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Schlagwort: Streetfood

Die Langos Renaissance

Inspiriert vom Goldketterl tragenden Langos-Bäcker Juri, der im Klosterneuburger Freibad in den 1980ern das perfekte Langos produzierte, zeigen Walter und Laura in ihrer LANGOS BAR im Wiener Prater, dass Langos mehr ist als ein von Knoblauch erschlagenes labbriges Laberl: Frisch ausgezogener Teig aus Bio-Mehl wird so frittiert, dass das fertige Langos zugleich cross und fluffig ist.

Geviertelt und mit Bio-Sauerrahm und Bio-Bergkäse belegt, wird der fertige Fladen zum veredelten Streetfood. Die Variante Bio-Würstel im Langos-Schlafrock ist übrigens auch sehr zu empfehlen.

Walter über …

… sich: Ich bin der Walter und ich mache Langos hier im Prater. Ich hatte früher ein Lokal und als als Corona kam, mussten wir uns neu orientieren. Also habe ich damals im Februar in einem Zelt auf einem Parkplatz begonnen, meine eigenen Langos zu verkaufen – und die Leute haben sie sofort geliebt. Das Handwerk liegt mir im Blut. Ich bin gelernter Koch, habe in Gourmethäusern gearbeitet und mich schließlich selbstständig gemacht.

… Langos: Warum gerade Langos? Ich bin in Klosterneuburg aufgewachsen. Im Kosteneuburger Strandbad  gab es den Juri – der oben ohne, mit Goldketterl und einer weißen Schürze an einem Nachmittag 150 Langos gemacht hat. Und dann wurde im Bad ausgerufen Der Juri macht jetzt Langos! Und alle sind zu seinem Wagerl gerannt und haben sich angestellt. Das waren herrliche Langos, außen knusprig, innen fluffig, frisch ausgezogen. Und wenn sie aus waren, waren sie aus.

…  perfekte Konsistenz: So sind auch meine Langos, sie müssen auch knusprig sein – eine gute Mischung. Ein frisches Langos muss in der Mitte knusprig sein, der Rand darf ruhig ein bissel fluffig sein. Ich mach ein Wiener Langos und keine ungarischen Langos. Ich habe das damals im Freibad vom Zuschauen gelernt und genauso mach ich das.

… den Prater: Hier im Prater ist jeder Tag anders. Du weißt nie, ob es ein guter oder ein ruhiger Tag wird. Und das Thema Personal ist immer eine Herausforderung – gute Leute zu finden und das richtige Team aufzustellen, ist nicht leicht.

… die Renaissance: Der Langos hat bei uns in Österreich keinen besonders guten Ruf – oft zurecht. Ich aber möchte ihm zu einer Renaissance verhelfen. Mein Ziel ist es, dieses Standl bis zu meiner Pension zu betreiben und dem Langos den Platz zu geben, den er verdient.

Popkultur-Feeling

K-Pop im Ohr, Manga an der Wand und ein Corn Dog in der Hand: Mit GOGI GO hat „Max“ Buyantsog Janyiv in Graz eine Marktlücke gefunden – koreanisches Streetfood, jung, unkompliziert und tasty wie gefüllte Corn Dogs oder Tofu Gimbap Rollen, die es auch in vegan gibt. 

Max über …

…sich: Ich bin Max – offiziell Buyantsog Janyiv –, und nach zehn Jahren Gastro-Erfahrung in Wien als Koch und Restaurantleiter war für mich klar: Irgendwann will ich mein eigenes Lokal aufmachen. In Graz habe ich den perfekten Ort dafür gefunden. Warum ich das mache? Ganz einfach: aus Liebe zu gutem Essen – und weil ich damit Kunst und Kreativität ausleben kann.

… das Konzept: Der Name Gogi Go erzählt schon die halbe Story: „Gogi“ steht für Fleisch oder Grill, „Go“ für das To-Go-Konzept. Aber eigentlich geht’s bei uns um mehr: junges, modernes Essen für junge, moderne Menschen. Das Interior bringt „cute cozyness“ und Manga-Flair zusammen – also ein bisschen Popkultur-Feeling, das man in Graz so noch nicht kennt.

 den Signature Dish: Das ist ganz klar unser Corn Dog. Sündhaft gut, total simpel – und genau die Art von Soulfood, die unser Konzept auf den Punkt bringt.

Fast & fantastico

Marco Urbano bringt mit seiner PIZZERIA LA CORTE ein Stück Italien nach Graz. Hier gibt es Pizza-Schnitten und Panzerotti – quasi gebackene Mini-Calzone–, frisch aus dem Ofen, unkompliziert zum Mitnehmen – perfekt für den schnellen Hunger, aber ohne Abstriche bei Qualität und Geschmack.

Marco über …

… sich: Ich heiße Marco Urbano und betreibe die Pizzeria La Corte an zwei Standorten in Voitsberg und in der Grazer Färbergasse.

… das Konzept: In der Färbergasse machen wir Pizza-Schnitten, die speziell für Graz gedacht sind – schnell, frisch und unkompliziert. Wir sind ein modernes Fast-Casual-Restaurant, wo man mitten im hektischen Stadtalltag eine hochwertige Pizza oder Panzerotti ganz einfach mitnehmen kann.

… den BeWirt-Faktor: Warum ich Wirt geworden bin? Weil ich Menschen gerne mit gutem Essen und einem Stück italienischer Lebensfreude begeistern möchte. Es macht mir Freude, ein Lokal zu führen, das auf Qualität setzt und trotzdem eine entspannte, herzliche Atmosphäre hat.

… den Signature Dish: Und natürlich gibt es auch eine Pizza, die unsere Philosophie perfekt ausdrückt: die Pizza Vieste. Sie stammt ursprünglich aus meiner Heimat und kombiniert frische Zutaten wie Cherrytomaten, Knoblauch, natives Olivenöl und wilden Oregano. Für mich steckt in dieser Pizza alles drin, wofür wir stehen – Einfachheit, Authentizität und echter Geschmack.

Delhi Deli in Lend

INDIGO: In Graz war Wolfgang jahrelang Chefscout für Gusto Guerilla und hat immer wieder tolle Lokale für unsere Touren aufgestellt. Als Wirtshauskind war er dabei immer nahe bei den GastronomInnen. Jetzt ist er sesshaft geworden. Am Lendplatz. Mit Indigo – einem kleinen Marktstand, der zwei Küchen zusammenbringt: die indische und die steirische.

Mit einem Team, das der Indien-Kenner teils über Gusto Guerilla kennengelernt hat. Die Kulinarik: keine Show, kein Fusion-Overkill. Einfach gutes Essen und gute Getränke – an einem der schönsten Spots von Graz. 

Wolfgang über …

… sich: Ich war praktisch schon immer Entrepreneur, habe mich bald auf österreichisch-indische Projekte konzentriert und meine Frau in Indien kennengelernt. Was ich nicht gemacht habe war Gastro – die blieb bislang dem Rest meiner Herkunftsfamilie vorbehalten. Doch die Faszination für funktionierende Abläufe und tolle Produkte, die den Wohlfühlfaktor eines Lokals bestimmen, hat mich nie losgelassen.

Als ich die Chance hatte, einen Marktstand in Toplage am Lendplatz zu übernehmen, musste ich einfach zuschlagen. 

… das Konzept: Die Idee war von Anfang an klar: Wir wollen eine Küche machen, die Indien und die Steiermark verbindet. Indische Küche bringt die Gewürze, das Feuer, das Spiel mit Konsistenzen. Steirische Küche bringt die Produkte, das Handwerk, das Bodenständige. Wenn man beides ernst nimmt, passiert ganz von selbst etwas Neues.

… die Küche: Unsere Produkte sind indisch beeinflusst, die Zutaten stammen ausschließlich aus der Region. Zum Frühstück gibt’s beispielsweise Bombay-style Breakfast mit  Bun Maska – Milchbrötchen mit Rosinen von der Hofbäckerei Edegger-Tax. Oder herzhaftes Masala Omelette auf Brot. Als Tagesgericht haben wir indische Currys oder fluffige Tandoori-Brote mit verschiedenen vegetarischen Füllungen und saisonalen Chutneys oder Dips. Als Drinks bieten wir steirische oder indische Bio-Mocktails, frsich gemachtes Mango-Lassi, handverlesene Weine aus der Region, steirisches Bier oder indisches Pale Ale. Und unser Indischer Bio-Arabica ist in der Steiermark geröstet. 

… das Team:  Tushar bringt die Erfahrung in der indischen Küche und ein gutes Gespür für Geschmack. Und ohne meine Frau wäre ich in dem ganzen Chaos aus Genehmigungen, Equipment und Eröffnungsstress untergegangen. Und dass gibt es noch viele andere helfende Hände, ohne die das Indigo nicht Wirklichkeit geworden wäre.

Ein besonderer Dank geht an Klaus und Tina vom Bethlehem, die uns nicht nur diesen Platz am Markt ermöglicht haben, sondern auch früh an die Idee geglaubt haben.

Socialità al banco

LA PANINOTECA: Venedig oder Rom am Abend, das sind Aperitivo, Antipasti und Socialità al banco, ungezwungenes Socializing an der Theke. Erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis dieses so simple wie geniale Konzept in Wien Fuß gefasst hat. Aber jetzt ist es ja da!

Panini, Antipasti und Aperitivo wie in Rom – serviert von zwei Freunden, die ihre Liebe zu Italien und zum Handwerk in einem kleinen Lokal auf der Kaiserstraße verwirklicht haben. La Paninoteca ist mehr als ein To-Go-Konzept: ein Ort zum Bleiben, Teilen und Genießen.

Christoph und Florian über …

… sich: Wir sind Christoph und Florian und kennen uns aus der Tourismusschule Modul. 2024 haben wir unseren Traum vom eigenen Lokal verwirklicht: La Paninoteca im 7. Bezirk.

Schon vor der Matura war für uns klar, dass wir selbstständig arbeiten wollen. Mich – Christoph – hat es oft nach Rom gezogen, auch weil meine Freundin von dort stammt. Rom ist für mich nicht nur eine Stadt, sondern ein Gefühl: Abends durch die Altstadt spazieren, ein Aperitivo, ein Panino, gute Gespräche in kleinen, unkomplizierten Lokalen. Genau dieses Lebensgefühl wollten wir nach Wien bringen

… das Lokal: Flo ist der Pragmatiker von uns beiden – er hat das Lokal auf willhaben entdeckt. Anfangs war es eher ein Gedankenspiel, aber dann wurde es schnell konkret. Wir haben das Lokal in der Kaiserstraße übernommen und in vier Monaten komplett selbst renoviert – mit Bohrmaschine, Schleifgerät und viel Schweiß. Unsere Freundinnen waren von Anfang an mit dabei: beim Konzept und  beim Testen der Rezepte.

… die Lieferanten: Besonders wertvoll war die Unterstützung meiner (Christophs) Freundin – sie ist Italienerin, ihr Vater ist Gastronom, und über ihn kamen wir an unsere ersten Lieferanten. Heute beziehen wir viele unserer Produkte direkt aus Italien. Wenn wir sagen, wir machen authentische italienische Panini, dann meinen wir das auch so.

… Panini & Co: Der Name ist Programm: La Paninoteca – ein Ort für richtig gute Panini. Acht Sorten stehen fix auf unserer Karte, zwei davon vegetarisch. Unsere Zutaten: ausgewählter Käse, feiner Schinken, Eingelegtes aus Italien. Keine Showküche, sondern authentische Produkte in Top-qualität, direkt aus Italien.

Außerdem gibt’s Antipasti-Platten, gute Weine und alles, was einen gelungenen Aperitivo ausmacht. Ursprünglich als schnelles Mittagskonzept gedacht, hat sich unser Lokal schnell zum beliebten Treffpunkt für den Abend entwickelt – für Afterwork, Dates oder Abende mit Freund:innen.

… die Qualität: Bei italienischer Küche geht’s nicht um komplizierte Techniken, sondern um die Qualität der Zutaten. Ein guter Käse, ein luftgetrockneter Prosciutto, eingelegtes Gemüse – das reicht oft schon. Genau das leben wir in der Paninoteca: wenige, sorgfältig ausgewählte Produkte, die in ihrer Kombination überzeugen. Direkt aus Italien, ehrlich zubereitet, mit Respekt vor dem, was gut ist.

… die Gäste: Unsere Gäste sind zwischen 20 und 60, bunt gemischt – und nicht selten italienisch. Für private Feiern bieten wir einen eigenen Bereich an, ab 30 Personen kann man sogar das ganze Lokal mieten – samt eigener Musik und Wohnzimmeratmosphäre.

Am meisten freut uns, wenn Leute wiederkommen. Denn genau das wollen wir sein: ein Ort, an den man gerne zurückkehrt – wegen der Panini, wegen der Stimmung, wegen des Gefühls, für einen Moment in Rom zu sein.

Möge der Saft mit dir sein!

SAFTIS JUICE BAR: Inspiriert von Familienküche und Partystimmung entstand in der Kaiserstraße auf 70 Quadratmetern ein Ort, der einmal beides verbinden soll: Frische, gesunde Säfte für Klein und Groß – und abends eine Bar mit Cocktails aus frischen Zutaten. Die Säfte heißen Rotka (Rote Rübe, Karotte, Kiwi, Apfel), Ferkel (Apfel, Fenchel, Spinat, Zitrone) und Limotte (Apfel, Karotte, Orange, Grapefruit), die Cocktails sind noch namenlos. Daneben gibt es Sandwiches und Salate.

Betreiber Ercan (Bild re.) führt das Restaurant „Gundis“ ums Eck seit Jahren erfolgreich – auch das Gundis bereits inspiriert von und gemacht für Kinder und ihre Eltern. Geschäftsführer Andrej will in Gundis kleiner Schwester Saftis dafür sorgen, dass auch der Afterwork-Cocktail-Aspekt nicht zu kurz kommt.

Ercan, der Betreiber, ist kein Unbekannter im Grätzl. Sein erstes Lokal Gundis gleich ums Eck richtet sich klar an Eltern mit Kindern. Auch Saftis ist ursprünglich von seinen eigenen Kindern inspiriert: „Zu Hause musste ich immer frische Säfte machen – und das wollen wir hier auch.“

Im Mittelpunkt stehen gesunde, frisch gepresste Säfte ohne Zusatzstoffe, die einfach schmecken – wie echter Apfelsaft, bei dem man sofort den Unterschied merkt. Zielgruppe sind eigentlich Familien, aber bisher kommen eher ältere Menschen. Der Fokus bleibt trotzdem: gesund, natürlich, pur.

Andrej – Architekturstudent, Teilzeit-Barchef und Sommermensch bringt frischen Wind ins Konzept: „Ich will keine Pläne zeichnen, ich will geile Drinks für meine Leute machen – und Partys im Gastgarten!“ Andrej hat jüngst den ersten Tepache hergestellt_ ein traditioneller mexikanischer Drink aus fementierter Ananas – auch gesund, aber eben mit Alkohol. 

Saftis hat Potenzial für beides: tagsüber gesund & familienfreundlich – abends cool, urban und ein bisschen wild. Im großen schattigen Gastgarten will Andrej ab dem Sommer Cocktails mit frisch gepresstem Saft servieren – alkoholfrei oder mit Schuss, je nach Laune. Der Antrag auf Alkohollizenz läuft.

„Unsere Cocktails sollen besser sein als anderswo – nicht aus Sirup, sondern mit echtem Saft, frisch gepresst und kreativ gemixt“, sagt Andrej. Dazu gibt’s Bowls, Sandwiches und fermentierte Aufstriche.

Hauptmahlzeit to go

BASTI’S SANDWICH BAR: Ein gutes Sandwich ist die hohe Kunst der Küche: Die Zutaten müssen ausgewogen, das Geschmackserlebnis komplex sein. Ein gutes Sandwich hat mit der Schnitzelsemmel so viel gemein wie handgestreicheltes Sauerteigbrot mit einem Aufbackweckerl. 

In Basti’s Sandwich Bar gelingt das Zusammenspiel der Zutaten zur perfekten Hauptmahlzeit to go – etwa beim Wingi: knusprig frittierte Hühnerstreifen eingelegt in einer süß/scharfen Koreanischen Sauce, Jungzwiebel, Cheddar und Mayo. Oder beim Veggienator – gegrilltes und eingelegtes saisonales Gemüse, mit hausgemachtem Basilikum Pesto, Tomaten Ketchup und Karfiol Creme. Die treibende Kraft hinter den Kreationen sind Inhaber Bastian und Küchenchef Markus.

Bastian (li.) über:

… sich: Ich heiße Bastian Weiler und habe im Mai 2022 meine Selbstständigkeit begonnen. Ich habe im vierten Bezirk eine Immobilie übernommen, ein halbes Jahr lang ein Pop-up betrieben und anschließend rund anderthalb Jahre umgebaut. Seit April 2023 sind wir regulär geöffnet. Davor war ich in der Gastronomie und im Service tätig – aber nicht selbstständig.

Ich bin gebürtiger Wiener, halb Holländer, halb Amerikaner. Mit Ausnahme von vier Jahren in London – von 2009 bis 2014 – habe ich immer in Wien gelebt und gearbeitet.

… das Konzept: Wir bieten hochwertige, frisch zubereitete Sandwiches – mit eigens für uns gebackenem Brot und Zutaten, die wir selbst verarbeiten. Qualität, Regionalität und Saisonalität stehen bei uns im Fokus. Das Angebot ist bewusst klein, aber abwechslungsreich: Jeden Monat bringen wir zwei neue Sandwich-Specials auf die Karte, eines davon immer vegetarisch. Zusätzlich gibt es jedes Quartal eine neue Suppe.

… die Sandwiches: Neben den Specials haben wir drei Standardsandwiches auf der Karte:

  • Wingi: Korean Fried Chicken mit  Jungzwiebel, Gurke, Salat und geschmolzenem Cheddar
  • Lamm: Vier Stunden geschmorte Lammkeule mit Bio—Cheddar-Sauce und Zwiebeln-Chutney
  • Veggienator: Gegrilltes Gemüse und drei hausgemachten Saucen, die wir eigens dafür herstellen

… die Sandwichwahl: Alle sechs Monate veranstalten wir eine Sandwichwahl. Unsere Gäste stimmen ab, welche zwei Specials – eines mit Fleisch, eines vegetarisch – für ein halbes Jahr fix auf die Karte kommen. Wir binden unsere Kund:innen aktiv ins Angebot ein.

… die Kreation: Die Rezepte entstehen gemeinsam mit meinem Küchenchef Markus Stelzer. Wir lassen uns inspirieren – von Klassikern wie Philly Cheesestak,  aber unsere Ambition ist es schon, unseren Produkten einen eigenen Twist zu geben.  Sandwiches sind weltweit verbreitet, jede Kultur hat ihre eigenen Versionen. Die Auswahl an Möglichkeiten ist riesig, manchmal ist es fast schwieriger, sich zu entscheiden als zu erfinden.

… der Antrieb: Meine Motivation ist eine Kombination aus dem Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen, und der Leidenschaft für gutes Essen und ehrlichen Service. Seit ich 2008 mit der Schule fertig wurde, wusste ich, dass ich genau das machen will.

Krokodü mit Glasaugerln

ZUM WIENER WÜRSTL heißt der jüngste Zuwachs im traditionellen Wiener Streetfood-Business, das nicht zuletzt seit der Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe im Jahr 2024 eine Renaissance feiert.

Zur Kundschaft des Standls  in der Mariahilfer Straße zählen neben TouristInnen auch viele Einheimische aus den Büros der Umgebung. Sie schätzen die handverlesene Auswahl und Qualität der Klassiker – von der Käsekrainer bis zur Waldviertler und dem obligaten Fassbier dazu.

Betreiber des „Wiener Würstl“ ist David Abramov, der auch die beiden Baschly-Filialen in Wien betreibt. Wir treffen Mitarbeiterin Victoria, die uns vom prominentesten Wiener Würstel, Glasaugerln und anderem erzählt.

Victoria über:

… sich: Ich heiße Victoria und ich arbeite am Wiener Würstelstand. Ich bin eigentlich Diplomkrankenschwester und habe ein Kosmetikstudio betrieben. Jetzt bin ich hier und liebe meinen Job. Ich arbeite  tagsüber, da haben wir vor allem Mittagsgeschäft. Ursprünglich komme ich aus Russland, lebe aber schon lange in Wien.

… die Würstel: Ich behaupte, unsere Würstel sind die Besten von Wien. Warum? Die Würstel beiziehen wir ausschließlich von heimischen Produzenten wie Radatz, Windisch und XO Beef. Unser Brot und Gebäck kommt von Öfferl und vom Prindl. Wir haben frisch eingelegte Gurkerl, Pfefferoni und Perlzwiebeln. Das Bier von Ottakringer und Budweiser kommt vom Fass. Außerdem haben wir verschiedene regionale Weine im Angebot, zum Beispiel vom Bründlmayer.

… die Käsekrainer-Kombi: Das Lieblingsprodukt ist die Käsekrainer, das kennen und bestellen auch Tourist:innen. Wiener:innen essen sie vor allem mit süßem Senf und schwarzem Brot. Tourist:innen kennen diese Kombination nicht. Wir haben auch Kund:innen, die noch ein Süßwasser- oder Salzwasser-Krokodü und Glasaugerln dazu bestellen, also in Essig oder Salzlake eingelegte Gurkerl und Perlzwiebel. Nur Oaschpfeiferl sagt heute niemand mehr zur Pfefferoni.

Mezzogiorno

SICIL.EAT: Dass in Wien der Balkan beginnt, ist so bekannt wie überholt. Zum Glück rückt auch Süditalien kulinarisch immer näher. Wiens Mezziogiorno reicht von der Brigittenau (Monte Ofelio) über Alsergrund (Fratelli Valentino, Casa Borbone) bis in die Josefstadt (Mi fa Cori). 

Direkt an der Alser Straße vertreiben die Brüder Marco und Roberto seit 2024 Produkte aus ihrer sizilianischen Heimatstadt Ribera. Und Ribera steht vor allem für Orangen – für „Oida-äh-Madonna-die-schmecken-wie-früher!“- Orangen. Deshalb sind Ribera-Orangen auch geographisch geschützt. Geerntet werden sie vom Cousin, der auch die Caponata im Glas liefert, ein sizilianisches Gericht auf Auberginen-Basis. Das Bio-Olivenöl produziert die Familie. Und alle anderen Produkte sind von kleinen Betrieben aus Sizilien.

 

Marco (re.) über…

… sich: Wir sind die Brüder Marco und Roberto. Wir kommen aus der Orangenstadt Ribera in Sizilien. Ich bin 2010 zum Schüleraustausch nach Eisenstadt gekommen und anschließend zum Studieren nach Wien gegangen. Wir wollten aber schon lange ein Geschäft mit Produkten aus unserer Heimat aufmachen. Also habe ich Roberto in London angerufen, wohin es ihn verschlagen hatte, und er war sofort dabei. 2024 haben wir schließlich SicilEat in der Alser Straße eröffnet.  

… die Orangen: Unsere Orangen aus Ribera haben eine einzigartige fruchtige Süße mit zitroniger Grundnote und schmecken sehr ausgewogen. Es sind die einzigen italienischen Orangen mit geschützter Ursprungskennzeichnung. Die Sorte heißt Washington Navel und kommt ursprünglich aus den USA. Dort gibt es sie aber schon lange nicht mehr. In Italien sind Orangen aus Ribera sehr bekannt und stehen für Qualität. Ich glaube, wir sind die einzigen, die sie in Österreich verkaufen. 

… die Produkte: Alle Produkte im sicil eat kommen von kleinen sizilianischen Betrieben, deren Inhaber wir persönlich kennen.Die Orangen beziehen wir von unserem Cousin. Er produziert aber auch andere Spezialitäten wie unsere Caponata, eine typische sizilianische Vorspeise, mit Auberginen, Zwiebel, Olivenöl und unterschiedlichen anderen Gemüsesorten. Die Caponata essen wir warm oder kalt, einfach so oder auf Brot.

… mehr Produkte: Auch unsere Bio-Marmeladen mit 75 Prozent Fruchtanteil produziert unser Cousin. Das Olivenöl produziert unsere Familie. Wir haben auch Pistaziencreme mit Pistazien aus Bronte, unser Arancello und Pasticchiello – also Orangen- und Pistazienlikör – kommt aus Ribera. Zu Ostern bieten wir Colomba an, das ist handgemachter Panettone in der typischen Taubenform, Colomba heißt Taube. 

… noch mehr Produkte: Wir haben auch Bio-Pasta, seit kurzem glutenfrei. In Italien gibt es mehr solcher Produkte, weil dort das Thema Intoleranz viel größer ist. Der Grillo ist unser bekanntester Weißwein, wir haben Spezialitäten wie Nero d’Avola Rosé und Spumante aus Sizilien.

Essstation Sehnsucht

Arancini, das sind knusprig frittierte sizilianische Reisbällchen mit herzhafter Füllung. Giorgia bietet diese und vielen andere Spezialitäten aus ihrer Heimat an. Ihr Lokal heißt Mi fa Cori, ein typisch sizilianischer Ausdruck, der für tiefe Sehnsucht steht: nach Essen, nach Heimat oder nach geliebten Menschen.

„Meine Großmutter sagt oft zu mir Mi fa cori di vederti – ich habe Sehnsucht, dich zu sehen“, erzählt Giorgia. Diese Erinnerung war für sie der Ausgangspunkt, um ihrer kleinen Bar diesen Namen zu geben.

Giorgia über…

… sich Ich bin in Sizilien geboren und aufgewachsen – meine Mutter ist Österreicherin, ich kenne also beide Kulturen gut. Nach sieben Jahren in Norditalien bin ich vor vier Jahren nach Wien gekommen. Im Winter 2024 habe ich hier das Mi fa Cori eröffnet – als Herzensprojekt, mit dem ich meine sizilianische Kultur und meine kulinarischen Wurzeln weiterleben lasse. Bei uns ist wirklich alles aus Sizilien – außer Wasser und Milch.

… das Konzept: Mi fa Cori ist wie die Bars, die es in Sizilien an jeder Ecke gibt: schnell, unkompliziert, gut. Du bekommst hier echten Caffè al banco – also Kaffee im Stehen – genauso wie traditionelles Streetfood: Arancino, Panzerotto direkt aus der Wärmetheke oder auch süße Dolci an. Alles kann man für zuhause oder auch für Partys mitnehmen. Für Caterings bieten wir viele unserer Produkte auch als „Minions“ – also in Mini-Version – an.

… die Produkte: Unsere Spezialität sind Arancini in vielen Varianten. Wir haben auch Cannoli, eine typische sizilianische Waffelröllchen-Spezialität mit Ricottafüllung – mittlerweile fast international bekannt. Und wir haben unsere Brontella, eine Eigenkreation unserer Patisserie mit den berühmten Pistazien aus Bronte. In Italien bevorzugen wir ein süßes Frühstück – -mit Gebäck wie Cornetti und Treccine mit diversen Füllungen nach Wahl, unter anderem auch mit unserer Pistaziencreme. Außerdem führen wir ausgewählte Produkte wie sizilianischen Kaffee, eingelegte Artischocken, Oliven und mehr – alles zum Mitnehmen, alles aus Sizilien.

… ihre Gäste: Ich habe viele StammkundInnen aus der Nachbarschaft. Sie kommen auf einen schnellen Kaffee vorbei oder einfach zum Plaudern. Viele interessieren sich für meine Geschichte, das freut mich sehr. Natürlich habe ich auch viele italienische Gäste. Auch wenn wir noch recht jung sind, bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Mein Ziel ist es nicht, jeden Tag ausgebucht zu sein – sondern mein Land und seine Spezialitäten authentisch in Wien zu zeigen. Dazu gehören Arancini, tavola calda – also warme Imbissspeisen – und im Sommer unser sizilianisches Frühstück: Granita con brioche. Das alles macht für mich Mi fa Cori aus.

Heiß & Herzhaft

FISH & CHIPS BISTRO: Auf der britischen Insel werden Fish&Chips ähnlich wertgeschätzt wie hierzulande Würstel: Der Trend geht wieder zu herzhaft und traditionelles Streetfood erlebt ein Revival. Deshalb wundert’s, dass die panierten Fischstücke in Wien bislang vor allem in Pubs anzutreffen waren.

Im Fish&Chips Bistro im 9. Bezirk bieten Mike und Oliver frittierten Kabeljau jetzt auch als Mittagsgericht an. Am Teig wurde lange herumgetüftelt und ja, er ist wirklich dünn und hält den Fisch saftig. Die Chips, also Pommes, sind hingegen schön cross, dazu gibt es Mayo oder Vinegar aus UK. Wer es nachhaltiger haben will, gönnt sich die vegane Variante mit Tofu. 

Mike über…

… sich: Ich bin der Mike und komme aus dem Burgenland. Ursprünglich bin ich aus der Türkei und seit 1992 in Österreich. Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich in der Gastro und habe alle möglichen Stationen absolviert – vom Sterne-Hotel bis zum Food Trailer.

… das Konzept: Die Seeteufel, das sind Oliver und ich, haben 2017 mit einem Food Trailer begonnen. Oliver hatte die Idee mit dem Trailer, er ist gelernter Koch und in der Welt herumgekommen. Am Trailer gab’s alle möglichen Meeresprodukte, aber unsere Fish&Chips gingen weg wie die warmen Semmeln. Deshalb haben wir beschlossen, einen fixen Standort in Wien zu eröffnen, ein Fish&Chips-Lokal. 

… die Produkte: Der Fisch ist Kabeljau aus dänischem Wildfang. Großen Wert haben wir auf den Backteig gelegt, an dem hat Oliver lange herumgetüftelt. Er ist knusprig, besonders dünn und hält den Fisch trotzdem saftig. Wir haben auch eine vegane Variante mit Tofu, der mit einem Nori-Algenblatt umwickelt ist. Wir haben Fischsuppe und Fisch-Burger im Angebot. Und eine kleine, feine Auswahl an Feinkost-Produkten wie Vinegar aus Great Britain.

Tschikas, al kanal!

Weil sie gerne kochen und die Gastro lieben, haben Tobias und zwei Kollegen 2023 das TSCHAK am Donaukanal eröffnet. Seit 2023 gibt es dort Fusion Tacos und Tapas mit Fermentiertem wie Chipotle Kraut oder Schwarzbohnen.

tschak steht übrigens für „(ts)chikas, al kanal!“. Also, Auf zum Kanal! Zumal das tschak vom Hochwasser zum Glück verschont geblieben ist.

Tobias über…

…sich: Ich habe die Tourismus-Fachschule gemacht und habe immer wieder in der Gastro gearbeitet, später im Tourismus. Ich hatte aber immer schon eine Passion für Essen und Trinken, habe die Sommelier-Ausbildung und bin ein großer Wein-Freund. Und ich koche und experimentiere mit Leidenschaft.

… das Konzept: Wir produzieren hochwertiges, selbstgemachtes Essen und Trinken. Im tschak am Donaukanal haben wir experimentelle Tacos und Tapas mit fermentierten Gemüse. Dafür habe ich zwei Sauerkraut-Töpfe, mit denen ich arbeite. Hier im tschak mak im 9.Bezirk dreht sich alles um Sandwiches.

… die Produkte: Am Kanal machen wir Fusion Tacos wie „Ohne Cici“ mit Curtido Chipotle Kraut, Cevape und Ajvar oder „Thai Oase“ mit Gurkenrelish, Thai Chorizo und Salz Karamell. 

… artisan: Ich probiere ständig etwas Neues aus und mache etwa neben eigenen Seitan auch  Tempeh. Unser Brot für die Sandwiches backen wir mittlerweile selbst, mit Sauerteig-Anteil und normaler Hefe. Ich bin generell von Fermentiertem in allen Farben und Formen überzeugt, deshalb auch der Sauerteig. 

… die Getränke: Wir haben hier viele Natur- und naturnahe Weine, darunter auch klassische Demeter-Weine. Wir haben verschiedene Sirupe, die wir selber machen und mit ausgewählten Spirituosen mixen.