmatischer Ansatz ist nie gut.

… transparent & fair: Viele Gastroküchen sind industriell ausgelegt. Produziert wird nach Baukasten-System. Es ist der Gedanke, immer alles verfügbar zu haben. Produziert wird billig und oft für den Müll. Ich habe mir also folgende Frage gestellt: Kann ich eine transparente, faire Situation für qualitativ hochwertiges saisonales Essen schaffen, wo der Kunde weiß, was er bekommt und woher es kommt? Das war der Aufhänger für das suess’ kind.