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Autor: Stefan Knoll

Duck Tales

Im Jänner 2025 hat Barista Kenan Yilmaz den DUCKS COFFEE SHOP in der Grazer Raubergasse übernommen. Kenan ist kein Mensch großer Worte und lässt sich auch nicht gerne fotografieren (das Foto ist von einer Mitarbeiterin). Er macht lieber Kaffee: Serviert wird er aus der Espressomaschine, dem Filter oder auf türkische Art, auf Wunsch auch mit Hafermilch oder als Iced Coffee.

Dazu gibt es Tee aus dem Samowar, Matcha, Green Smoothies, hausgemachte Limonaden, Frühstück, Mehlspeisen und warme Snacks. Im Falstaff Café Guide 2026 kommt das Ducks damit auf 90 Punkte – davon 37 von 40 für den Kaffee! (Falstaff)

Kenan über …

seinen Weg: Ich arbeite gerne mit Menschen und mag ein freundliches, lebendiges Umfeld. Im Jänner 2025 habe ich das Ducks mit großer Freude und viel Liebe übernommen.

sein Konzept: Kaffee, Kuchen und Snacks in guter Qualität.

die Gastronomie: Sie ist einfach meine Stärke.

sein Motto: Healthy and tasty.

Bangkok mon à Mur

Mit dem BANGKOK VIBES hat Aubed Jusuf im Herbst 2025 ein Stück Bangkok in die Grazer Hans-Sachs-Gasse gebracht. Neu in der Gastronomie ist er allerdings nicht: Bereits seit 2009 arbeitet Aubed in der Branche. 2013 begann er mit einem kleinen Imbiss, aus dem später das Easy Asia am Griesplatz entstand.

Im Bangkok Vibes setzt Aubed auf klassische thailändische Gerichte, original thailändische Produkte sowie Fleisch und Gemüse aus Österreich. Die Karte reicht von hausgemachten Thai- und Sommerrollen, Gai Sate und Suppen bis zu Som Tam Thai, Pad Thai, gebratenen Reis- und Nudelgerichten sowie mehreren Currys.

Aubed über …

seinen Weg: Ich bin seit 2009 in der Gastronomie tätig. 2013 haben wir mit einem kleinen Imbiss begonnen, später entstand daraus Easy Asia. Heute führe ich Bangkok Vibes in der Grazer Innenstadt und setze dort den Schwerpunkt auf authentische thailändische Küche.

den Namen: Bangkok Vibes soll ein Stück Bangkok nach Graz bringen – mit authentischer thailändischer Küche und einer entspannten Atmosphäre.

sein Konzept: Wir kochen klassische thailändische Gerichte mit original thailändischen Produkten und verwenden auch Fleisch und Gemüse aus Österreich. Neben dem Restaurant bieten wir Platz für Gruppen, Feiern und Veranstaltungen.

das Wirtsleben: Ich bin schon lange in der Gastronomie und arbeite gerne mit Menschen. Mir ist wichtig, dass sich die Gäste bei uns wohlfühlen, gutes authentisches Essen bekommen und gerne wiederkommen.

seine Signature Dishes: Unsere thailändischen Currys stehen besonders für unser Konzept: aromatisch, frisch zubereitet und typisch für die thailändische Küche.

Taste & Flow

Kombinieren ist beim Essen so eine Sache. Richtiges Pairing verlangt viel Erfahrung. Im TAFLO haben sie die. Deshalb werden dann zum Beispiel Rindfleisch und Cheddar mit Tiki-Dip kombiniert. Oder Shiitake und Tomate als veganes Burger-Patty oder Karotten-Laxx mit Avocado und Erdnuss-Dip.

Hinter dem TAFLO stecken Tanja und Florian. Tanja war rund zehn Jahre in der Hotellerie tätig und verantwortete als Führungskraft drei Hotels sowie das Marketing. Florian sammelte internationale Gastro-Erfahrung. Jetzt machen die beiden eben Soulfood, ziemlich erfolgreich. Neben dem Lokal in Graz gibt es auch das Stammlokal in Bruck an der Mur. Das Motto beider Locations: Taste & Flow.

Tanja und Florian über …

den Namen: TAFLO ist ursprünglich aus unseren beiden Vornamen Tanja und Florian entstanden. Mit der Zeit bekam der Name noch eine zweite Bedeutung: „Taste & Flow“. Taste steht für guten Geschmack und unsere Leidenschaft für gutes Essen. Flow bedeutet für uns Leichtigkeit, Weiterentwicklung und immer in Bewegung zu bleiben.

ihre unterschiedlichen Wege: Wir bringen beide langjährige Erfahrung aus der Gastronomie mit, haben aber ganz unterschiedliche berufliche Hintergründe. Dadurch ergänzen wir uns in vielen Bereichen sehr gut. Die gemeinsame Idee war, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen für eine Weile aus dem Alltag aussteigen, gut essen und eine schöne Zeit miteinander verbringen können.

ihr Konzept: Bei TAFLO treffen frische Zutaten und modernes Soulfood wie Burger, Bagels und Bowls.  auf kreative Drinks und ein außergewöhnliches Ambiente. Wir verzichten bewusst auf eine Fritteuse. Unser Anspruch ist nicht, einfach nur Essen zu servieren, sondern unseren Gästen eine kleine Auszeit vom Alltag zu bieten.

…die Küche: Uns gefällt es, Bekanntes neu zu kombinieren – zum Beispiel Rindfleisch und Cheddar mit Tiki-Dip, Shiitake und Tomate als veganes Burger-Patty oder Karotten-Laxx mit Avocado und Erdnuss-Dip in einer Bowl. Dazu kommen Wraps, kreative Drinks und Süßes wie Brownies oder Cookies.

das Gastgebersein: Gastronomie bedeutet für uns viel mehr als gutes Essen. Es geht um Atmosphäre, Begegnungen und um das Gefühl, gerne wiederkommen zu wollen. Genau so einen Ort wollten wir mit unserer eigenen Handschrift schaffen.

ihre Signature: Einen klassischen Signature Dish haben wir ganz bewusst nicht. TAFLO soll nicht über ein einzelnes Gericht oder nur über Burger, Bowls oder Bagels definiert werden. Unsere Karte darf sich verändern und weiterentwickeln. In Erinnerung bleiben soll vielmehr das Gefühl: Das war typisch TAFLO.

Lieblingsessen

Im ALBAIK im Grazer Gries-Viertel dreht sich alles um authentische syrische Küche: Neben Klassikern wie Schawarma, Spezialitäten vom Grill und knuspriges Fried Chicken gibt es auch vegane Klassiker wie Baba Ganoush, Foul, Fateh oder hausgemachtes Hummus und Falafel.

Wirt Christian hätte eigentlich Arzt werden sollen. Stattdessen macht sich der Grazer mit syrischen Wurzeln zunächst in der Studienstadt Innsbruck gastronomisch selbstständig, später eben in Graz. Warum? Weil er seinen Gästen das Essen seiner Kindheit vermitteln möchte. Verstehen wir!

Christian über …

seinen Weg: Ich habe Medizin studiert, das Studium aber nicht abgeschlossen. Stattdessen machte ich mich in Innsbruck selbstständig. Später übersiedelte ich nach Graz und gründete dort zunächst das Restaurant Ali Baba und danach das ALBAIK.

das Konzept: Im Mittelpunkt steht authentische syrische Küche. Wir servieren Schawarma, gegrillte Spezialitäten und knuspriges Fried Chicken. Unser großes Plus ist aber auch die breite vegane Auswahl. Syrische Aromen schmecken schließlich ganz ohne Fleisch hervorragend – zum Beispiel in Hummus, Falafel oder Baba Ganoush.

seinen Antrieb: Mich begeistert gutes Essen. Ich wollte den Menschen in Österreich die syrische Küche vorstellen und ihnen die Gelegenheit geben, ihre Vielfalt zu entdecken.

seine Signature Dishes: Unsere hausgemachten Falafel und das traditionelle Fateh erzählen meine syrische Geschichte. Beide stehen für ehrliche, handgemachte Küche und viel Liebe zum Original.

die Kostprobe: Bei der Tour gibt es warme, frisch zubereitete Falafel. Sie werden à la minute gemacht.

Würstler:in

Mike Lanner ist in Wien eine sichere Bank für Projekte, wo zunächst alle den Kopf schütteln. Der WIENER WÜRSTELSTAND ist auch so eines: Bio-Imbiss, Musiklocation und gesellschaftliches Experiment zugleich. 2019 aus einer „Schnapsidee“ geboren und umgesetzt – lange vor der Renaissance als Weltkulturerbe. Zunächst übernimmt Mike als selbst ernannte Würstler:in den ersten Stand in der Pfeilgasse. 2023 kommt der zweite Standort bei der U4-Station Spittelau dazu. Dort wird inzwischen an bis zu fünf Abenden pro Woche aufgelegt oder live gespielt.

Auch bei der Wurst geht Mike weiter als andere: Das Bio-Fleisch kommt direkt von zwei Bauern, darunter der Schreckbauer aus Mikes Salzburger Heimat. Von Anfang an dabei: das vegane Bio-Austernpilzwürstel, gemeinsam mit den Wiener Stadtbauern von Hut & Stiel entwickelt. Es steckt unter anderem in der veganen Bosna, die längst zu den beliebtesten Produkten zählt.

Ziel war und ist es, den „hypermaskulinen Schweinefleischpalast“ von einst für Menschen zu öffnen, die sich dort bisher nicht willkommen fühlten – mit veganen Angeboten, FLINTA-Acts und Awareness-Arbeit.

Mike über…

… sich: Mein Name ist Mike Lanner und ich bin Würstlerin in erster Generation. Ich bin gebürtiger Salzburger, zum Studieren nach Wien gekommen und hier hängengeblieben. Ich bin seit über 20 Jahren selbstständig und habe schon alles Mögliche gemacht. Seit 2019 bin ich Würstler:in.

… seine Vorgeschichte: Was sich durch meine unternehmerischen Tätigkeiten zieht, ist eine ökosoziale Tangente. Ich habe davor Gebrüder Stitch gemacht, Bio-Jeans „made in Vienna“. Im Zuge dessen haben wir auch die Vollpension gegründet, bei der es darum geht, pensionierten Frauen sinnstiftende Tätigkeiten zu geben. Und ich habe Zum Gschupftn Ferdl betrieben, einen Bio-Bobo-Heurigen mit Musik. Diese Kombination aus guten Speisen und Getränken, Musik und dem Zusammensitzen mit Leuten, die man nicht kennt, hat mir immer gefallen.

… das Ende seiner ersten Gastro-Karriere: 2016 hatte ich ein Burnout und habe zwei Jahre gar nichts gemacht. Danach war mir klar, dass ich wieder selbstständig sein möchte. Gleichzeitig hatte ich mir geschworen: nie wieder Gastro. Beim Gschupftn Ferdl ist oben viel Geld reingepurzelt und unten nichts mehr rausgekommen. Ich hatte mir den eingebrockt und wollte ihn ausbauen. Daran bin ich mental fast zerbrochen.

… die Schnapsidee: Zwei Jahre später habe ich darüber nachgedacht, dass es immer weniger Würstelstände gibt und das eigentlich niemanden interessiert. Gleichzeitig ist der Würstelstand ein niederschwelliger, barrierefreier Platz im öffentlichen Raum. Das finde ich cool. Dazu kam noch die Bio-Tangente. Ich habe meinem Freund Stevie Sengl davon erzählt, und wir haben gegoogelt, wo man einen Würstelstand kaufen kann.

… den ersten Stand: Wir haben den Vorbesitzer in der Pfeilgasse getroffen, und zwei Monate später hat uns der Würstelstand gehört. Ursprünglich wollten wir nur die Marke und das Sortiment entwickeln und uns um die Lieferantinnen kümmern. Eine Gastronomin sollte den Stand für uns betreiben. Wir haben aber niemanden gefunden. Irgendwann habe ich gesagt: Ich werde jetzt für sechs Monate Würstlerin, sperre den Stand auf und schaue, wie es geht. Jetzt sind mehr als sechs Jahre vergangen.

… seine Würstel: Wir haben drei Jahre lang versucht, Würstel nach dem Motto „Weniger ist mehr“ zu produzieren. Es sollten nur Gewürze, Salz, Wasser und Fleisch drinnen sein und sonst nichts. Wenn du dir im Supermarkt ein Wurstpackerl anschaust, findest du oft mehrere E-Nummern, Zucker, Nitrit, Phosphat und alles Mögliche. Wir waren schon immer biozertifiziert, wollten aber noch eines draufsetzen. Daran haben wir wirklich drei Jahre lang herumgeschissen. Alle Fleischer haben gesagt, das geht nicht.

… die Fleischproduzenten: Am Ende sind wir in der Wertschöpfungskette immer weiter nach vorne gegangen und haben begonnen, selbst wursten zu lassen. Heute haben wir nur noch zwei Fleischlieferanten. Das sind Bauern und Bio-Fleischproduzenten, die sehr konsequent arbeiten, mit Schweinemast auf der grünen Wiese, eigener Zucht und eigenem Futteranbau. Der eine ist unser Bio-Saubauer Andreas Seiser aus Ternitz. Der Schreckbauer aus Bischofshofen macht unter anderem Rind, Bio-Wagyu, Pute und Lamm.

… kantige Ideen: Ich brauche Projekte, bei denen sich die Leute an den Kopf greifen und sagen: Das ist völlig gestört. Bei Gebrüder Stitch war es genauso. Zu einer Zeit, in der die Textilindustrie längst aus Österreich abgewandert war, haben wir gesagt: Nein, wir produzieren nachhaltige Jeans in Wien. Beim Würstelstand war mir Bio irgendwann auch nicht mehr genug. Dann kam das vegane Thema dazu, und inzwischen beschäftigen wir uns besonders intensiv mit sozialen Fragen.

… den hypermaskulinen Schweinefleischpalast: Wir stecken viel Energie in die sozialen Aspekte und wollen möglichst vielen Menschen das Gefühl geben, dass sie am Wiener Würstelstand willkommen sind. Das bedeutet, ein Stück weit wegzugehen vom hypermaskulinen Schweinefleischpalast und den Würstelstand für andere Menschen zu öffnen. Wir haben ein FLINTA*-Musikfestival gemacht und arbeiten an weiteren Formaten. Wir wollen Menschen hierherbringen, die sich an einem klassischen Würstelstand sonst nicht unbedingt wohlfühlen.

… Safer Spaces: Safe Space würde ich nicht sagen. Wir sind bestenfalls ein Safer Space. Aber wir bemühen uns und beschäftigen uns mit Awareness-Themen. Bei großen Veranstaltungen gibt es Menschen, die sich um Erste Hilfe, Konflikte oder Situationen kümmern, die für jemanden unangenehm sind. Trotzdem passiert auch bei uns immer wieder etwas, das wir im Nachhinein besprechen müssen. Dann geht es darum, daraus zu lernen und auch zu sagen: Sorry, wir hätten in dieser Situation mehr tun können.

… eine besondere Rückmeldung: Eine Transperson war einmal eine ganze Nacht bei uns und hat nachher gesagt, dass es für sie sonst nie eine Option gewesen wäre, nachts zu einem Würstelstand zu gehen. Als Transperson macht man dort regelmäßig Gewalterfahrungen. Das muss nicht immer körperliche Gewalt sein, oft sind es zumindest depperte Sprüche. Solche Rückmeldungen zeigen uns, warum es wichtig ist, den Würstelstand bewusst zu öffnen.

… die Spittelau: Als wir 2023 aufgesperrt haben, war das hier ein Nicht-Ort: viel Beton, wenig Grün, dazu der Geruch von der Fernwärme und den Müllautos. Ich hatte trotzdem die Hoffnung, dass daraus eine Location werden kann, an der man feiern kann – ein Partywürstelstand. Gerade weil es keine direkten Nachbarinnen gibt.

… das ausbleibende Scheppern: Ich habe mir gedacht: Wir haben ein Produkt, das funktioniert, ein Klientel und eine Marke. Wir sperren hier auf, erzählen den Leuten davon, und dann scheppert es. Aber dieses Scheppern hat lange nicht stattgefunden. Die Leute sind mit Scheuklappen an uns vorbeigelaufen, und ich habe neidisch zum chinesischen Nudel- und Sushi-Stand nebenan geschaut, weil dort viel mehr los war.

… Radlgruppen und Musik: Ich habe irgendwann jeden Radlshop und jeden Radlverein in Wien angeschrieben und Spezialangebote gemacht. Das ist nichts, was von heute auf morgen funktioniert, sondern über die Zeit wächst. Genauso war es mit Live-Musik und DJ-Sets. Ich kannte die junge, alternative Wiener Musikszene nicht. Wir haben viel Energie hineingesteckt, Leute zu finden, die gesagt haben: Cool, dort spiele ich.

… den Würstelstand als Eventlocation: Mittlerweile gibt es im Sommer an bis zu fünf Abenden pro Woche DJ- oder Live-Musik-Programm. Im Winter machen wir freitags und samstags eine Art Outdoor-Rave. Wir sind wahrscheinlich ein bisschen mit dem B72 oder dem Chelsea vergleichbar. Tagsüber plätschert das Geschäft oft dahin. Abends stehen wir plötzlich zu fünft drinnen, drei oder vier Stunden lang scheppert es, und danach wird wieder abgebaut. Dieses Eventgeschäft trägt den Standort inzwischen.

… das wirtschaftliche Risiko: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Beim Stand in der Spittelau ist der Knopf mittlerweile aufgegangen, aber davor haben wir drei Jahre lang Geld verbrannt. Obwohl sich das Geschäft heuer sehr gut entwickelt hat, sind wir liquiditätsmäßig noch immer schlecht aufgestellt. Ich würde nicht sagen, dass wir schon über den Berg sind. Ich habe immer daran geglaubt, dass dieser Standort mehr Potenzial hat als die Pfeilgasse. Wir mussten es nur aussitzen. Heuer hat es angefangen zu scheppern.

… die Arbeit am Stand: Wenn jemand kurzfristig krank wird oder wir personell knapp sind, stehe ich selbst drinnen. Das macht mir Spaß und ist wichtig, weil wir ein großes Team haben, in dem viele nur zehn bis 15 Stunden pro Woche arbeiten. Teamführung und interne Kommunikation sind eine echte Herausforderung. Da hilft es total, wenn man selbst am Stand steht und weiß, was Sache ist.

Fülle & Hülle

Auf den ersten Blick ist das DO&MI in der Neustiftgasse nur ein weiteres kleines Wok-Lokal für Sushi, Maki, und verschiedene asiatische Vorspeisen wie Gyoza oder Edamame – mit vielen Bildschirmen und bunten Bildchen. Doch Inhaberin  Zhu Xu hat daraus fast ein kleines Grätzl-Treff gemacht.

Seit November 2025 kocht die frühere Lehrerin Gerichte aus ihrer Heimatstadt in China. Ihre Gäste sind Schüler:innen, Menschen aus den umliegenden Büros und Nachbar:innen. Zhu freut das besonders: Sie kocht leidenschaftlich gerne – und möchte vor allem, dass es ihren Gästen schmeckt.

Zhu über …

DO&MI: Das Lokal gibt es seit November 2025. Am Anfang waren noch weniger Leute da, inzwischen kommen viele Schüler:innen, Mitarbeiter:innen aus der Umgebung und freundliche Nachbar:innen. Es wird immer besser. Wir möchten jetzt erst einmal hierbleiben und keine weiteren Lokale eröffnen.

ihre Küche: Ich koche chinesische und asiatische Gerichte, viele davon aus meiner Heimatstadt in China. Ich kann hier interessante Gerichte zubereiten und dafür sorgen, dass sie gut schmecken. Ich liebe diese Arbeit und gehe jeden Tag gerne ins Lokal.

ihren Weg nach Wien: Ich lebe seit sieben Jahren in Wien, mein Mann schon seit rund 20 Jahren. Kennengelernt haben wir uns aber bereits in unserer Heimatstadt in China.

ihre frühere Arbeit: Bevor ich nach Wien gekommen bin, war ich in China Chinesischlehrerin. Ich mag Kinder und habe gerne jeden Tag mit ihnen gelernt und gespielt.

ihre Familie: Unsere beiden Kinder sind in Wien geboren und sprechen vor allem Deutsch. Zu Hause versuchen wir, mit ihnen auch ein bisschen Chinesisch zu sprechen. Zwei Sprachen zu können, ist schließlich etwas Schönes.

Dreierlei Sichuan mit Scharf

Mit dem Chili & Pfeffer, dem Chili & Pepper Hotpot und dem Sichuan Ravioli betreibt Nan Du gemeinsam mit seinem Partner mittlerweile drei Lokale in Wien. Jedes davon zeigt eine andere Seite der Küche Sichuans: klassische Gerichte, gemeinsames Kochen am Hotpot und handgemachtes Streetfood.

Was sie verbindet, ist die Balance aus Chili, Sichuanpfeffer und vielen weiteren Gewürzen. Denn Sichuan-Küche soll intensiv schmecken, sagt Nan Du – aber nicht einfach nur scharf sein.

Chili & Pfeffer: der Klassiker

Den Anfang machte das Chili & Pfeffer in der Schottenfeldgasse. Hier stehen unterschiedliche Gerichte aus Sichuan im Mittelpunkt, deren Schärfe auf Wunsch angepasst werden kann. Chili kommt dabei nicht nur frisch oder getrocknet zum Einsatz, sondern auch fermentiert und in hausgemachten Saucen.

Nan Du achtet zugleich auf die Qualität der Grundprodukte. Die Feldgurken für den beliebten Gurkensalat bezieht er etwa von einem Bauern aus dem Burgenland: morgens geliefert, mittags bereits im Lokal.

Chili & Pepper Hotpot: gemeinsam am Tisch

Im Chili & Pepper Hotpot in der Burggasse wird seit 2023 direkt am Tisch gekocht. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Fleischsorten, Gemüse und Tofu, die nach und nach in der würzigen Brühe landen.

Für Nan Du ist Hotpot weit mehr als ein Gericht. In China gehört er zum gemeinsamen Essen mit Familie und Freund:innen: Man sitzt lange zusammen, teilt und bereitet sich genau das zu, worauf man gerade Lust hat. Dieses Familiengefühl möchte er auch in Wien vermitteln.

Als Erweiterung ist ab Oktober zusätzlich chinesisches Tisch-Barbecue geplant. Die dafür notwendigen Abzüge sind bereits direkt bei den Tischen eingebaut.

Sichuan Ravioli: Streetfood beim Naschmarkt

Das jüngste der drei Lokale ist das Sichuan Ravioli an der Rechten Wienzeile. Hier dreht sich seit 2025 vieles um handgemachte chinesische „Ravioli“: dünne Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen, serviert in Suppe oder mit verschiedenen Saucen.

Dazu kommen hausgemachte Nudeln und eine kleine Auswahl kalter Vorspeisen. Die Idee dahinter ist bewusst unkompliziert: traditionelles Streetfood aus Sichuan, frisch zubereitet und mitten in Wien.

Nan Du über …

seinen Weg: Ich bin 2004 nach Wien gekommen und habe an der WU studiert. Danach habe ich in verschiedenen Gastronomiebetrieben gearbeitet und viel Erfahrung gesammelt. Irgendwann habe ich gemeinsam mit meinem Partner das Chili & Pfeffer eröffnet. Heute sind es drei Lokale.

die Sichuan-Küche: Chili und Sichuanpfeffer sind zwei sehr wichtige Gewürze. Aber es geht nicht darum, dass ein Gericht einfach nur scharf ist. Die verschiedenen Gewürze und Saucen müssen eine gute Balance ergeben.

gemeinsames Essen: In meiner Familie saßen früher oft mehr als 20 Menschen gemeinsam am Tisch – mit Tanten, Großeltern und Kindern. Dieses Familiengefühl ist für mich bis heute sehr wichtig. Beim Hotpot kann man genau das erleben: Alle sitzen zusammen und teilen das Essen.

drei Lokale: Schon ein Lokal bedeutet viel Arbeit. Bei drei Lokalen muss ich mich um Buchhaltung, Kontrollen, Reparaturen, Personal und den Service kümmern. Mein Partner ist vor allem für die Küchen verantwortlich. Trotzdem sind wir beide fast jeden Tag in mehreren Lokalen unterwegs.

österreichisches Frühstück: Ich liebe ein großes österreichisches Frühstück mit verschiedenen Broten, Käse, Marmelade, Schinken und Spiegelei. Der ganze Tisch ist vollgestellt – eigentlich ist das dem gemeinsamen Essen in China gar nicht so unähnlich.

Beirut Bites

Das YALLA – THE BITE OF BEIRUT ist ein Familienbetrieb mit Wurzeln im Libanon und in Syrien – und einer Geschichte, die viel früher beginnt als das Lokal selbst. Betreiber Dieno führt es gemeinsam mit seiner Schwester, seine Nichten unterstützen ihn. Die Idee stammt von Onkel Elias, ein Nachbar, der in Dienos Kindheit in Beirut ein kleines, äußerst beliebtes Lokal mit einem ähnlichen Konzept betrieben hat.

Auf der Karte ist der überwiegende Teil vegan oder vegetarisch, Fleisch spielt nur eine Nebenrolle. Besonders stolz ist Dieno auf die Falafel – auch er glaubt natürlich, sie seien die besten der Stadt:) Angerichtet wird am liebsten auf Tellern statt in Bowls: Das Essen soll nicht nur gut schmecken, sondern auch gut aussehen. Wenn Gäste beim Servieren „Wow“ sagen und erst einmal ein Foto machen, ist Dieno zufrieden. Er selbst lässt sich weniger gerne fotografieren. Deshalb ist hier Dienos Nichte im Bild.

Dieno über…

… sich: Ich habe International Business studiert und mich danach viel beworben. Irgendwann habe ich beschlossen, mich selbstständig zu machen. Ich koche sehr gerne, bin dabei kreativ und habe an dieses Konzept geglaubt. Deshalb ist aus der Idee schließlich ein eigenes Lokal geworden.

Onkel Elias: Das Konzept kommt von unseren Nachbarn Elias. Er hatte in Beirut ein ganz kleines Lokal, das dort sehr bekannt und beliebt war. Als Kinder waren wir oft bei ihm, wir haben ihn Onkel genannt, haben Essen geholt und mit nach Hause genommen.

Diese Erinnerung ist mir geblieben. Deshalb habe ich mich auch bei meinem eigenen Lokal an seinem Konzept orientiert.

… die Familie: Hauptsächlich arbeiten meine Schwester und ich gemeinsam im Lokal. Eine meiner Nichten hilft gelegentlich mit, eine andere kümmert sich um Social Media.

Mit meiner Schwester funktioniert die Zusammenarbeit gut. Ich kenne sie, vertraue ihr und schätze ihr Know-how sehr. Wir haben beim Essen und beim Konzept einen sehr ähnlichen Geschmack.

… seine Schwester: Meine Schwester war früher auch als Interior Designerin tätig. Jetzt arbeitet sie mit mir im Lokal. Wir teilen uns die Arbeit – es ist nicht so, dass einer nur in der Küche und der andere nur draußen ist.

… das Essen: Rund 90 Prozent unseres Angebots sind vegan oder vegetarisch, nur ein kleiner Teil ist mit Fleisch. Uns ist wichtig, alles mit viel Liebe zuzubereiten und uns wirklich Mühe zu geben.

Manche Gäste möchten ihr Essen als Bowl zum Mitnehmen. Ich empfehle aber gerne, hier zu essen und einen Teller zu nehmen. Auf dem Teller sieht man die einzelnen Sachen viel schöner.

… die Falafel: Ich glaube wirklich, dass unsere Falafel extrem gut ist. Bei der Sauce verwenden wir die Sesampaste ohne Joghurt. So bleibt sie vegan – und so kenne ich es auch als ursprüngliche Variante.

… Gastronomie: Gastronomie ist extrem hart. Man hat wenig Freizeit, die Fixkosten sind hoch und es ist wirtschaftlich nicht einfach.

Wenn ich nicht an dieses Konzept glauben würde, würde ich keine Gastronomie machen. Der Glaube daran ist für mich sehr wichtig.

… die schönen Seiten: Am schönsten ist es, wenn jemand kommt, zufrieden hinausgeht und eine gute Bewertung hinterlässt. Dann habe ich das Gefühl, wirklich etwas Gutes angeboten zu haben.

Besonders freut es mich, wenn ich einen Teller serviere und die Leute sofort „Wow“ sagen oder ein Foto davon machen. Das passiert sehr oft – und genau das macht mich glücklich.

… Kritik: Einmal hatten wir bei einer 1+1-Aktion extrem viel Stress und haben für ein veganes Gericht dieselbe Pfanne verwendet wie zuvor für Fleisch. Das war ein Fehler und nicht absichtlich. Ich habe mich danach bei der Kundin entschuldigt.

Solche Dinge nimmt man ernst. Gerade weil mir wichtig ist, dass die Gäste zufrieden sind.

… seine Wurzeln: Meine Mutter kommt aus dem Libanon, mein Vater aus Syrien. Als Kind war ich immer wieder mit meiner Mutter bei meinen Großeltern im Libanon.

Das Konzept des Lokals verbinde ich aber vor allem mit Onkel Elias und mit diesen Erinnerungen. Deshalb bezieht es sich auf Beirut und nicht auf Damaskus.

… Wien: Wien ist für mich nicht nur Wahlheimat, sondern meine Heimat. Ich liebe die Stadt wirklich und halte sie für eine der besten Städte der Welt.

Ich war sechs Monate in Amerika und auch längere Zeit in London. Trotzdem bin ich gerne nach Wien zurückgekommen. Wien ist ruhiger, angenehmer und bietet gleichzeitig extrem viel.

… Kultur: Ich muss nicht selbst ständig in die Oper oder ins Theater gehen. Aber mir gefällt, dass es diese Dinge hier gibt und dass Menschen sie nutzen. Man merkt dadurch, wie viel die Stadt zu bieten hat.

Von Wien kann ich eigentlich nie satt werden.

… den Standort: Auch mit unserer Lage sind wir sehr zufrieden. Wir sind in der Nähe der Universität und der Schleifmühlgasse. Für uns ist das ein sehr guter Standort.

Eines für alle

Das TALISMAN in Ottakring ist beides: Institution und (noch) Geheimtipp zugleich. Das liegt einerseits an der etwas versteckten Lage ums Eck von der Thaliastraße. Zum anderen daran, dass Wirt Nešo nicht groß die Werbetrommel rührt. Er mag es gerne überschaubar. Dass dennoch immer mehr junge Leute vom nahen Yppenplatz kommen, freut ihn aber schon. 

Es gibt gute Indie-Musik vom Band. Manchmal greift jemand spontan zur Gitarre. Einmal im Monat wird kostenlos aufgekocht: Miesmuscheln busara, Karpfen- oder Gulaschsuppe. Es Gibt Starobrno oder Reininghaus vom Fass, kroatischen Sljivo oder slowenischen Borovničke (Heidelbeerschnaps) aus tiefgekühlten Gläsern und weißen Zlahtina (sprich: Schlachtina) von Nešos Heimatinsel Krk. Der Espresso ist übrigens auch sensationell.

Nešo über…

…sich: Das Talisman war eigentlich nie mein Plan. Ich hatte bereits im Service gearbeitet, unter anderem acht Jahre im Palmenhaus und danach in Restaurants. Ein guter Freund brauchte Hilfe und ich bin eingesprungen. Zunächst haben wir das Lokal zu zweit geführt.

Nach zwei oder drei Jahren ist mein Geschäftspartner ausgestiegen und ich bin geblieben. Seitdem entscheide ich allein. Das ist in manchen Dingen leichter, weil man bei Investitionen und Veränderungen nicht erst zwei unterschiedliche Vorstellungen zusammenbringen muss.

… das Konzept: Mein wichtigstes Konzept ist, dass alle kommen können – unabhängig von Alter, Herkunft oder Beruf. Hier treffen Künstlerinnen und Künstler auf Bauarbeiter, Elektriker, Studierende oder Menschen aus der Politik. Frauen und Männer, jüngere und ältere Gäste sitzen miteinander im selben kleinen Lokal.

… das Wohnzimmer: Ich wollte immer eine Wohnzimmeratmosphäre schaffen. Die Gäste sollen sich wie zu Hause fühlen und niemand soll schief angeschaut werden. Weil das Lokal klein ist, lernt man schnell andere Menschen kennen und kommt miteinander ins Gespräch.

… den Wohlfühlfaktor: Viele Gäste kommen genau deshalb regelmäßig. Manche haben sehr lange nach einem Stammbeisel gesucht und im Talisman schließlich eines gefunden. Für mich ist das ein gutes Zeichen: Die Leute kommen nicht nur wegen eines bestimmten Getränks, sondern weil sie sich hier wohlfühlen.

… das Original: Ein Wiener Beissl muss für mich auch optisch etwas von seinem alten Charakter bewahren. Im Talisman stehen Möbel, die rund 40 Jahre alt und noch immer in einem sehr guten Zustand sind.

Während der Coronazeit haben wir ein wenig renoviert und dem Lokal unseren eigenen Touch gegeben. Dabei war mir aber wichtig, den alten Flair nicht zu zerstören. Das Talisman soll nicht plötzlich wie ein komplett neues, austauschbares Lokal aussehen.

… Musik: Die Musik gehört wesentlich zum Talisman. Es läuft eine Mischung aus Rock, Blues, Elektronik und vielen anderen Richtungen. Gäste sagen mir immer wieder, dass ihnen die Musik besonders gut gefällt.

… und Getränke: Auch bei den Getränken geht es nicht darum, eine riesige Auswahl anzubieten. Das, was wir haben, soll qualitativ passen. Die Kombination aus guter Musik, guten Getränken und der entspannten Atmosphäre macht das Lokal aus.

… Kostenlos kochen: Einmal im Monat koche ich kostenlos für meine Gäste – und das mache ich schon seit rund zehn Jahren. Das Essen gibt es, solange etwas da ist. Die Stammgäste wissen darüber Bescheid, außerdem kündigen wir den Termin über Facebook und Instagram an.

… Miesmuscheln: Je nach Jahreszeit gibt es unterschiedliche Gerichte. Häufig mache ich Muscheln, in den Wintermonaten beispielsweise Gulasch oder Karpfensuppe. Es geht dabei nicht um ein gastronomisches Zusatzgeschäft, sondern darum, gemeinsam zu essen und den Gästen etwas zurückzugeben.

… Off-Style: In letzter Zeit kommen viele neue und auch viele jüngere Menschen. Ich glaube, dass sie Orte suchen, die echt wirken. Das Talisman ist kein durchgestyltes Konzeptlokal und soll auch keines werden.

Mir wäre am liebsten, es bliebe ein angenehmer Geheimtipp. Ganz geheim ist es wahrscheinlich nicht mehr, weil die Gäste anderen davon erzählen. Solange die Atmosphäre so bleibt, wie sie ist, ist das aber etwas Schönes.

… die Pension: Ich arbeite gerne hier, weil ich jeden Tag von guten Leuten und guter Musik umgeben bin. Trotzdem braucht man zwischendurch eine Pause. Ob ich irgendwann mit dem Talisman in Pension gehe, weiß ich nicht. Ich bin ungeplant hier gelandet – und was als Nächstes kommt, kann man nie genau wissen.

Pub auf urig

Katharina ist im dritten Bezirk aufgewachsen und lebt in ihrem persönlichem Bermuda-Dreieck: Wohnung, Job als Barchefin in der Strandbar Herrmann, und dem VULSTASIE – S’STAMMBEISL. Das Eck-Beisl hat sie 2024 gemeinsam mit den Gästen übernommen und pflegt das Urige weiter: Wohnzimmer-Atmosphäre zwischen dunkel getäfelten Wänden, Feierabend-Bier. Mittlerweile kommen auch die Jungen auf der Suche nach dem Original zu Katharina.

Auch Tourist:innen vom nahen Wien Mitte verschlägt es auf der Suche nach der „uniquely blending classic Austrian pub culture“ ins Vulstasie. Wenig überraschend werden sie dort fündig. Katharinas Liebe zu Namibia steckt übrigens im Namen: Vulstasie ist Afrikaans und heißt Tankstelle.

Katharina über …

… sich: Ich bin eine richtige Wienerin, im dritten Bezirk aufgewachsen und wollte auch immer hier bleiben. Ich wohne im Dritten, mein Lokal ist im Dritten und auch die Strandbar Herrmann, wo ich seit vielen Jahren arbeite, ist im Dritten. Ich nenne das immer mein Bermuda-Dreieck.

Ich bin eher zufällig in die Gastronomie hineingerutscht. Angefangen habe ich mit einem Nebenjob während des Studiums. Aus Teilzeit wurde irgendwann Vollzeit und schließlich mein Lebensweg. Ich habe schon seit Jahren darüber nachgedacht, etwas Eigenes zu machen. 2024 war es dann so weit.

… das Vulstasie: Ich kannte das Lokal vorher gar nicht, obwohl ich wahrscheinlich schon hundertmal daran vorbeigelaufen war. Als ich es das erste Mal betreten habe, ist mir sofort das viele Holz aufgefallen. Dadurch wirkt es warm, gemütlich und urig. Besonders angetan hatten es mir auch die alten Lampen. Sie waren schon dem Vater der früheren Besitzerin sehr wichtig. Mir liegt viel daran, solche Lokale zu erhalten. Ich wollte kein modernes Konzept über das Beisl stülpen, sondern das bewahren, was den Ort ausmacht.

… den Beisl-Faktor: Ein richtiges Wiener Beisl ist für mich wie ein zweites Wohnzimmer. Man kennt einander und kann auch allein kommen, ohne wirklich allein zu sein. Manche Stammgäste besuchen das Lokal teilweise bereits seit über 40 Jahren.

Natürlich sind die Wirtin oder der Wirt wichtige Gesichter eines Beisls. Aber auch der Ort selbst entwickelt mit der Zeit ein Eigenleben. Gerade die kleine Größe macht viel aus: Man sitzt nicht anonym mit 200 fremden Menschen in einem großen, modernen Lokal, sondern kommt miteinander ins Gespräch. Und als Wirtin habe ich auch alles gut im Blick.

… das Urige: Die Gäste sind ein angenehmer, bunter Mischmasch. Der Großteil der langjährigen Stammgäste ist eher älter und es sind noch deutlich mehr Männer. Inzwischen kommen auch jüngere Menschen, Studierende und Leute aus der weiteren Nachbarschaft dazu. Ich habe den Eindruck, dass gerade Jüngere wieder verstärkt nach authentischen Orten suchen.

…Küche & Namibia: Bei mir gibt es kleinere Speisen und typisch österreichische Snacks wie Würstel oder Brettljause. Fleischlaibchen, Gulaschsuppe oder Chili von Carne bereite ich mit Gewürzen aus Namibia zu. Vor rund 20 Jahren bin ich über eine damalige Stammkundin als Au-pair nach Namibia gekommen. Die Familie dort ist zu meiner zweiten Familie und Namibia zu meiner zweiten Heimat geworden. Und das schlägt sich eben auch im Namen nieder. Vulstasie heißt Tankstelle.

Wie zu Hause

Das PAPA FREDDY’S liegt im hippen 7. Bezirk – nicht mittendrin, aber immerhin. Und es hat die Patina der womöglich ruhmreichen Vergangenheit als Café Erber, dem damaligen Club-Café für Rapidler – die vor 100+ Jahren ausschließlich männlich waren und in Anzügen herumliefen. Davon zeugt ein Foto, das Adrian von einem Stammgast bekommen hat. 

Die Wirtin aber ist Alina. Sie hat das Papa Freddy’s blutjung mit damals 21 Jahren und anfangs kaum Deutschkenntnissen übernommen. Und musste sich als Quereinsteigerin in einem Wiener Beisl behaupten, dessen Stammgäste anfangs mit ihr wenig anfangen konnten – einige zumindest. 

Heute ist das Papa Freddy’s ein verlängertes Wohnzimmer, wie es sich für ein Original Wiener Beisl gehört. Neben Stammgästen von jung bis alt gibt es auch Laufkundschaft, die auf der Suche nach Authentizität hereingespült wird. Alina und Adrian haben sich dort kennengelernt und das Papa Freddy’s auf der Rückseite ihrer Eheringe originell verewigt.

Alina über …

… das Papa Freddy’s: Meine Mutter bekam von den damaligen Besitzern den Hinweis, dass sie das Lokal abgeben wollten. Ich war damals erst 21 Jahre alt und nicht sicher, ob ich wirklich schon ein eigenes Lokal haben wollte. Ich war mit 19 nach Wien gezogen und musste zuerst Deutsch lernen. Gleichzeitig brauchte ich eine Arbeit mit flexiblen Zeiten, damit ich mich weiterbilden konnte. Also habe ich das Lokal übernommen, hier gearbeitet und nebenbei gelernt.

… den steinigen Einstig: Vor mir wurde das Lokal von österreichischen Besitzern geführt. Als die Stammgäste hörten, dass nun eine 21-jährige Frau aus Rumänien übernimmt, blieben viele zunächst weg. Nach ungefähr zwei Wochen kamen sie aber zurück und entschuldigten sich. Danach haben sie mich sehr unterstützt. Sie setzten sich mit mir zusammen, halfen mir beim Deutschlernen und passten auch auf mich auf. Das war für mich besonders wichtig, weil ich so jung war und vorher keine Erfahrung in der Gastronomie hatte.

…klare Grenzen: Gerade am Anfang musste ich sehr konsequent sein. Ich konnte nicht mit Gästen arbeiten, die mich nicht respektierten oder mir erklärten, ich sei zu jung. Deshalb habe ich einigen Menschen Lokalverbot erteilt. So habe ich mir nach und nach ein Publikum aufgebaut, mit dem ich gut arbeiten kann.

… ein klassisches Wiener Beisl: Das Papa Freddy ist ein klassisches Wiener Beisl, das es seit rund 80 Jahren gibt und in dem die Getränke im Mittelpunkt stehen. Bisher hatten wir keine Speisen. Nun möchten wir mit kleinen Snacks beginnen, etwa Würsteln oder Aufstrichbroten. Es wird aber keine umfangreiche Speisekarte geben.

Bei der Renovierung wollten wir seinen Charakter unbedingt erhalten. Wir haben nur Wände, Decken und Türen gestrichen und einige Tische und Sessel aufgearbeitet. Die alten Sitzbänke wurden lediglich neu lackiert. Auch die Bar und das alte Kühlhaus aus den 1950ern sind geblieben.

… die Gäste: Obwohl der siebte Bezirk für neue, schicke und innovative Lokale bekannt ist, funktioniert unser traditionelles Konzept sehr gut. Viele junge Leute suchen heute genau solche Orte. Wir laufen nicht jedem Trend hinterher. Gerade deshalb wird das Papa Freddy von vielen Gästen als authentisch wahrgenommen.

Zu uns kommen viele Studentinnen und Studenten, darunter auch zahlreiche Deutsche. Gleichzeitig haben wir ältere Stammgäste, die das Lokal bereits seit Jahrzehnten besuchen. Dass diese unterschiedlichen Menschen gut miteinander auskommen, ist einer unserer größten Vorteile.

Einige Gäste besuchen Wien nur einmal im Jahr und kommen trotzdem bei jeder Reise wieder zu uns. Manche verbinden das Lokal inzwischen fest mit ihrem Aufenthalt in Wien.

… den BeWirt*-Faktor: Das Schönste an der Gastronomie ist für mich, dass Menschen zusammenkommen und miteinander kommunizieren. Im Papa Freddy hat sich eine Gemeinschaft entwickelt, in der man sich gegenseitig hilft.

Wir funktionieren stark auf einer emotionalen Ebene. Die Menschen lernen einander kennen, bauen Beziehungen auf und unterstützen sich. Viele sagen, dass sie sich bei uns wie zu Hause fühlen. Genau das macht für mich ein echtes Beisl aus.

Auch meinen Mann Adrian habe ich im Papa Freddy kennengelernt. Er war damals Gast und ist geblieben. Inzwischen führen wir das Lokal gemeinsam. Auf unseren Eheringen sind die Koordinaten des Papa Freddy eingraviert. Das Lokal ist schließlich nicht nur unser Arbeitsplatz, sondern auch der Ort, an dem unsere gemeinsame Geschichte begonnen hat.

Trixi im Glück

Seit 18 Jahren lebt Trixi am Ludwig-Koeßler-Platz im Glück: zunächst im Kleinen Glück, seit acht Jahren gegenüber ZUM NEUEN GLÜCK: ein Original Wiener Tschocherl mit großer Bierauswahl, kleinen Speisen und vielen Stammgästen, die seit Jahren Trixis Gastfreundschaft schätzen.

Weil man gehen sollte, wenn es am Schönsten ist, steht Trixis Nachfolge schon fest: Franziska und Sascha werden bald übernehmen und alles beim Alten lassen – mit neuen Ideen. Was aber bleibt: ein Grätzlbeisl, wo jede:r willkommen ist, solange die Regeln des Anstands eingehalten werden.

Trixi (Mitte), Franziska und Sascha über…

… Zum neuen Glück: Das Zum neuen Glück ist ein kleines Grätzlbeisl. Trixi ist seit fast 18 Jahren hier am Platz und seit acht Jahren im Neuen Glück. Jetzt geht es langsam in Richtung Übergabe: In einem Jahr sollen Franziska und Sascha übernehmen. Der Name bleibt, und genau das ist wichtig. Es soll weitergehen.

… die Übergabe: Für uns ist der Reiz, dass das Lokal schon eine Geschichte und eine Stammkundschaft hat. Es ist kein Ort, den man komplett neu erfinden muss. Viele Gäste kennen wir schon, viele wohnen in der Gegend. Es ist familiär, und genau das macht die Arbeit schön. Man kommt nicht einfach nur in einen Job, sondern in ein Umfeld, das schon lebt.

… Sascha: Ich bin gelernter Schlosser und arbeite schon lange in meinem Beruf. Im Lokal habe ich zuerst eher nebenbei angefangen, an Wochenenden. Aber es hat mir Spaß gemacht: mit den Leuten reden, sie wiedersehen, Teil von dieser Familie werden. Für mich ist das Arbeit, die sich nicht nur wie Arbeit anfühlt.

… das Grätzlbeisl: Rundherum sperrt viel zu, und genau deshalb ist es wichtig, dass solche Orte bleiben. Ein kleines österreichisches Beisl, ein Lokal fürs Grätzl, wo man einander kennt und wo man einfach hingehen kann. Es geht nicht darum, jedem Trend nachzulaufen. Es geht darum, ein zweites Wohnzimmer zu sein.

… Familie: Unsere Hymne ist frei nach Peter Alexander: „Wir sind eine große Familie“. Das trifft es ziemlich gut. Natürlich braucht ein Lokal auch neues Publikum, nur von Stammgästen allein kann man auf Dauer nicht leben. Aber der Kern bleibt: Die Leute sollen sich kennen, miteinander reden und sich wohlfühlen. Die Familie soll größer werden, nicht verschwinden.

… neue Ideen: Es soll weiterhin klassisch und gemütlich bleiben, aber es darf auch neue Dinge geben. Im Winter funktionieren zum Beispiel 80er- und 90er-Partys gut. Auch der Gastgarten wird wichtig bleiben. Wir wollen das Lokal nicht verbiegen, aber schon schauen, was zu uns passt und was die Leute gerne annehmen.

… Willkommen sein: Bei uns ist jede:r willkommen, solange man sich benimmt. Es ist egal, woher jemand kommt oder wer jemand ist. Wenn man sich respektvoll verhält, passt es. Wenn nicht, ist man schneller draußen, als man glaubt. Das ist wie daheim: Wenn sich jemand nicht benehmen kann, lässt man ihn auch nicht in der Wohnung.

… Sicherheit: Uns ist wichtig, dass sich alle wohlfühlen können, auch Frauen und Damengruppen. Wenn jemand eine Grenze überschreitet, wird eingeschritten. Zuerst versucht man zu schlichten, aber wenn es nicht anders geht, muss jemand raus. Es soll kein Ort sein, an dem jemand angepöbelt oder belästigt wird.

… die Stammgäste: Viele wissen selbst, wann es genug ist. Manche sagen dann: Ich habe schon zu viel, ich gehe lieber. Das gehört auch zu so einem Familiengefühl. Man kennt einander, man spürt die Grenzen und weiß, wie weit man gehen kann. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber grundsätzlich sind die Gäste gemütlich.

… Bargeld: Bei uns gibt es nur Bargeld. Kartenzahlung hatten wir einmal, aber bei kleinen Beträgen hat sich das nicht ausgezahlt. Gerade wenn wenig konsumiert wird, bleibt am Ende zu wenig übrig. Deshalb ist es wichtig, dass die Gäste wissen: Bitte Bargeld mitnehmen.

… Essen: Eine große Küche gibt es nicht. Es gibt kleine Speisen, die gut vorbereitbar sind – zum Beispiel Würstel oder Toast. Es geht nicht um ein großes Speisenkonzept, sondern um das, was zu einem Beisl passt: unkompliziert, aber gut.

… den Gastgarten: Der Platz draußen ist schön, und der Gastgarten soll auf jeden Fall eine Rolle spielen. Gleichzeitig muss man natürlich auf die Nachbarschaft schauen. Musik und Lautstärke sind ein Thema, da braucht es Fingerspitzengefühl. Es soll lebendig sein, aber so, dass es funktioniert.

… Musik: Musik gehört dazu, aber sie muss zum Lokal und zu den Gästen passen. Man kann fragen, was die Leute gern hören, und dann schauen, was funktioniert. Es muss nicht ein fixes Programm sein. Wenn Schlager passt, dann passt Schlager. Wenn gemischte Musik besser funktioniert, dann wird es gemischt.

… die Zukunft: Das Zum neuen Glück soll bleiben, was es ist: ein familiäres Grätzlbeisl. Gleichzeitig darf es sich weiterentwickeln. Es geht darum, den Charakter zu erhalten und trotzdem offen zu bleiben für neue Gäste, neue Ideen und die nächste Generation.