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Autor: Stefan Knoll

Soulfood zum Schlürfen

Das Shoyu Ramen im 1. Bezirk ist LiebhaberInnen von japanischen Streetfood bekannt. Seit Mai 2023 gibt es auch das Shoyu Pan in der Marxergasse im 3. Bezirk. Es geht wieder um Ramen – raffiniert gewürzte Suppen mit Hühner- oder veganen Gemüse-Fonds und Ramennudeln als Einlage –, die in Asien gerne geschlürft werden. Im Shoyu Pan gibt es auch hausgemachte Pans: süßes japanisches Backwerk aus Germteig, das mit Keksteig überzogen wird. Unermüdliche Wirtin und Seele der beiden Standorte ist Ou Dong (2.v.l.). Die Wienerin schupft ihre Läden aber freilich nicht alleine. „Ohne mein Team“, sagt sie, „bin ich nichts.“

Ou über …

… sich: Meine Eltern sind Anfang der 1980er Jahre aus China nach Österreich gekommen, da war ich sechs Jahre alt. Wir haben ein China-Restaurant aufgemacht und ich musste als Kind mithelfen, das war für mich normal. In die Gastronomie wollte ich später dann auch auf gar keinen Fall, denn Spaß hat mir das natürlich keinen gemacht.

Ich bin als junge Erwachsene zunächst ins Marketing gegangen. Zwischendurch hat mich mein Vater überredet, mit ihm ein Lokal in Bruck an der Mur zu eröffnen, das ich relativ frei gestalten konnte. Nach der Geburt meiner Kinder wollte ich dann etwas Eigenes machen. Mit einer Küche die mir persönlich schmeckt – und das sind japanische Ramen.

… Suppe für die Seele: Wir haben 2016 das das Lokal in der Seilerstätte eröffnet und ich hatte keine Ahnung, dass ich genau den Puls der Zeit damit treffen würde. Um Ramen gibt es einen Hype, aber in erster Linie ist es Soulfood. Ramen tun dir einfach gut. Du hast eine total nahrhafte Suppe und nach dem Essen hast du ein wohliges Gefühl im Magen und wirst nicht erschlagen vom Essen. In Asien schlürft man die Nudeln. Schlürfen gehört einfach dazu und intensiviert den Geschmack. Hier schmeckt es natürlich auch ohne Schlürfen (lacht).

vegane Varianten: Traditionell enthalten Ramen Fleisch. Das gibt es bei uns auch. Da ich aber selber kein Fleisch esse, haben wir viele vegane und vegetarische Gerichte. Unser Green Ramen ist vegan und eine Eigenkreation mit Shitake Pilzen, Kombu, also Seetang, mit vielen anderen Gemüsesorten. Und unser Curry mit Tofu ist mittlerweile auch vegan. Das Yaki Nasu Don ist mit Melanzani und ein traditionelles Gericht. Ich habe es etwas abgewandelt. Und das Mabo Dofu Don ist mit Tofu und ursprünglich ein chinesisches Fleischgericht, bei uns mit veganem Faschierten. 

… Team works: Für mich ist mein Team das Allerwichtigste, denn ohne Team bin ich nichts. Es gibt Zeiten, da stehen die Gäste Schlange, in der Küche brodelt es und hat eine Megahitze. Dann ist die Arbeit wahnsinnig stressig und wir reden nicht mehr viel und verständigen uns hauptsächlich mit Blicken. Jede* weiß dann, was sie* kann und worin sie* am Besten ist. Das ist echtes Teamwork, und als Wirtin bekommst du das nur, wenn du ein sehr, sehr familiäres Arbeitsklima schaffst. Wenn dann  zB eine Kollegin spontan nach Peru muss, weil der Vater krank ist, muss das möglich sein. Und wenn das Kind vom Koch länger mit Anziehen und Kindergartengehen gebraucht hat, kann er auch einmal später kommen. 

… das Hüten des Hype: Mittlerweile gibt es viele Ramen-Lokale, aber ich sehe das nicht als Konkurrenz, ganz im Gegenteil. Ich kann viel lernen von den anderen. Und es ist genug für alle da. Ich glaube, viele künftige GastronomInnen denken sich: „Was der oder die kann, kann ich schon lange“. Aber wir haben sehr, sehr viel Erfahrung mit japanischen Ramen und geben immer unser Bestes.

Design zummmmmh!

Während Corona beschließt Manuela Torres, eine kulinarische Produktlinie zu entwickeln und entdeckt eine Marktlücke bei veganen Pralinen. Manuela – selbst vegan – versucht sich im Nischen-Segment. Heute produziert die DULCERIA neben Schokoladen einzigartige Soulfood-Shots aus mehrschichtigen, mit Kakaobutter überzogenen fruchtig-herben Füllungen. Jede einzelne Praline ist ein handbemaltes und handpoliertes Unikat. Und dulceria ein Beleg dafür, dass gute Produkte kein Marketing brauchen. Oder kaum.

Manuela über …

… sich: Seit ich 16 bin, habe ich im Büro gearbeitet. Tja, und dann kamen Corona und Home Office und ich hatte Zeit zum Nachdenken. Gekocht und gebacken habe ich immer schon gerne. Und weil ich selbst seit sieben Jahren vegan lebe und bei der Recherche gemerkt habe, es gibt hierzulande noch keine veganen Pralinen und hochwertige Schokoladen, wollte ich das machen.

… die Wildcard zum Zuckerbacken: Mitten in der Umsetzung bin ich draufgekommen, dass du dafür eigentlich eine Meisterprüfung als Konditorin brauchst. Ich habe der Landesinnung meine Produkte präsentiert und eine individuelle Befähigung erhalten. So begeistert waren die vom Produkt. 

… handverlesene Unikate: Jede einzelne Praline ist ein Unikat in Handarbeit. Wir versuchen uns immer wieder an neuen Mischungen und kombinieren außergewöhnliche Geschmäcker in mehreren Schichten, etwa Kürbiskerne und weiße Kouvertüre, Peanutbutter und Jelly, Ingwer und Zartbitterschokolade. Der Überzug aus Kakaobutter wird anschließend mit Pinsel, Airbrush oder Schwamm handgefärbt und poliert.

… die wachsende Fanbase: Ich habe Kurse gemacht und Zuhause geübt und ausprobiert. die Familie und FreundInnen mussten als Testobjekte herhalten. 2022 hatten wir dann auf der Veganmania einen Stand und sind überrannt worden. Seitdem wächst die Zahl an KundInnen und StammkundInnen. Sie freuen sich auch über unsere Sondereditionen wie aktuell zum Beispiel über die Love is Love-Edition für die Pride. 

… den Preis der Freiheit: Die Selbstständigkeit ist schwierig, vor allem im Lebensmittelbereich, weil du hundertausend Auflagen und Vorschriften erfüllen musst. Aber ich würde nicht mehr tauschen wollen. Es ist einfach großartig, dein eigenes Projekt zu gestalten und zu sehen, wie gut es bei den Leuten ankommt und wie es wächst und einfach funktioniert. Das ist unbezahlbar.

Die Welt in einem Salon

Das MAGDAS Hotel und Lokal beim Prater war bereits eine Institution. Im Frühjahr 2023 hat der Caritas-Lehrlingsbetrieb den neuen Standort in der Ungargasse bezogen: Für das „Vienna City“ wurde ein früheres Priester-Wohnhaus zum Wohlfühl-Hotel umgestaltet – mit lichtem Lokal im Foyer, dessen Sichtachsen zwischen offener Küche, Innenhof-Schanigarten und breiter Fensterfront zur Straße liegen. Gabriela Sonnleitner (Bild li. mit Pauline und Jankir) schupft auch den neuen Laden gemeinsam mit ihrem Team.

Das Konzept, Menschen mit Fluchthintergrund Chancen zu ermöglichen, ist gleich geblieben. Auch am neuen Standort wurde intensiv Upcycling betrieben: zum Beispiel bei den Tischplatten aus alten Schranktüren oder bei der Bartheke aus einem alten Beichtstuhl. Neu ist die größere Mittags- und Abendkarte und noch mehr Professionalität an allen Ecken und Enden. Das Magdas ist etwas schicker und reifer geworden – und bleibt doch ein Ort der Integration für alle.

Gabriela über…

… sich: Mein erster Job war in der Tourismusagentur der Stadt Wien. Von 2000 bis 2010 habe ich die Kommunikation der Caritas geleitet, bin dann wieder in die Wirtschaft zurück. 2015 wurde ich gefragt, ob ich das magdas machen will. Und was soll ich sagen: Ich liebe es, Lokal- und Hotel-Wirtin zu sein.

… magdas Überzeugung: Magdas ist eine kleine Social Business Gruppe und hat mehrere Betriebe. Uns gibt es nur weil wir davon überzeugt sind, dass unsere KollegInnen mit Fluchthintergrund großartige Menschen sind und Österreich bereichern. Und ich denke, das gelingt sehr gut. Es ist toll, gemeinsam mit dem Team neue Standorte zu entwickeln. Wir haben mit dem Hotel beim Prater und einer kleinen Bar begonnen, wo wir Speisen und Getränke angeboten haben. In der Ungargasse haben wir jetzt ein A la Carte-Lokal mit komplett renoviertem Hotel.

… das Food-Konzept: In unserem alten Haus stand der Schriftzug „Die Welt in einem Salon“. Aufgetischt werden Gerichte aus jenen Ländern, aus denen meine KollegInnen kommen. Und das in guter Qualität und mit regionalen Produkten. Wir haben viele vegane und vegetarische Speisen und einen hohen Bio-Anteil. Wir kochen mit vielen verschiedenen Nationen zusammen und jeder bringt seine Spezialitäten ein – auch einmal was typisch Österreichisches.

… die Angst vor Neuem: Wir bilden in unserem Lokal Lehrlinge aus. Bei der Begutachtung, ob wir als Standort taugen, hat der Zuständige die Speisekarte in die Hand genommen und gemeint: „Aber damit machen Sie keine Lehrlingsausbildung.“ Er meinte die wenigen Gerichte auf unserer kleinen, feinen Karte. Wir konnten ihn dann überzeugen, dass unsere Karte oft wechselt und jeden Mittag ein neues Gericht serviert wird. Es ist manchmal herausfordernd, hierzulande etwas Neues zu machen – das zeigt auch die Diskussion über die vegane Kochlehre. Auch ich wurde von einem unserer Lehrlinge schon gebeten, wir sollten auch im magdas Lokal mehr Fleisch kochen, weil in der Berufsschule nur Fleischgerichte geprüft würden.

… Motivation zuerst, Talent später: Menschen, die zu uns kommen, müssen vor allem eines sein: motiviert. Vor einigen Jahren hat Gulet aus Somalia bei uns eine Kochlehre begonnen. Er konnte anfangs kaum ein Messer richtig halten. Und unser damaliger Küchenchef hat sich fast geweigert, ihn zu nehmen. Aber Gulet wollte unbedingt Koch werden, das war sein Lebenstraum. Wir beantragten eine verlängerte Lehre für ihn, Gulet hat sich heineingekniet und kann heute super kochen. Er hat ein bissel länger gebraucht, aber dafür sind wir da.

… Mut zur Extrameile: Wir haben viele supertalentierte junge Menschen hier. Hin und wieder tut sich jemand am Beginn aber auch schwer, und wir fragen uns, ob er/sie das auch lernen wird? Und es ist so schön, wenn wir dann erleben wie ihm oder ihr der Knopf aufgeht. Dafür brauchen wir ein tolles Führungsteam, das wir zum Glück gefunden habe. Unser stv. Serviceleiter Roland hat zum Beispiel schon im Habibi&Hawara ausgebildet und ist ein super Trainer. Wenn es dir zu mühsam ist, junge Menschen auszubilden und dabei vielleicht eine Extrameile zu gehen, bist du bei magdas nicht richtig. Wir verabschieden uns nicht sofort, wenn es Schwierigkeiten gibt.

… geben und geben: Wir sind ein tolles internationales Gastroteam mit dem kleinen Extra, dass unsere Arbeit ein bisschen mehr Sinn macht. Unser Team brennt für gutes Essen, feines Service, gutes Miteinander, aber besonders für die Menschen, die wir ausbilden.

Julianisches Kulinarium

Das Cafe ESPRESSO im 7. Bezirk braucht eigentlich keine Aufmerksamkeit mehr. Praktisch jede* kennt das Midcentury-Juwel von Julia Zerzer und Michael Novak als Frühstücks- und Abend-Cafe mit kleiner, feiner (und auch veganer) Küche.

Doch jetzt ist das Zuckerlgeschäft nebenan frei geworden. Im LOLLIPOP wird es künftig die Espresso-Küche geben, nur größer. Außerdem eine Greißlerei und die Bäckerei von Julian Lubinger, der sein Handwerk in der Spitzengastro und beim Edel-Bäcker erlernt hat. 

Julia über …

… sich: Ich bin in einem Tiroler Touristenort geboren und im Hotel der Familie aufgewachsen. Meine Mutter hat immer gesagt, „Bitte geh nicht in die Gastro“. Das hat nicht funktioniert. Mein Mann hat Medizin studiert, nebenbei in der Gastro gejobbt und ist picken geblieben. Wir haben 1999 das Wirr eröffnet und 2004 das Espresso. Das Lollipop wird voraussichtlich unser letztes Projekt sein.

… Lokal mit allem: Im Lollipop wird es alles geben – eine Greißlerei mit Gemüse, Fleisch und Fisch, fertiges Essen und die fantastischen Backwaren von Julian Lubinger. Wir werden unser Eingewecktes im Glas anbieten, diverse Saucen, Fermentiertes, Gulasch, Suppen. Für das Espresso produzieren wir die Gläser seit mehr als zehn Jahren und rund ein Drittel der Produkte war von Anfang an vegan. Die Speisen kannst du im Lollipop auch bestellen und vor Ort konsumieren. Wenn es keinen Platz gibt, nimmst du sie einfach rüber ins Espresso.

… Croissants aus Sauerteig: Julian experimentiert gerne, zum Beispiel mit Croissants aus Sauerteig, die er schon jetzt für das Espresso bäckt. Sie kommen sehr gut an. Davor war er beim Edel-Bäcker und wollte sich schon länger selbstständig machen. Im Lollipop wird er sich unter eigenem Namen einmieten. Wir können hier lokale Synergien schaffen.

… Waldviertler Blondvieh: In der Greißlerei werden wir Michis legendäre Würste anbieten. Das Fleisch kommt vom Bio-Schober aus dem Waldviertel. Der Schober hat ausschließlich frei lebende Rassen wie das Waldviertler Blondvieh. Wir werden Gemüse von den Dirndln am Feld anbieten und von Biosain am Wachtberg – alles ProduzentInnen, von denen wir schon jetzt beziehen. 

… Miteinander im 7.: Dieses Miteinander des Kleinstrukturierten ist der eigentliche Grund, warum wir das Geschäft übernehmen wollten –  Hier im 7. Bezirk wird das auch funktionieren. In den vergangenen zehn Jahren hat sich sehr viel getan, er ist international und hipp geworden. Solange sich die jungen Leute Wohnraum leisten können, bleibt das auch so. Das ist allerdings ein bissel der Knackpunkt.

 

Going for Gold

Wenn ein professioneller Goldgräber (Will) und eine Ernährungswissenschafterin (Tina) ein Lokal eröffnen, kommt das heraus: SCHNAUZER&BEAGLE ist eine Mikro-Brauerei mit hervorragenden IPAs und Pale Ales, die man nur dort bekommt. Dazu gibt es Sausage oder Veggie Rolls und gesündere Sachen mit hausgemachten, frischen BIO-Zutaten. Außerdem jeden 2. Mittwoch mal ein Pub Quiz – und aus den Hähnen fließt wie gesagt flüssiges Gold. Von alldem unbeeindruckt: Nutmeg, die Beagle-Dame.

Tina und Will über…

… ein Hobby: (Will) In Australien habe ich als Geologe nach Gold geschürft – im Untertagebau Proben entnommen, Schichtprofile erstellt und Laborbefunde analysiert. Als ich Tina auf Safari kennenlernte, war schnell klar, dass ich  nach Wien auswandern werde. Dort brauchte ich hier ein Hobby für drinnen. Also habe ich wieder mit dem begonnen, was ich schon während des Studiums gemacht habe: Bierbrauen in der Küche.

… das Gemeinschaftsprojekt: (Tina) Und ich war zunächst wenig begeistert, weil ich keine Brauerei in der Wohnung haben wollte (lacht.) Wills britischer Onkel hat ihn dann ermutigt, mit dem Brauen doch professioneller zu werden. Er hat einen Schnauzer-Hund, deshalb Schnauzer und Beagle. Zunächst war kein gemeinsames Projekt geplant. Doch dann haben wir diesen Ort hier gefunden. Und ich wollte immer schon ein Cafe oder Bistro betrieben. Also wurde es unter Gemeinschaftsprojekt.

… Nuggets: (Will) Das Schönste am Brauen ist der kreative Part. Wenn du neuen Hopfen ausprobierst, der blumige oder Fruchtaromen einbringt. Oder du überlegst, wie diese und jene Ingredienz zusammenpassen könnte. So gesehen bin ich immer noch Goldgräber (lacht). Es ist wie Schürfen nach neuen Aromen und Geschmäckern. Du optimierst und gräbst ein bisschen tiefer. Und bist gespannt und manchmal überrascht, was du alles freilegen kannst. 

Ich braue etwa zehn verschiedene Biersorten in sehr kleinen Chargen. Keine schmeckt exakt wie die andere, weshalb du immer einen einmaligen Geschmack hast. Wir brauen in kurzen Abständen, weshalb das Bier immer rotiert und frisch durch unsere Hähne fließt. Ich braue selbst und hier im Lokal, was auch nicht oft vorkommt. Wenn du unser Bier trinkst, hab ich es gemacht.

… regional: (Tina) Wir machen alles selbst, vom Fruchtsaft bis zur Aussie Sausage Roll – das ist klassisch gewürztes Faschiertes im Blätterteigmantel oder als vegetarische Variante mit Gemüse. Ich habe Ernährungswissenschaften studiert und will wissen, woher die Lebensmittel kommen und was drin ist. Deshalb verarbeiten wir nur Bio-Fleisch und unsere Zutaten sind überwiegend Bio und regional. Im Sommer beziehen wir Kräuter & Gemüse von der Gärtnerei Bach am Wiener Stadtrand. Ich würd hier niemals etwas anbieten, was ich nicht selbst gerne essen würde.

… und Lokal: (Tina) Unser Lokal liegt etwas versteckt aber es kommen viele Locals zu uns. Wir haben auch Gäste aus dem Sonnwendviertel – es ist die perfekte Spazierdistanz nach einigen Drinks. Viele junge Leute ziehen nach Favoriten, das Grätzel ändert sich langsam. Und mit dem Bus sind wir von der Mariahilfer Straße auch nur 15 Minuten entfernt. Es ist ein guter Ort.

Übersee-Regionalisten

Bio-Kaffee, fair gehandelt, per Segelfrachter verschifft und über Eichenfeuer geröstet: Das ist das Lebensprojekt von Oscar und Daniel Kravina. Die Bohnen für BRIGANTES kommen von kleinen Kaffee-Kooperativen aus Süd- und Mittelamerika. Geröstet wird nach alter Methode in der Toskana. Der ökologische Rucksack des Transports ist damit nicht viel größer als vom Greißler ums Eck. Beziehen kann man Brigantes-Kaffee zum Beispiel im ANDANTE, das ebenfalls, dem Zweck dient, nachhaltige Tradition zu bewahren und in die Zukunft zu führen.

Daniel (li., neben Annette und Kathi aus dem Team) über …

… die Anfänge: Zunächst gab es das Andante. Wir wollten einen Raum zu schaffen, eine verlängerte Küche und Wohnzimmer, um kulinarisches Erbe zu sichern. Die Oma zeigt uns, wie man Kärntner Reindling macht oder Schlutzkrapfen aus Südtirol. Authentische Gerichte, mit viel Liebe und oft mit einfachen Zutaten gemacht – altes Küchenhandwerk.

Und dann kam Brigantes. Mein Bruder Oscar hatte eines Tages die Idee, einen historischen Großsegler aus dem Jahre 1911 wieder seiner Bestimmung zurückzuführen, nämlich Waren emissionsfrei über die Ozeane zu transportieren. Denn bis in die 1920er Jahre haben Segelfrachter auf den Weltmeeren Ressourcen genutzt und nicht verbraucht. Erst mit dem Verbrennungsmotor haben wir begonnen, Ressourcen zu verbrauchen, Diese Idee fand ich „crazy“ wie genial und war sofort Feuer und Flamme. Und wenn wir schon Waren segeln wollen, warum nicht gleich einen eigenen Kaffee? Das war die Geburt des Brigantes Kaffees.   

… Übersee-Regionalisten: Wir kaufen ohne Zwischenhandel direkt von den Kaffee-Bauern. Wir zahlen den Kooperativen wesentlich höhere Preise als marktüblich.  Wir haben mit Kaffee aus Honduras und Nicaragua begonnen und auf Kolumbien und Mexico erweitert. Wir verschiffen unseren Kaffee mit der Avontuur und der  Tres Hombres, die seit 2009 regelmäßig über den Atlantik segelt und schlicht keinen Motor hat. Unser ökologischer Rucksack ist deshalb so klein wie der eines regionalen Produkts.

… die Feuer-Taufe: Geröstet wird der Kaffe in einer Rösterei in der Toskana, die noch mit Feuer röstet. Auch das ist eine sehr alte und mittlerweile seltene Methode, da heutzutage in der Regel industriell beziehungsweise in der Trommel geröstet wird und die Ergebnisse recht einfach reproduzierbar sind. Bei der Feuer-Röstung ist das Ergebnis immer in Nuancen anders, keine Charge schmeckt genau wie die andere. Hier wirkt die Kunst des Handwerks, denn ein erfahrener Tischler weiß auch, wann er die Hobel mit welchem Druck ansetzen muss.

… soziale Segel-Aspekte: Beim Segeltransport steht der ökologische Aspekt im Vordergrund. Aber für mich ist der soziale Aspekt fast noch wichtiger. Denn wenn wir ökologische Fortschritte machen wollen, müssen wir jene Menschen stärken, die sich in der Landwirtschaft, im Transport oder in anderen Bereichen engagieren. In Zeiten der Automatisierung, der künstlichen Intelligenz und Millionen arbeitsloser Menschen sollten arbeitsintensive Bereiche wie Segelfracht nicht als Nachteil gesehen werden.

… das eigene Schiff: Deshalb bauen wir seit Jahren nicht nur eine nachhaltige und soziale Kaffeemarke auf, sondern restaurieren im Hafen von Trapani auch unseren eigenen Großsegler. Künftig können wir mit unserem eigenem Schiff und der eigenen Mannschaft unseren eigenen Kaffee segeln und gleichzeitig die bestehende operative Segelflotte um 120 Tonnen erweitern.

… zurück in die Zukunft: Wir haben nicht den Anspruch, die globale Transportlogistik zu verändern. So viele Segelschiffe kannst du gar nicht bauen, um die gigantischen Mengen zu transportieren, die derzeit auf den Weltmeeren unterwegs sind. Und genau das ist das Problem: Wir transportieren zu viel, und das nur, weil es billig ist. Und das ist unsere Message, wir wollen Menschen zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen animieren. Wir alle können uns hinterfragen, ob wir wirklich alles brauchen, was wir so besitzen.

Kein Gschistigschasti

Ein herrlich ruhiger, großzügiger und grün umrankter Garten mitten in der Stadt, Kardinalschnitte, Schnittlauchbrot „und kein Gschistigschasti“: 2013 hat Theres das GARTENCAFE im 6. Bezirk  übernommen. Kurz darauf ist Geschäftspartner Wolfgang eingestiegen.

Die Frühstücke sind traditionell und tragen den Namen von Theres‘ Töchtern und Geschwistern. Die Leute kommen wegen des Gartens, wegen der Top-Qualität der kleinen Gerichte. Und wegen der Authentizität, die beides ist: zeitlos und aus der Zeit gefallen. Wie angenehm.

Theres über …

… Kaffeehaus statt Kaffeemaschine: Mein Ex-Lebensgefährte hat im Internet nach einer gebrauchten Kaffeemaschine gesucht und ein Kaffeehaus zur Übernahme gefunden. Und ich hatte schon vor 30 Jahren im Freundschaftsbuch meiner Nichte als Traumberuf „Kaffeehausbesitzerin“ angegeben. Also war ich mutig und hab’s übernommen. Anfangs konnte ich vieles alleine machen und meine Töchter haben ausgeholfen, wenn der Garten voll war. Nach einigen Monaten habe ich meinen Geschäftspartner Wolfgang kennengelernt, damals war er Gast.

… Kardinalschnitte und Schnittlauchbrot: Wir haben Frühstück und Mehlspeisen. Früher hatten wir Mittagstisch, das mache ich nicht mehr. Die Küche ist einfach zu klein. Es gibt einen einzigen Gast, für den koche ich immer noch täglich. Wir haben unsere kleine, feine Karte mit Salaten und Broten. Frühstücken kannst du den ganzen Tag bei uns. Mehlspeisen stehen nicht in der Karte, ich mach sie jeden Tag frisch und abhängig von der Saison. Mein Liebling ist die Mohntorte, unser Klassiker ist die Kardinalschnitte. Die geht weg wie die warme Semmel. Strudel lieben die Leute auch.

… den Garten: Gäste lieben unseren Garten. Er ist mitten in der Stadt und trotzdem hörst du die Vögel zwitschern. Verkehrslärm dringt nicht durch. Im Frühling und Sommer ist es ein herrlicher Platz zum Entspannen. die Leute genießen die Ruhe. Du kannst deinen Melange auch in Ruhe austrinken, ohne befürchten zu müssen, dass dir irgendwer die Rechnung auf den Tisch knallt, weil der Tisch gebraucht wird. Und wenn es voll ist, setzt sich halt jemand dazu.

… junge Gäste, geerdet: Anfangs hatten wir fast nur SeniorInnen hier, dann wurde das Publikum jünger und auch offener. Obwohl du bei uns kein Gschistigschasti findest, also Avocados, Panacakes oder ein anderes fancy Produkt für Instagram. Bei uns gibt es normale Österreichische Frühstücke, Buttersemmerl mit Marmelade oder zwei Eier im Glas und Schnittlauchbrot. Ich denke, wir sind so übersättigt mit allem. Die Leute kommen zu uns in den geerdeten Garten, frühstücken oder essen eine Kardinalschnitte und genießen die Ruhe. 

… ein StudentInnenleben lang: Wir haben immer wieder StudentInnen zur Unterstützung. Viele bleiben ihr gesamtes Studium lang bei uns. Woran das liegt? Wir sind ein kleiner feiner Betrieb. Jeder, der hier arbeitet, muss eine Freude daran haben, denn wir verbringen viele Stunden zusammen. Deshalb richten wir unsere Dienstpläne nach deren Prüfungen aus und gehen abends mal auf ein Eis oder machen persönliche Weihnachtsfeiern.. 

… die Frauenquote: Wir haben 80 Prozent junge Frauen und 20 Prozent Burschen als Unterstützung. Zum einen habe ich noch wenige Burschen gefunden, die ebenso gerne servieren wie in der Küche zu stehen. Das ist aber bei uns nötig, weil hier jede/r alle machen muss. Andererseits bewerben sich viel mehr junge Frauen. Und sie bleiben dann auch länger. Der Job ist hart. Du arbeitest bei bis zu 35 Grad und läufst deine Kilometer im Garten. Abends reflektieren wir dann oft gemeinsam den Tag, reden über Gäste und schwierige Situationen. Und da sind die Mädels einfach kommunikativer, denke ich. Vielleicht liegt es daran.

… ignorante Lieferanten: Als Frau bist du in der Gastronomie sehr ausgesetzt. Mit den Gästen kann ich umgehen und auch Distanz wahren, wenn es sein muss. Wolfgang unterstützt mich dabei mit Schmäh, wir sind ein super Team. Aber die Lieferanten ignorieren mich manchmal immer noch. Kommen rein und fragen, wo der Chef ist. Oder gehen automatisch zum Wolfgang und reden nur mit ihm. Und Wolfgang schickt sie dann zu mir. Diese Ignoranz ist schon sehr nervig.

… Foto-Inflation: Meine Töchter kümmern sich um Social Media. Wir haben einen Chat, Marie, Kathi, Wolfgang und ich. Wir kommunizieren täglich und dort heißt es dann: Bitte macht’s wieder ein Foto oder ein Video. Ich weiß schon nicht mehr, was ich jeden Tag fotografieren soll, also ganz ehrlich: Was soll ich jeden Tag fotografieren?

Von Topf zu Tisch

Küche + Esszimmer steht auf der Webseite vom DITTA im 8. Bezirk. Und genau das machen Lisa Rauchbüchl (Bild, li.) und ihr Team (Raffaela, Mi., Lisa, re.): Klassiker und Neues für den Mittagstisch – vom frisch angerührten Risotto über Kaspressknödel bis zum Curry mit hausgemachten Pasten –, to go oder fürs urgemütliche verlängerte Esszimmer vor Ort. Mahlzeit!

Lisa über …

… Anfänge und Anhänge/r: Ich habe mir schon als Kind gedacht, ich will ein Lokal. Nach dem Studium war rasch klar, ich gehe nicht ins Büro. Also bin ich mit Fahrrad-Anhänger zu kleinen Firmen gefahren und habe dort Mittagessen gekocht. Ich habe auch Currypasten verkauft und kleine Caterings gemacht – alles, wofür der Hänger reichte. Ich habe zwischendurch auch und im Ditta gearbeitet, damals hieß es anders. Dann hat meine Vorgängerin hier aufgehört und ich habe übernommen.

… Küche mit/ohne Komfortzone: Wir haben 10 verschiedene Currys, die wir saisonal anpassen. Wir kochen Klassiker wie Spinat- oder Kaspressknödel, Lasagne oder Risotto, das wir frisch anrühren. Ich probiere auch gern Neues aus und versuche die Leute aus der Reserve zu locken. Ins Curry geben wir zum Beispiel Obst oder wir machen Tofu-Crumbles als Topping. Unsere Klassiker haben ihre Fans, aber ich denke, den meisten KundInnen ist nicht wichtig, was wir machen. Denen schmeckt es immer.

… Bio, Bauern, Brunnenmarkt: Wir haben eine Gemüseküche, also vegan und vegetarisch. Ich versuche mit dem regionalen und saisonalen Angebot die Küche so vielfältig und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Unser Gemüse beziehen wir von Biogast, wir kaufen aber auch am Bauernmarkt oder die Kräuter am Brunnenmarkt. Da unser Menü täglich wechselt, brauchen wir auch keine großen Mengen. 

… Esszimmer für alle: Die meisten Leute kommen aus einem Umkreis von ein paar hundert Metern. Wir haben viele AnrainerInnen in Home Office, Angestellte aus Architekturbüros und Anwaltskanzleien, aber auch PensionistInnen, StudentInnen und Eltern in Karenz. Wir haben es hier sehr familiär und das schätzen viele. Manche StammkundInnen kommen mehrmals die Woche, für sie sind wir ein verlängertes Esszimmer.

… Teamwork: Zwei kleine Kinder und Lokal – das ist schon ein ziemlicher Spagat. Aber ich habe ein super Team, auf das ich mich verlassen kann. Ich mache die Menüplanung und versuche alles gut zu organisieren. Und mein Partner und ich teilen uns die Care-Aufgaben wirklich fifty-fifty. Außerdem haben wir auch das sprichwörtliche Dorf zu Verfügung, das es braucht, um Kinder großzuziehen: meine Eltern und tolle FreundInnen, die im Falle einspringen.

Zucker frei!

Guter Fair Trade Kaffee, viel selbst Gemachtes wie Kuchen, Sirupe und Liköre und ein Ort, an dem sich auch queere Menschen wohl fühlen: das ist das FETT + ZUCKER im 2. Bezirk. Die Architektin Eva Trimmel hat das Lokal 2011 eröffnet und es zeigt sich, dass die einfachen Konzepte immer die besten sind – Liebe zum Produkt, Freude am Lokal und viel Fett und Zucker vorausgesetzt.

Eva über …

… die Idee: Ich habe Architektur studiert und als Architektin gearbeitet. Irgendwann habe ich beschlossen, das ist doch nichts für mich. Ich habe mir gedacht: Es wäre doch schön, ein eigenes Cafe zu haben, wo alle deine FreundInnen abhängen können. Und es gab damals 2011 in Wien auch kaum queere, alternative Orte, wo man Nachmittags hingehen konnte.

 … und die Umsetzung: Ich wollte einen Ort schaffen, an dem es guten Kaffee gibt und selbst gemachte Mehlspeisen wie zum Beispiel einen Blechkuchen, der innerhalb von zwei Stunden verputzt ist. 2011 gab es das alles noch nicht so wie heute, der Kaffee war oft richtig grauslich und die Sachertorte kam aus dem Supermarkt. Unser Kaffee ist ein Single Origin, Bio und Fairtrade von Charlie Fürth.

… Fett & Zucker: Die Kuchenrezepte kreiere ich alleine oder mit meinem Team. Fett und Zucker ist schon auch meine Philosophie. Ich halte wenig von kalorienredzierten Produkten. Kuchen esse ich ja nicht, weil ich Hunger habe. Mit Kuchen will ich mich belohnen und meiner Meinung nach schmeckt er nur gut, wenn er Fett und Zucker enthält. 

… selbst Gemachtes: Wir bieten nur Produkte an, die uns selber gut schmecken und vieles ist hausgemacht. Liköre und Sirupe machen wir selber, zum Beispiel mit Maiwipferln, also jungen Fichtentrieben, oder Weichseln, Lavendel und Rosmarin aus Gärten von Verwandten oder FreundInnen. Wir setzen auch Kombucha oder Ginger Beer selbst im Fett+Zucker an. Als meine Eltern noch gelebt haben, hat die Mama Marmelade eingekocht und der Papa Kompott gemacht. 

Ich achte darauf, dass auch unsere zugekauften Produkte einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck haben. Am weitesten gereist sind Produkte aus Deutschland. Der Wein kommt zum Beispiel aus meiner Heimatgemeinde Neckenmarkt. 

Braufrau

Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Roland Schalken führt Anna Haider die BRAUEREI SCHALKEN. Mit einer klassischen Story: Was als Experiment in einer Küche in Ottakring begann, hat sich als kleine, feine Brauerei etabliert. Im Vorjahr ist Schalken der Sprung nach Transdanubien geglückt, gebraut wird mittlerweile dort. Neben Zwickl, IPA und Pale Ale wird auch das Muschicraft produziert. Und ja, Bier sei auch ein Frauengetränk, meint Anna.

… Frauen und Bier: Bier gilt als Männergetränk. Ich sehe das als Herausforderung und empfehle Frauen, statt dem klassischen Märzen und anderen Volumenbieren unsere Pale Ales oder IPAs zu probieren, die sind fruchtiger, hopfiger. Für jede Frau gibt es ein Bier. Österreich ist hier einfach noch ein sehr konservatives Bierland: Märzen, Helles, Zwickel, aus. Dabei kann Bier so viel mehr.

… Frauen und Brauen: Auch in der Braubranche bin ich als Frau ziemlich einsam. Dabei war Brauen ursprünglich Frauen vorbehalten. Sie haben Bier in Kesseln angerührt und beim Verkauf am Markt als Erkennungszeichen einen Spitzhut getragen. Ein umgedrehter Besen an der Hauswand zeigte an, dass es frisches Bier gab. Später hat sich die Kirche das Brauen angeeignet und Hut, Kessel, Besen wurden Insignien von Hexen – tja.

… Brauen und Lobau: Gegründet hat Schalken mein Partner Roland gemeinsam mit seinem Bruder, der mittlerweile wieder ausgestiegen ist. Sie haben wie viele in der Branche ganz klassisch in unserer Küche begonnen und die Brauerei ist schnell gewachsen. 2022 sind wir von Ottakring in die Lobau expandiert.

… Bier und die Liebe: Ich war nicht von Anfang an dabei und bin während der Pandemie 2020 eingestiegen. Mein Job in der Medienbranche hat mich damals nicht mehr interessiert. Es war also die Liebe zum Bier und die Liebe zueinander. Doppelt hält besser.

… Exotik vs Donaustadt: Wir brauen neben unseren IPAs und unserem OPA, dem Ottakring Pale Ale, auch ein klassisches Märzen, das Donaustädter. Auch ein Bio-Zwickel haben wir im Sortiment. Wir probieren schon immer wieder etwas Exotisches aus, zum Beispiel ein Pumpkin Pie Ale mit klassischen Kürbiskuchen-Gewürzen. Das funktioniert einmalig ganz gut, aber dann greifen KundInnen rasch wieder zum klassischen Bier zurück.

… Craft Beer-Mythen: Den Namen Craft vor dem Bier hören wir eigentlich nicht gern. Denn ein Pale Ale oder IPA, das bei uns als Craft Beer gilt, ist in den USA ein stinknormales Bier. Oft glauben die Leute, es wird alles Mögliche hineingemischt oder Craft Beer sei automatisch stark. Dabei heißt Craft Beer lediglich, dass es nicht industriell produziert wurde. Und die Würze kommt hauptsächlich vom Hopfen. Du darfst hierzulande wesentlich weniger in ein Bier hineinmischen als in Wein.

Beisl. Bühne. Beieinander.

Das Bühnenwirtshaus KULISSE Wien ist seit der Gründung im Jahre 1980 ein Fixstern der heimischen Kabarettszene und war Ausgangspunkt von großen Karrieren zahlreicher Publikumslieblinge. Im Jahr 2022 hat Alexa Oetzlinger die traditionsreiche Location übernommen und den politischen Anspruch wieder geschärft. 

Das urige Beisl samt Schanigarten bietet ein Speisenangebot, das genauso vielseitig wie der Spielplan ist. Von typisch wienerischen Beislgerichten bis zu veganen Schmankerln bietet die Karte für jede Vorliebe etwas Passendes. Denn in der Kulisse ist Vielfalt in allen Bereichen gewünscht und wird auch gelebt. 

 
Alexa über …
 

… sich: Ich habe beruflich schon alles Mögliche gemacht, mich viel auf Kleinkunstbühnen herumgetrieben und betreibe auch eine KünstlerInnen-Agentur. Während der Pandemie habe ich sogar als Sozialarbeiterin gearbeitet, weil die Kultur ja tot war. Dann hat mich meine Vorgängerin Doris Ringseis angerufen und gefragt, ob ich die Kulisse übernehmen will. Ich musste nicht lange überlegen: Klar wollte ich.

… Multi-Tasking: Die Kulisse ist gleichzeitig eine vollwertige Kabarett-Bühne und ein vollwertiges Wirtshaus. Alleine im Gastronomiebereich habe ich 20 MitarbeiterInnen, weil vor den Vorstellungen bis zu 200 Gäste kommen, die alle gleichzeitig essen und trinken wollen. Ich bin ein Wirtshauskind, deshalb lebe ich hier meinen Traum, Gastronomie und Kultur unter einem Dach zu vereinen.

… das Speisenangebot: Wir haben eine Basiskarte und monatlich wechselnde Specials, wobei wir Wert auf Saisonalität legen. Von klassischen Wiener Beislgerichten bis zu veganen Speisen ist für Alle was dabei. 

… Stars zum Anfassen: Eine Besonderheit der KULISSE ist, dass die  Stars auf der Bühne aufgrund der Räumlichkeit ganz nah am Publikum sind. Das macht das Erlebnis für das Publikum zu etwas ganz Besonderem, da es sich sehr direkt anfühlt. Fast so, als würde ein Freund mit dir sprechen. Die Intimität lieben Publikum und KünstlerInnen gleichermaßen, denn Kabarett lebt von dieser Unmittelbarkeit.

Einige KünstlerInnen suchen auch nach der Vorstellung den Kontakt zum Publikum, plaudern mit den Leuten oder trinken mit ihnen noch das eine oder andere Gläschen. Außer sie sitzen am KünstlerInnen-Tisch des Beisls, das ist sozusagen das „Leo“. Die Leute wissen das und lassen sie dann in Ruhe.

… zivilen Widerstand: Wir haben kürzlich eine Benefiz-Veranstaltung für die KlimaaktivistInnen gemacht. Ich habe auch Verständnis für die Kritikpunkte an dieser Art des Protests, aber als sie dann in manchen Medien zu Terroristen erklärt wurden, habe ich gedacht, das geht nicht. Und ganz ehrlich: Was sollen die jungen Leute tun? Jahrelange berechtigte Proteste und die Politik lacht. Zivilen Ungehorsam finde ich gut und wichtig in einer funktionierenden Demokratie. Ich war selber oft demonstrieren und wenn ich jünger wäre, würde ich vermutlich auch mitmachen.

BIOnierIeistung

Seit 2021 gibt es in der Grazer Innenstadt einen ganz besonderen Platz für Biofans. Im KOCH-GENUSS-ATELIER ist der Name Programm: Ute Koch und ihre Schwester Barbara (sowie deren gesamte Familie) zeichnen für das Gesamtkonzept verantwortlich – ausgewogene, leistbare Küche in gediegener Atmosphäre –, aus Tradition seit den 1980er-Jahren.
 
Ute und Barbara über …
 
… die Wurzeln: Unsere Eltern setzten schon in den 1980ern auf Bio. In ihrem Lebensmittelgeschäft in Schwanberg (Südweststeiermark) betrieben sie eine Getreidemühle betrieben und verkauften regionale und biologische Lebensmittel. Damals wurden sie nur belächelt. Wir sind so aufgewachsen und dieser Philosophie stets treu geblieben: konsequent regional, saisonal, biologisch. Unsere Arbeit war immer geprägt von der Wertschätzung und Dankbarkeit für Umwelt und landwirtschaftliche ProduzentInnen in der Region.
 
… neue Wege: Bis 2018 haben wir das Lebensmittelgeschäft in der Gemeinde betrieben und die Menschen mit wertvollen Lebensmitteln versorgt. Dann war die Weiterführung wirtschaftlich nicht mehr möglich. Wir haben uns mit Caterings ein zweites Standbein aufgebaut; insbesondere für Hochzeiten und besondere Anlässe für Menschen mit einem hohen Anspruch an hochwertige und besondere Produkte und Ästhetik.
 
… the Big Styria Apple: Zu dieser Zeiten haben wir auch den Sprung in die Landeshauptstadt gewagt. Wir haben uns auf Biofesten präsentiert und bei den Ausflügen nach Graz ein geeignetes Gastro-Lokal gefunden, in das wir uns sofort verliebt haben. Es hat aber noch zwei Jahre gedauert, bis das KochGenussAtelier in der Sporgasse seine Pforten öffnen konnte. Genehmigungen, Umbau, Corona und ein paar andere Hindernisse mussten noch bewältigt werden – aber wir haben nicht locker gelassen.
 
… den Wohlfühl-Faktor: Unsere Gäste sagen, dass sie die Leidenschaft spüren, mit der wir hier im Lokal unsere Speisen produzieren. Wir wollen biologisches, aber auch leistbares Essen mit einer Extraportion Liebe anbieten – ausgewogene Küche in gediegener Atmosphäre.